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Kann Spuren von Kolonialismus enthalten

Postkolonialer Stadtplan Kann Spuren von Kolonialismus enthalten

Was hat Kolonialismus mit Leipzig zu tun? Das erklären die Nachwuchswissenschaftler vom Netzwerk Engagierte Wissenschaft mit einem postkolonialen Stadtplan, in dem sie das koloniale Erbe von Leipziger Institutionen und Orten dokumentieren. Nun ist eine arabische Version des Stadtplans erschienen.

Ein Zoogründer, der auch Menschen ausstellte: Ernst Pinkert.

Quelle: Linda Schildbach

Leipzig. Der Clara-Zetkin-Park im Sommer 1897: Wo heute Jogger ihre Runden ziehen, bestaunten die Leipziger andere Menschen, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. Die Deutsch-Ostafrikanische Ausstellung war damals der Publikumsmagnet der Sächsisch-Thüringischen Gewerbeausstellung, deren Ziel es war, für die „koloniale Idee“ zu werben. Missionsstation, Expeditionslager und die Haupthandelsstraße von Daressalam in Tansania samt Souvenirläden waren bei der Ausstellung fast originalgetreu nachgebaut. Besonders interessierten sich die Besucher jedoch für die Völkerschau, bei der Menschen aus der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania, Burundi und Ruanda, ausgestellt wurden. Auf eine interkulturelle Begegnung war das Konzept nicht ausgelegt: Die Kolonisierten waren Objekte der Schaulust und das Publikum bekam ein vermeintlich authentisches Erlebnis präsentiert, das freilich sorgsam inszeniert war und vor allem Stereotype bestätigte.

Die wenigsten Leipziger wissen wohl um die Geschichte des Parks. Das will die Arbeitsgruppe (AG) Postkolonial des Netzwerks Engagierte Wissenschaft, einer Initiative von Studenten und Nachwuchswissenschaftlern der Uni Leipzig, ändern. Sie hat einen postkolonialen Stadtplan entworfen, der die Spuren kolonialer Vergangenheit in Leipzig freilegt. Die erste Auflage ist bereits vergriffen, eine zweite ist in Planung. Mittlerweile gibt es die Karte auf Arabisch zum Download, weitere Versionen auf Englisch und Türkisch sollen folgen. Auf der Grundlage des Straßenbahnnetzes dokumentieren die Nachwuchswissenschaftler auf transparenten Folien bekannte Leipziger Orte und Institutionen, deren Geschichte mit dem Kolonialismus verflochten ist. Übereinander gelegt und mit Erklärtexten versehen, ergibt sich ein vielschichtiges Bild, das eine bisher wenig sichtbare Seite der Stadtgeschichte erzählt. 

Ob die Baumwollspinnerei, das Institut für Ethnologie oder der Zoo: Der postkoloniale Stadtplan löst Institutionen, die den Leipzigern vertraut sind, aus ihrer alltäglichen Selbstverständlichkeit heraus und beleuchtet ihre Entstehungsbedingungen. Mit ihrem Stadtplan will die AG Postkolonial darauf hinweisen, dass die kolonialen Spuren bis heute fortwirken, auch wenn der deutsche Kolonialismus schon beinahe ein Jahrhundert her ist. „Betörende Düfte, exotische Früchte“ und zum Dessert der „mitreißende Auftritt von traditionell gekleideten Tänzer/innen“: So bewirbt der Leipziger Zoo im Jahr 2015 unter dem Motto „Hakuna Matata“ eine Veranstaltung, bei der die Besucher „für einen Abend nach Afrika entschwinden“. Die AG Postkolonial betrachtet diese Ankündigung kritisch und stellt einen Zusammenhang zur kolonialen Geschichte des Zoos her: Auf dessen Webseite finde sich kein Hinweis auf die etwa 40 Völkerschauen, bei denen im Tiergarten von 1897 bis 1931 Menschen ausgestellt wurden. Stattdessen bediene sich der Zoo nach wie vor „exotisierender Stereotype“, ist im Stadtplan zu lesen.

Elisabeth Kimmerle

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