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Leben auf dem Wagenplatz: pleite, aber frei

Studentische Konsumkritik in Leipzig Leben auf dem Wagenplatz: pleite, aber frei

Leben auf Studentenniveau - das ist für viele schon die Grenze des Zumutbaren. Dass man auch mit noch viel weniger Geld glücklich sein kann, beweist die Informatikstudentin und Wagenplatzbewohnerin Lale. Sie lebt von rund 100€ im Monat.

So lässt es sich auch leben: in einem Bauwagen im Leipziger Westen.

Quelle: Anna Flora Schade

Leipzig. Hohe Zäune umgeben den Wagenplatz im Leipziger Westen, Sperrholzplatten und Plastikplanen verdecken die Sicht. Dahinter ahnt man die Bauwagen, das Zuhause der Bewohner. Diese Welt ist geschützt vor fremden Blicken – und vor der Formkraft des Geldes.

In dieser Welt wohnt die 27-jährige Lale. Die Dreadlocks hat sie hochgebunden, in Jeansjacke und Blumenbluse öffnet sie das Tor zu ihrem Wagen. Blumenblusen trägt Lale normalerweise nicht, aber heute ist ein besonderer Tag: Sie kommt gerade von einer Vertragsunterzeichnung.

Lale hat nun einen kleinen Job als Backend-Programmiererin, 19 Stunden pro Woche für 850 Euro im Monat. Für Lale ist das ein Vermögen.

Konsumkritik und Freiheitsliebe

Dabei studiert sie an der Uni Leipzig Informatik. „Ein Studium, bei dem es leicht ist, seine Seele zu verkaufen“, sagt sie lachend. Das letzte Jahr hat Lale von etwa 100 Euro im Monat gelebt. Bafög ist ausgelaufen, ihre Eltern hätten sie mit Mühe unterstützen können. Aber Lale entschied sich anders. Selbst wenn ihre Eltern ihr die Fahrkarte für den Heimatbesuch zahlen wollen, lehnt Lale inzwischen dankend ab.

Sie trampt den Weg am Ende ohnehin. Lale geht containern, holt in der Mensa halbvolle Teller von den Bändern, bekommt Klamotten von Freunden und repariert dafür deren Laptops. Sogar in Clubs kommt Lale immer wieder umsonst hinein. „Ich sage den Türstehern einfach offen, dass ich echt absolut kein Geld habe.“

Es ist eine Mischung aus Konsumkritik und Freiheitsliebe, die Lale antreibt. Oder, wie sie es beschreibt: „Ein bisschen Faulheit und ein bisschen Überzeugung.“ Sie möchte sich schlicht „nicht für Geld verkaufen“, sagt sie. „Dann nehme ich doch einfach von dem, was eh übrigbleibt.“

3000 Euro hat Lales Wagen gekostet

Viel Geld kostet das Leben auf dem Wagenplatz nicht. 70 Euro legt jeder pro Monat in die Gemeinschaftskasse. Mit dem Geld werden Plätze mitfinanziert für diejenigen, die gerade gar nichts haben. Lale lebt in ihrem eigenen Wagen.

3000 Euro hat er gekostet, das Geld hat sie sich geliehen. Um ihre Schulden zurückzuzahlen, hat sie den neuen Job angenommen. Ein anderer Wagenplatzbewohner gratuliert dazu und ruft hinterher: „Pass auf, Lale, wenn du dich an die Kohle gewöhnst, dann ist ganz schnell Schluss mit der Freiheit!“

Anna Flora Schade

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