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HTWK-Studierende kombinieren Improtheater mit Fernsehformaten

Studentisches Theater-Projekt HTWK-Studierende kombinieren Improtheater mit Fernsehformaten

Studierende der HTWK haben etwas ausprobiert: Improvisationstheater in Kombination mit einem fernsehähnlichen Format. Die Zuschauer konnten offline und online mitmachen. Das hat gut funktioniert.

Beim interaktiven "Drama-TV" mischen sich Theater und Improvisation mit Fernsehen.

Quelle: Florian Opitz

Leipzig. Eine Fernsehshow? Ein Theaterstück? Oder einfach beides. Darauf deutet schon der Titel der Aufführung hin: Drama TV. Um zu erklären, was sie damit meinen, nennen die Organisatoren es auch schon mal „interaktive Theater-Impro-Fernseh-Sache“. Den Zuschauern im Lofft, einem kleinen Theater in Lindenau, ist an diesem Abend Anfang Februar offenbar egal, dass das Konzept nicht allzu griffig klingt: Es ist ausverkauft. Zum großen Teil sitzen da junge Leute, dem Anschein nach Studierende. Einige weit ältere Zuschauer stechen heraus, vielleicht Verwandte der Organisatoren.

Denn das sind ausschließlich Studierende der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig, etwa 20 von ihnen haben das Projekt gestaltet. Die meisten sind im siebten Semester des Bachelorstudiengangs Medientechnik, der Donnerstagabend hier im Lofft stellt sie vor die letzte große Herausforderung ihres Studiums vor der Bachelorarbeit.

Zauberstab, Einhornpuppe oder Ukulele

Dass es so umständlich ist, das Konzept der Veranstaltung zu erklären, kommt nicht von ungefähr – das Konzept ist in der Tat kurios. Die Studierenden der HTWK haben Schauspieler von Improvisationstheater-Gruppen engagiert. Sie spielen eine Fernsehwoche nach. Am Montag gibt es eine Mini-Playback-Show, am Dienstag „Anne Will“, am Mittwoch Teleshopping und so weiter. Bis Samstag geht das Ganze, jede Show wird von Hans Klinger von der HTWK anmoderiert. Der wendet sich jedoch nicht ans Publikum im Theater, sondern an die Kamera. Der Abend wird zudem live im Internet übertragen. Diejenigen, die online zusehen, können ins Geschehen eingreifen, ebenso wie die physisch anwesenden Zuschauer.

Das funktioniert beispielsweise so: Alle Zuschauer finden unter ihrem Sitz einen Zettel vor, darauf stehen Fragen wie „Was ist Ihre Lieblingsfrucht?“ oder „Welchen Gegenstand möchten Sie gerne auf der Bühne sehen?“ Dazu gibt es verschiedene skurrile Antwortmöglichkeiten, etwa Zauberstab, Einhornhandpuppe oder Ukulele. Die Zettel sammeln Mitarbeiter ein. Eine Ukulele und ein Zauberstab werden den Schauspielern tatsächlich später auf die Bühne gereicht. Das Einbeziehen von Zuschauern beim Theater ist vielen peinlich; dem Team der HTWK gelingt es hier durch die diskreten Zettel jedoch, die Zuschauer unaufdringlich am Geschehen teilhaben zu lassen. Am Ende jeden „Tages“ wird außerdem ein Gewinner-Team gekürt, teilweise auch vom Vor-Ort-Publikum.

Das Online-Publikum entscheidet mit

Improvisationstheater ist immer auch ein Risiko. Es soll authentisch und spontan sein, ohne dass zu viel schiefgehen kann. Hier glückt das Experiment, nicht zuletzt dank der erfahrenen Impro-Schauspieler. Die Gruppe der HTWK haben zuvor alle Spiele selbst einmal geprobt und sich von einem Experten beraten lassen. Die Impro-Schauspieler, die letztendlich auf der Bühne stehen, kennen zwar die Grundkonzeption der Spiele. Sie wissen jedoch nicht, um welche Themen, Gegenstände, Serien oder Stichworte es gehen wird. Das merken die Zuschauer nicht.

So hat das Online-Publikum vorab für die „Anne Will“-Talkshow abgestimmt. Das Thema: „Katzen - Fluch oder Segen?“ Schauspieler des einen Teams verkörpern die Pro-Seite, die des gegnerischen Teams die Gegenseite. Schnell finden sie sich in Rollen ein; es gibt eine Allergikerin auf der einen und einen Katzenliebhaber mit 20 Katzen zu Hause auf der anderen Seite. Ihre Spontanität ist faszinierend. Die Online-Zuschauer entscheiden während des Spiels, welche Begriffe von jetzt an auf der Bühne tabu sind. Ziemlich amüsant: Irgendwann darf niemand mehr die Worte „Katze“ oder „ich“ verwenden.

Modernes und vor allem amüsantes Format

Professorin Gabriele Hooffacker von der Medien-Fakultät an der Hochschule hat das Projekt inhaltlich begleitet. Sie versichert, dass jeglicher Input von studentischer Seite kam. Auch die Werbung für das Event und die Umsetzung des Livestreams im Internet hätten die Studierenden eigenständig erarbeitet. Sie schafften es außerdem, dass das Projekt finanziert wurde. Zum Konzept sagt Hooffacker: „Es gab den Wunsch, etwas Neues zu machen, in einem modernen Format.“ Viele der Studierenden würden bereits an Theatern arbeiten, daher sei einiges an Expertise vorhanden gewesen. Im Stream haben laut Hooffacker etwas mehr als 100 Menschen zugesehen – ähnlich beachtlich wie die Tatsache, dass die Veranstaltung ausverkauft war.

Es ist Tradition, dass HTWK-Studierende solche Projekte organisieren. Das Drama-TV stach jedoch heraus, findet zumindest Gabriele Hooffacker. In der Vergangenheit wurde zum Beispiel ein Filmquiz organisiert und ebenfalls online übertragen, auch Koch- oder Gameshows werden gerne vorgeschlagen und teilweise umgesetzt. Hier gab es jedoch außerdem den Theater-Aspekt. Zum ersten Mal hat die HTWK mit dem Lofft-Theater und den Impro-Schauspielern zusammengearbeitet.

Meistens war die Veranstaltung vor allem amüsant. Improtheater will unterhalten - an diesem Abend gelang das sogar sehr gut. Es ist jedoch die Natur der Sache, dass es an der Oberfläche bleibt, selten waren tiefe Emotionen oder komplexe Themen zu sehen. Es wurde jedoch viel gelacht, geklatscht und gefiebert, wie die Schauspieler die nächste Aufgabe meistern würden. Die Zusammenfassung am Ende der Dienstags-Talkshow vom Moderator war Programm: „Keiner hat gewonnen. Es steht Spaß zu Spaß!“

Drama-TV wurde am 2. Februar um 20 Uhr im "LOFFT - das Theater" aufgeführt. Vorerst sind keine weiteren Termine geplant.

Sarah Emminghaus

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