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Informatiker aus Jena gewinnt Science Slam im Werk 2

Science Slam Informatiker aus Jena gewinnt Science Slam im Werk 2

Die eigene Forschung anschaulich und witzig in zehn Minuten präsentieren – am Mittwoch stellten sich fünf junge Wissenschaftler dieser Herausforderung. Erkenntnisse zum Mitgefühl waren ebenso Thema wie alternativer Treibstoff zum Autofahren.

Hipster-Moderator Tobias Glufke kürt den Sieger Johannes Kretzschmar 

Quelle: Markus Lücker

Leipzig. „Schauen Sie links neben sich und passen Sie auf – Ihr Nachbar ist ansteckend.“ So beginnt Franca Parianen ihre zehn Minuten beim Science Slam. Nur ist sie keine Medizinerin und spricht nicht von Krankheiten. Sie spricht von Emotionen: Auch die sind ansteckend. Eines ihrer Forschungsfelder ist das Mitgefühl. Sie untersucht, was dabei im Hirn passiert und warum. Und wieso Leid sich nicht halbiert, wenn wir es teilen. Im Gegenteil: Es steckt an.

Parianen arbeitet am Leipziger Max-Planck-Institut. Heute Abend jedoch füllt sie das Connewitzer Werk 2 mit ihrem Vortrag zum Mitgefühl – gemeinsam mit vier anderen Science Slammern, die alle zehn Minuten Zeit haben, um ihr Forschungsfeld anschaulich zu präsentieren. 2014 war sie Finalistin bei den Bundesmeisterschaften. Die 26-Jährige hielt damals erst ihren dritten Science Slam. Vielleicht auch, weil für sie Science Slams immer auch politisch sind: „Warum empfinden wir für manche Menschen mehr Mitgefühl als für andere? Und wie können wir das ändern?“ Wie unser Gehirn auf Leiden anderer reagiert, ob wir mehr oder weniger Mitgefühl empfinden, hängt auch davon ab, ob jemand zu unserer Fußballmannschaft gehört, welche Hautfarbe er hat oder ob wir uns von ihm unfair behandelt fühlen. Woran das liegt und ob man das überhaupt ändern kann, untersucht sie.

An diesem Abend sind alle fünf Slammer zumindest am Rande politisch. Die AfD, Merkel, Seehofer, Pegida – in einem Slam über Software Engineering lässt es sich Professor Andreas Hartmann von der Leipziger Hochschule für Telekommunikation nicht nehmen, auf Erdogan anzuspielen: „Ganz sicher werde ich heute jedoch keine Staatschefs beleidigen!“ Mit ihrer linkspolitischen Haltung sammeln die Slammer einige Pluspunkte beim fast homogenen Connewitzer Publikum; auch bei den Deutschlehrerinnen in der ersten Reihe. Die dazugehörige Klasse sitzt einige Reihen weiter hinten. Science Slam als Exkursion? „Wir hätten uns in der Schule über Science Slams gefreut“, sagen Kim und Nicki, zwei Mittzwanziger, die während der Pause vor dem großen Metalltor des Werk 2 stehen und selbstgedrehte Zigaretten rauchen. „Auch wenn es natürlich oft sehr oberflächlich bleibt.“

Die meisten Bilder, die die Vortragenden an die Wand projizieren, sind keine mathematischen Formeln oder Diagrammkurven, sondern Katzenfotos und Bilder von Prominenten. Die sind ein sicherer Lacher im Publikum und sichern so die Aufmerksamkeit. Prinz Charles taucht auf, Heidi Klum und Ozzy Osbourne. Die meisten davon in dem Vortrag von Jörn Höpfner - der Soziologe spricht über gesellschaftliche Milieus. Hedonisten, die bürgerliche Mitte, Konservative. Er zeigt Fotos und teilt die Menschen in Klischees ein: Der Betriebswirtschaftler, der Prenzlauer Berg-Öko. Unfreiwillig komisch wird es, als Höpfner ein Foto eines Mannes zeigt, den jeder kennt: Bart, Holzfällerhemd, Mitte 30. Der Hipster. „Vielleicht ein Obdachloser? Vielleicht ein Holzfäller? Vielleicht ein obdachloser Holzfäller.“

Denn im selben Moment betritt Tobias Glufke die Bühne. Er moderiert die Veranstaltung und ist ein Hipster, wie er im Buche steht. Vollbart, Weste, Taschenuhr mit Kettchen – und natürlich eine Ray-Ban-Sonnenbrille. Im dunklen Werk 2.

Aber nicht alles ist Cat Content und Popkultur. Die Leipziger Chemikerin Claudia Wöckel will aus Bäumen Treibstoff zum Autofahren gewinnen; sie verschafft sich schnell Respekt durch Wörter wie Röntgenfotoelektronenspektrometer und durch Fotos von großen Metallgeräten, von Räumen voller technischer Anlagen. Der Rest wissenschaftlicher Autorität kommt von den mitgebrachten Laserpointern, mit denen sie durch die Präsentationen führt. Die Zuschauer Nicki und Kim bezweifeln jedoch, dass man dabei tatsächlich so viel mitnimmt, auch wenn sie gern auf Science Slams gehen. Meistens bleibe es nur bei Fun Facts. Bei Claudia Wöckel zum Beispiel lernt das Publikum: Sauerstoff macht Benzin klebrig.

An diesem Abend gewinnt kein Leipziger das finale Publikumsvotum – sondern der Informatiker Johannes Kretzschmar aus Jena. Er spricht über Elektroautos und was die mit Frankenstein zu tun haben. Der Gewinn: Goldene Boxhandschuhe. Er reagiert gelassen auf den ersten Platz: „Davon hab´ ich schon ein paar zuhause. Die sind mir immer zu klein.“ Bei Kretzschmar gibt es dann auch das sechste Katzenbild.

Sarah Emminghaus

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