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„Gentrifizierung ist kein Naturgesetz“

Wohnungsmarkt „Gentrifizierung ist kein Naturgesetz“

Steigende Mieten und die daraus folgende Verdrängung von finanzschwachen Bevölkerungsgruppen, kurz: Gentrifizierung. Damit setzt sich das Netzwerk „Leipzig – Stadt für alle“ kritisch auseinander. Tobias Bernet ist ein Vertreter der Gruppe und sagt, das Problem betreffe längst nicht mehr nur die attraktiven Viertel der Stadt.

Quelle: Wikipedia, Creative Commons

Leipzig. Herr Bernet, der Osten Leipzigs hat keinen besonders guten Ruf. Im Juni sprach man noch vom Rockerkrieg auf der Eisenbahnstraße. Warum sehen Sie auch hier ein Gentrifizierungsproblem?

Ich sehe darin keinen Widerspruch. Die Immobilienwirtschaft sucht immer nach Gegenden, in denen sie Gewinne erzielen kann. Und dafür ist es in Leipzig mittlerweile völlig ausreichend, wenn Wohnungen irgendwo im inneren, gründerzeitlichen Stadtgebiet liegen. Da braucht es keine familienfreundliche Spitzenlage. Man findet heute auch im Osten Leipzigs Kaltmieten zwischen 7,50€ bis 9€ pro Quadratmeter. Das ist bis zu 80 Prozent über den Bestandsmieten.

Der Ruf ist da unwichtig?

Mit dem Ruf ist das so eine Sache. Die Assoziation des Leipziger Ostens mit Messerstechereien oder der Drogenszene ist nichts Neues. Boulevardberichte über die Eisenbahnstraße als „gefährlichste Straße Deutschlands“ mögen auf Auswärtige oder ältere Leute abschreckend wirken, in Leipzig hält das junge Leute nicht vom Zuzug ab. Für sie ist der Osten deswegen attraktiv, weil es hier zumindest jetzt noch preiswerte Wohnungen und WG-Zimmer gibt.

Gerade diese junge Altersgruppe zieht es aktuell nach Leipzig. Welche Rolle spielen Studierende bei den Gentrifizierungsprozessen?

Das hat nicht per se etwas mit Studierenden oder anderen Milieus zu tun. Natürlich kann eine junge Kreativszene von der Immobilienwirtschaft als Aushängeschild für eine bestimmte Lage benutzt werden. Aber wenn es diese Szene nicht gibt, verweist man eben auf einen Park oder die gute Tram-Anbindung.

Also geht es am Ende nicht um Milieus, sondern um zahlungskräftige Mieter?

Wir sollten nicht so sehr auf die Mieter, sondern auf die Anbieter schauen: Wie könnte der Wohnungssektor anders organisiert werden? Gentrifizierung ist kein Naturgesetz. Wenn mehr Wohnungen in den Händen von nichtprofitorientierten Trägern wie Genossenschaften wären, gäbe es diese krassen Preisspiralen nicht.

Markus Lücker

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