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Studentisches Shakespeare-Sommertheater: Romantik mit Balkan-Beats

Hochschule für Musik und Theater Studentisches Shakespeare-Sommertheater: Romantik mit Balkan-Beats

Das Sommertheater der HMT bringt Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ auf die Bühne. Die kreative und kurzweilige Inszenierung mischt Tanz mit Schauspiel und Musik – und strotzt dabei vor Energie.

Das Shakespeare-Sommertheater "Viel Lärm um nichts" im Innenhof des Grassimuseums.

Quelle: Sophie Aschenbrenner

Leipzig. Liebe, Intrigen, Freundschaft und das ganze Chaos, das sich daraus so entspinnen kann – so könnte man William Shakespeares „Viel Lärm um nichts“, geschrieben 1598/99, salopp zusammenfassen. Studierende des zweiten Schauspieljahres der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartoldy“ (HMT) bringen den Klassiker unter der Regie von Alexander Gamnitzer gerade in einer kreativen und frischen Fassung auf die Bühne. Sie mischt den Wortwitz Shakespeares gekonnt mit eigenen, modernen Sprachelementen, Musik und Tanz und ist noch bis zum 15 Juli im Innenhof des Grassimuseums zu sehen.

Die Bühne ist erstmal: leer. Holzboden, ein Kiosk, daneben ein hohes Schild mit der Aufschrift „H. Restaurant Imperial“ (Bühnenbild: Thomas Weinhold). Doch die Inszenierung braucht kein aufwendiges Bühnenbild, die an die Mode der 80er Jahre erinnernden Kostüme (verantwortlich: Amanda Siegert), die ausladenden Tanzeinlagen (Choreographie: Silvia Zygouris) und die Charaktere sind opulent genug.

Da ist Donna Leonata (gespielt von Alina-Katharina Heipe), mit luxuriösem Nerz um den Hals, die gleich zu Beginn des Stücks eine Tröte aus ihrem Ausschnitt zaubert und damit zur Party bläst. Denn zu Besuch bei der Hausherrin sind gerade die drei Freunde Don Pedro (Elias Reichert), Claudio (Max Hubacher) und Benedikt (Ferdinand Lehmann), die noch für einige Verwirrung sorgen werden. Sie kehren von einem erfolgreichen Feldzug zurück, in dem sie gegen Don Pedros Stiefbruder Don Juan (Robin Meissner) gekämpft haben.

Das Sommertheater der HMT bringt Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ auf die Bühne. Die kreative und kurzweilige Inszenierung mischt Tanz mit Schauspiel und Musik – und strotzt dabei vor Energie.

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Claudio verliebt sich bald unsterblich in Donna Leonatas Schwester Hero (Marlene Tanczik), doch ihre Hochzeit platzt erst einmal: Der junge Mann fällt auf eine Intrige Don Juans herein, der ihm weismacht, dass Hero untreu sei. Für viel Witz sorgt die Beziehung zwischen Beatrice (Nina Siewert), der Cousine von Donna Leonata, und Benedikt. Beide sind eigentlich überzeugte Singles und alles andere als angetan vom jeweils anderen. Sie bekämpfen sich vor allem mit unverfänglichen Wortwitzen, bis ihre Freunde beschließen, die beiden zu verkuppeln. Und dann ist da noch die trottelige Wachtruppe von Donna Leonata, die nebenbei ihr eigenes Theaterstück probt – nämlich den Klassiker „Pyramus und Thisbe“ – und mit ihren Slapstick-Einlagen zum Publikumsliebling wird.

Die Schauspielstudierenden haben das Original von Shakespeare abgewandelt: Donna Leonata ist in der Urfassung Leonato, der Gouverneur von Messina. Hero ist seine Tochter. Die Protagonisten dieser Fassung sind angesiedelt in der Generation der Schauspieler, und das ist auch gut so. Denn so wirken Einlagen wie die humorvollen Choreographien wirklich überzeugend und glaubwürdig.

Die Inszenierung lebt nicht nur vom Wortwitz und den scharfsinnigen Dialogen der Helden, sondern auch und vor allem von kreativen Ideen. Das beginnt mit den leicht trashigen Kostümen: Die Frauen tragen Petticoats, bunte, enge Oberteile und Stiefel. Die Männer haben eine Vorliebe für möglichst geschmacklose bunte Hemden. Die Kostüme ziehen sich durch bis zur Bademode, denn fast alle Helden ziehen sich spätestens dann aus, wenn es an die Szenen im Swimmingpool geht, der unter dem Holzboden der Bühne versteckt ist.

Viel Lärm um nichts

Bis 15. Juli täglich um 20 Uhr. Am 10. Juli spielfrei. Am 6. und 7. Juli Beginn jeweils 18 Uhr. Grassi-Innenhof (Johannisplatz 5-11), Restkarten für 15/7,50 Euro an der Abendkasse jeweils ab 18.30 Uhr (6./7. Juli ab 17 Uhr).

Die Inszenierung glänzt vor allem in Szenen wie der, als Donna Leonata und Claudio von der angeblichen Liebe Beatrices zu Benedikt schwärmen, während Don Pedro im Hintergrund umständlich hinter dem Schutz seines grünen Hemds die Boxershorts gegen seine Badehose tauscht. Benedikt, ausgestattet mit Badehose, Schnorchel und Schwimmflossen, tut derweil mit aberwitzigen Manövern so, als ob er gar nicht da wäre. Später, nach dem Sprung in den Pool, rückt Benedikt ausführlich seine Badehose wieder in die rechte Position, um dann einen ernsthaften Monolog über seine Gefühle zu halten, Schwimmflossen in der Hand und eine überdimensional große Schwimmbrille um den Hals.

Doch auch ernste Momente spielen die Studierenden authentisch und glaubwürdig. Und ihren Abschlusstanz zum Lied „I like to move it“ nimmt man ihnen sowieso ab: Ja, diese Truppe will sich bewegen, auch nach zwei Stunden auf der Bühne gelingen ihr noch aufwendige Hebefiguren und eine absolut synchrone Choreographie.

Die Studierenden haben es geschafft, Shakespeares Klassiker sommerlich leicht zu inszenieren, ohne dabei albern oder gewollt komisch zu wirken. Die Mischung aus Original-Text, modernen Elementen, Anspielungen auf Songs, Live-Musik (denn einige der Helden können nicht nur schauspielern, sondern auch Violine oder Akkordeon spielen), Balkan-Beats und akrobatischen Tänzen funktioniert und fügt sich zusammen zu einem kurzweiligen Ganzen.

Von Sophie Aschenbrenner

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