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Business-Plan statt Hausarbeit

Wenn Leipziger Studenten Unternehmer werden Business-Plan statt Hausarbeit

Noch aus dem Studium heraus Unternehmer werden: Klingt abenteuerlich, ist aber machbar. In Leipzig seien die Bedingungen dafür sehr gut, sagen Förderer und ehemalige Studenten, die diesen Schritt hinter sich haben. Aber wie lässt sich in Leipzig – trotz vieler Risiken – die eigene Geschäftsidee umsetzen?

Ein Mix aus Geschäftsreise und Abenteuerurlaub: Johannes Soeder von Akwaba Afrika in der Elfenbeinküste

Quelle: David Heidler

Leipzig. Ob David Heidler schon vor Studienbeginn in Leipzig gewusst hätte, dass er mit Afrikanistik ausgerechnet Unternehmer werden würde? „Nicht wirklich“, sagt der 26-Jährige und lacht. Und doch sitzt er im Büro in der Südvorstadt, an den Wänden hängen Afrika-Karten, auf einem Bildschirm zu seiner Linken reihen sich Fotos von Geschäftsreisen aneinander: Kapstadt, Elfenbeinküste, die Savannen Tansanias.

2013, noch im Studium, haben Heidler und sein Kommilitone Johannes Soeder ihre Firma „Akwaba Afrika“ (Willkommen in Afrika) gegründet. Seitdem vermitteln sie Afrikareisen, die nach eigenen Angaben einem „ökologisch und sozial nachhaltigen Anspruch folgen“. In der Anfangszeit saßen die Gründer tagsüber in Seminaren, nachts brüteten sie über Business-Plänen und ersten Katalogen. Jetzt, im zweiten Geschäftsjahr, hat sich der Umsatz verdoppelt, und auch das Netzwerk an Geschäftspartnern, das sie im Studium auf dem afrikanischen Kontinent geknüpft haben, wächst kontinuierlich. Ein ruhiger Start.

Dass eine Start-Up-Gründung durchaus turbulenter ablaufen kann, zeigt ein anderes Leipziger Beispiel: „Lecturio“ wurde 2008 von Martin Schlichte, damals frischer Absolvent der Leipziger Handelshochschule (HHL), gegründet. Heute bietet das Unternehmen bis zu 7000 digitalisierte Vorlesungen und Online-Weiterbildungen an, hat Zweigstellen im In- und Ausland – und bis 2011 rote Zahlen geschrieben.

„Ich habe in dieser Zeit 90 Stunden pro Woche gearbeitet und mit einer Handvoll Leuten den Laden alleine geschmissen“, erinnert sich Schlichte. In so einer Phase brauche man einen kühlen Kopf und Durchhaltevermögen. Für Lecturio kam die Kehrtwende 2012, als das Leipziger Unternehmen einen millionenschweren Investor aus Frankreich gewann.

Wer von der Uni direkt ins Unternehmertum wechselt, muss also mit Risiken leben. Trotzdem, da sind sich Heidler und Schlichte einig, sind die Bedingungen für studentische Gründungen in Leipzig gut. Die Mieten sind niedrig, was Büroräume erschwinglich macht, außerdem gibt es eine ganze Reihe an Fördermitteln für studentische Gründer, darunter finanzielle Hilfen der Sächsischen Aufbaubank und Mikrokredite der Stadt Leipzig.

Nicht zuletzt sind es auch die Leipziger Hochschulen, die Studenten die Start-Up-Gründung erleichtern können. Das zeigt zum Beispiel ein Blick in den jährlichen Gründungsradar des  „Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft“, zu dessen Förderern und Partnern unter anderem Bosch und Deutsche Bank, aber auch die Max-Planck-Gesellschaft gehören. Der Stifterverband gibt an, in seinem Gründungsradar vergleichen zu wollen, wie gut deutsche Hochschulen Unternehmensgründungen fördern und unterstützen. Im Ranking für 2013 landet die Uni Leipzig bei Hochschulen ab 15.000 eingeschriebenen Studenten im oberen Mittelfeld. Die HHL ist in ihrer Kategorie – bei bis zu 5000 Studenten – Spitzenreiter.

Eines der Programme, an das sich Studenten wenden können, ist die „Selbstmanagement-Initiative Leipzig“ (SMILE). Für Studenten ist die Beratung dort kostenlos. Ihnen wird unter anderem erklärt, wie sie an Fördermittel kommen und wie sie ihre Idee vermarkten können. Getragen wird das Projekt unter anderem von der Uni Leipzig und von der HHL, Geldgeber der Initiative sind die EU und der Freistaat Sachsen.

Die Professoren Utz Dornberger und Helge Löbler arbeiten seit 2006 an der Initiative. Sie sehen Stadt und Region auf einem guten Weg. „In Leipzig hat sich eine vitale Gründerszene entwickelt“, bilanziert Löbler mit Blick auf die letzten zehn Jahre – eine Arbeit, die insbesondere Frischlingen von der Uni Fehler erspart haben dürfte.

„Studenten sind oft sehr von ihrer Idee überzeugt“, sagt Utz Dornberger. „Sie denken dann, dass, wenn ihr Produkt erstmal fertig ist, es auch alle potentiellen Kunden finden, verstehen und konsumieren wollen.“ Die Beratung, so Dornberger, soll den Ambitionen der Unerfahrenen eine „praktische Erdung“ geben.

Auch Lecturio-Gründer Martin Schlichte rät angehenden Gründern, nicht zu viel auf einmal zu wollen – insbesondere dann, wenn sie ihre Idee schnell zu Geld machen wollen. „Nicht jedes Funding ist automatisch ein Glücksfall für ein Start-Up. Man kann sich im Erfolgsfall auch schnell ärgern, dass man zu viele Anteile seiner Firma zu früh für zu wenig Geld abgegeben hat.“ Und mit dicken Gehältern sei in den ersten Monaten – und Jahren – sowieso nicht zu rechnen.

Für den Afrika-Reiseunternehmer David Heidler haben Studenten bei der Start-Up-Gründung den Vorteil, dass sie sich Zeit für die Vorbereitung nehmen können. Die Akwaba-Gründer haben sich währenddessen unter anderem bei SMILE beraten lassen. Für Heidler ist das große Geld erstmal kein Thema, er ist froh, dass der Start für „Akwaba“ geklappt hat – auch die Umstellung von Studentenalltag zu Unternehmertum. „Anderer Workload“, sagt er knapp. Aber dafür geht es dann schon mal in den Norden Tansanias, statt in den Hörsaal H1.

Videos: Birgit Raddatz, Text: Lucas Kreling

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