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Leipziger Studenten bringen jungen Flüchtlingen Deutsch bei

Engagement Leipziger Studenten bringen jungen Flüchtlingen Deutsch bei

Ein Studentenprojekt nimmt sich minderjähriger Flüchtlinge an. Die Leipziger Studierenden wollen den jungen Menschen Deutsch als Zweitsprache beibringen. Die Klassen sind gut gefüllt. Die Wartezeiten steigen.

"Deutschlehrer" Weichselberger beim Unterricht mit seinen Schützlingen.

Quelle: Elisabeth Kimmerle

Leipzig. Frederic Weichselberger steht an der Tafel und gestikuliert. „Wisst ihr, was ‚fahren‘ heißt?“ Mit den Händen formt er ein imaginäres Lenkrad. An drei Tischen sitzen 15 Schüler über Arbeitsblätter gebeugt, neben ihnen je ein Student. Es ist fast wie in der Schule. Nur dass der 25-jährige Weichselberger kein Lehrer ist, sondern Philosophie an der Universität Leipzig studiert. Und seine Schüler sind unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die erst seit einigen Monaten hier leben und noch kaum Deutsch sprechen. Zweimal pro Woche kommen sie zum Interkulturellen Kontaktkreis, kurz Ikonta, einem Projekt des Vereins Fairbund, bei dem Studenten ehrenamtlich Deutsch unterrichten.

Für minderjährige Flüchtlinge gilt die Schulpflicht. Sie haben Anspruch auf einen Platz in einer Vorbereitungsklasse, in der Schüler mit Migrationshintergrund schrittweise in die Regelklassen integriert werden. Entsprechende Angebote, DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) genannt, gibt es schon an 14 Grund- und 14 Oberschulen in Leipzig. „Die Klassen sind gut gefüllt“, sagt Christine Mäkert von der Regionalstelle Leipzig der Sächsischen Bildungsagentur (SBAL), „alle Jugendlichen, die derzeit ankommen, bekommen einen Platz.“

Doch die Wartezeiten steigen. Bis zu einem halben Jahr müssen manche warten, berichtet Volker Steingrüber von Fairbund, der unbegleitete minderjährige Jugendliche als Vormund betreut. So wie Amandeep aus Indien, der seit acht Monaten in Deutschland lebt und erst vor drei Wochen einen Platz in einer Abendschule bekam. „Ich musste lange warten und spreche noch nicht besonders gut Deutsch“, sagt der 17-Jährige. Worauf das Schulsystem nicht eingestellt ist, sind Flüchtlinge, die nie oder nur wenige Jahre eine Schule besucht haben. 15-Jährige, denen bestimmte Grundtechniken wie Lesen, Schreiben oder Rechnen fehlen, können trotz Schulpflicht weder in der Oberschule noch in einer Grundschulklasse eingegliedert werden. Und bislang gibt es keine staatlichen Alphabetisierungsklassen.

Ab 2016 werden unbegleitete Minderjährige nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Für Leipzig bedeutet das nächstes Jahr etwa 170 schulpflichtige Jugendliche mit unterschiedlichem Bildungsniveau mehr. „Wir arbeiten gerade daran, ein Projekt zu etablieren, das Schüler mit lange unterbrochener Schullaufbahn auffängt“, sagt Mäkert. Wie das konkret aussehen wird, ist noch unklar. „Wenn der Bedarf da ist, schauen wir weiter“, erklärt SBAL-Pressesprecher Roman Schulz.

Weichselberger will den Jugendlichen in der ersten Zeit einen Anlaufpunkt bieten, der ihnen Struktur gibt. „Wenn sie drei Monate auf einen Schulplatz warten müssen, ist das schon zu lange.“ Das seien drei Monate ohne Sprachtraining und ohne Kontakte zu Einheimischen knüpfen zu können. „Die Jugendlichen kommen gern zu uns und haben Spaß am Lernen“, sagt er. Aber es könnte noch besser laufen, wenn wir mit DaZ-Studenten und Leuten, die die verschiedenen Muttersprachensprechen, zusammenarbeiten würden.“ Deshalb will er das Angebot erweitern zu einem täglichen Sprachkurs für junge Flüchtlinge, in dem auch DaZ- und Arabistik-Studenten ehrenamtlich unterrichten. „Wir können aber die schulischen Strukturen nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.“

Elisabeth Kimmerle

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