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Freestyle zwischen Couch und Kachelofen

Konzertreihe „Tapetenwechsel“ Freestyle zwischen Couch und Kachelofen

Wer genug hat von den immer gleichen Veranstaltungsorten in Leipzig, ist beim „Tapetenwechsel“ richtig. Seit einem Jahr bringt die Konzertreihe Musikliebhaber und Bands in WG-Zimmern zusammen. LVZ-Campus war bei einer Show in Gohlis dabei.

Volles Haus beim Tapetenwechsel in Gohlis.

Quelle: Linda Schildbach

Leipzig. Dicht gedrängt stehen die Konzertbesucher bis in alle Ecken des Raums, Hände wippen, Köpfe nicken mit dem Beat. Die Goldkette von Rapper David Trautmann glitzert, während er sich mit Kollege Jimmi Vau die Reime wie Ping-Pong-Bälle hin- und herspielt. So nah sind die beiden ihrem Publikum, dass sie die erste Reihe mit ausgestreckter Hand berühren könnten. Das ist keine Szene aus einem Klub in einer Freitagnacht, sondern ein Sonntagabend in einem WG-Zimmer im Leipziger Norden. Trautmann alias Jahmica und Jimmi Vau rappen in der sonst ruhigen Richterstraße in Gohlis-Süd – es ist „Tapetenwechsel“ angesagt.

Die Wohnzimmer-Konzertreihe feiert im November ihren ersten Geburtstag. Vor rund einem Jahr luden die Freundinnen Malena Rottwinkel, Tina Müller und Julia Zetsche zum ersten Mal ein. Das Konzept ist simpel: Ein Abend, drei private Wohnungen, drei Bands oder Musiker. An diesem Sonntag treten neben  Jahmica noch der Singer-Songwriter Karl Scott und das Duo Love, the Twains auf. Dreimal spielt jeder der Musiker an diesem Abend, in den Pausen können die Gäste zwischen den Wohnungen wechseln. Dazu stellen Künstler in jeder WG ihre Arbeiten vor. „Es gibt in der Stadt so viele schöne Veranstaltungen und wir wollten auch gerne dazu beitragen, dass Leute einen schönen Abend haben“, erklärt Malena Rottwinkel die Motivation hinter dem ersten Tapetenwechsel im vergangenen Herbst. Die Idee fand schnell Freunde, seitdem zieht die Konzertreihe durch die Viertel der Stadt.

Während Jahmica, Jimmi Vau und Begleitband Die Obskuriosen zwischen Kachelofen und Sofa freestylen, steht Stefan Oertel, 27, im Flur und begrüßt Besucher. Es ist seine WG, in der an diesem Abend eins der Konzerte stattfindet, die Gäste tanzen in seinem Zimmer. „Wir haben letztens unseren Flur neu gestrichen, da war also sowieso alles freigeräumt, und das war dann ein Anlass, etwas zu machen“, sagt er über die Entscheidung der WG, ihre Wohnung zur Verfügung zu stellen. Doch es steckt mehr dahinter als zeitlich passende Renovierungsmaßnahmen: „Wir versuchen, die Gegend hier ein bisschen zu beleben, ein paar kulturelle Sachen zu machen.“ So ist die Hausgemeinschaft gerade dabei, einen Nachbarschaftsverein zu gründen, um ein größeres kulturelles Angebot in Gohlis-Süd zu ermöglichen. Ottos Mitbewohnerin Gwen Eichberger findet: „Die Gegend hier ist total unterschätzt.“ Zumindest für diesen Abend haben sie ihr Ziel erreicht: Oertels Zimmer ist so voll, dass die Gäste nicht mal umfallen könnten, wenn sie es wollten, auch im Flur tanzen Menschen.

Eine ähnliche Mission wie die WG haben auch die Erfinderinnen des Tapetenwechsels. „Es ist schon unser Ziel, Leute in Stadtteile zu bringen, in die Studenten sonst nicht unbedingt fahren. Zum Beispiel Gohlis – da wollten wir eigentlich schon von Anfang gerne hin, hatten aber zunächst einfach keine Wohnungen gefunden“, berichtet Malena Rottwinkel. „Wir würden zum Beispiel auch gerne mal nach Stötteritz, Anger-Crottendorf oder Kleinzschocher. Aber das ist gar nicht so leicht. Viele Studenten wohnen eben in anderen Stadtteilen.“

In Stefan Oertels Zimmer ist es leiser geworden. Die Band macht Pause, holt Bier, die Gäste ziehen Mäntel und Schals an – jetzt ist der Moment, in die Wohnungen in den Nachbarstraßen zu wechseln, um die anderen Musiker zu hören. Kurz ist es fast still in der Wohnung. Dann geht die Wohnungstür wieder auf, herein kommen ein Schwall kalter Luft und die nächsten Besucher. Auch die Rapper und die Band gehen wieder in Oertels Zimmer, Bier noch in der Hand, um das nächste Konzert zu spielen.

Von Theresa Martus

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