Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Campus Online
Google+ Instagram YouTube
Kollektivfestival an der Uni Leipzig wirbt für Respekt und Toleranz

StuRa-Festival Kollektivfestival an der Uni Leipzig wirbt für Respekt und Toleranz

Respekt, Akzeptanz, interkulturelles Miteinander – erste Auflage des Kollektiv-Festivals gibt Anreize für einen gesellschaftlichen Klimawandel.

Vom 19. bis zum 25. Mai fand das erste Kollektiv-Festival des StuRa auf dem Campus statt.

Quelle: Christoph Schäfer

Leipzig. Als Jamie Schearer noch ein Kindergartenkind war, hatte sie noch keine Vorstellung, wodurch sich Nationalitäten voneinander unterscheiden. Aber Abneigung und Fremdenfeindlichkeit bekam sie schon am eigenen Leibe zu spüren. Sie erinnert sich noch gut daran, wie ihre Hautfarbe ihr schon im Kindergarten zum Hindernis wurde. Als Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) sowie Vertreterin des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus (ENAR) teilt Schearer heute ihre Erfahrung und Expertise. Auf der Eröffnungsveranstaltung des Kollektiv-Festivals hat sie vergangenen Donnerstag von Rassismus im Alltag und insbesondere an der Universität erzählt.

 

Um Vorurteilen und gesellschaftlichen Ungleichheiten entgegenzutreten, hat der Student_innenRat (StuRa) der Universität Leipzig zum ersten Mal das Kollektiv-Festival veranstaltet. Vom 19. bis 25. Mai fanden unter dem Motto „Gesellschaftlicher Klimawandel“ mehr als 40 Veranstaltungen statt, darunter Vorträge, Workshops, Konzerte und Ausstellungen. Ziel war es dabei, Respekt, Akzeptanz und interkulturelles Miteinander zu fördern und so ein Zeichen gegen das zunehmend schlechter werdende gesellschaftliche Klima zu setzen.

 

Zusammen mit der Journalistin Kübra Gümüsay und der Autorin Sabine Mohamed etablierte Jamie Schearer 2013 den Hashtag #schauhin, um Alltagsrassismus im Netz zu dokumentieren. In ihrem Vortrag an der Uni Leipzig berichtet sie, dass sich viele Menschen häufig nicht über Alltagsrassismus bewusst seien. Dunkelhäutige Menschen wie Schearer bekämen dieses fehlende Bewusstsein durch Kommentare wie „Stell dich nicht so an“ zu spüren, sagt sie.

Der Begriff „people of color“ (POC) fällt im Vortrag immer wieder. Die Ursprünge dieser Bezeichnung wurzeln in der Kolonialzeit, geprägt von Bewegungen wie den „Free People of Color“. Später wurde er erneut aufgegriffen, unter anderem von der US-amerikanischen Black-Power Bewegung in den 1960er Jahren. Heute wird der Begriff vor allem von Aktivisten verwendet und bezieht sich auf nicht-weiße Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft rassistischen Anfeindungen ausgesetzt sind.

 

Neben dem Thema Rassismus widmete sich das Kollektiv-Festival auch der Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Behinderung oder sexueller Orientierung. Ein Gast, der ebenfalls schon während seiner Kindheit mit seiner Besonderheit zu kämpfen hatte, war der Autist Julian Telgen. Lange wusste er gar nicht, warum er sich in vielen Dingen von seinen Mitmenschen unterschied. Erst als er 18 war, änderten die behandelnden Ärzte ihre Diagnose von „diffus mehrfachbehindert“ zu Asperger-Autismus. Seither erzählt er seine Geschichte in Vorträgen vorwiegend an Universitäten – für ihn eine Art Therapie, um zu lernen, mit der Krankheit umzugehen.

 

Im Rahmen des Kollektiv-Festivals sprach Telgen vor allem darüber, wie sich das Krankheitsbild bei ihm abzeichnet: Er sei einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt und habe den Drang nach akribischer Ordnung und Struktur im Alltag. Oft hätten Autisten auch individuelle Hobbys oder Vorlieben, für welche sie sich extrem begeistern. Telgen erzählt, dass er sich gerne mit einer Bahnfahrt dem Alltag entzieht. Für seinen Vortrag, den er selbst als autobiografischen Alltagsbericht bezeichnet, erhielt er vom Publikum großen Zuspruch. Das Audimax war bis auf die letzten Reihen besetzt.

 

Als antirassistisches und inklusives Projekt hat das Kollektiv-Festival einen ersten Impuls in Richtung gesellschaftlichen Klimawandel gegeben. Dass diese Thematiken mit Abschluss des Festivals nicht zu Ende gedacht sein sollten, ist dem StuRa offenbar ein großes Anliegen, wie eine Reihe früherer Projekte zeigt. Betroffene können sich jederzeit an den StuRa oder an den Arbeitskreis Kollektiv wenden.

Text: Vera Podskalsky

Video: Friederike Rohmann und Christoph Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studentenleben
  • So geht Familie
    So geht Familie: Die Serie für Familien in Leipzig

    Die LVZ-Serie mit Tipps und Informationen für Leipziger Familien. Jetzt neu: Anlaufstellen für Familien in Notlagen.  mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Kino, Konzerte, Theater in Leipzig: Mehr als 20.000 Termine im Veranstaltungskalender der Leipziger Volkszeitung. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr