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Studieren mit Kind: Wie die Jüngsten an der Uni Leipzig betreut werden

Kinderladen Studieren mit Kind: Wie die Jüngsten an der Uni Leipzig betreut werden

Im Hörsaalgebäude gibt es einen Kinderladen - so können studierende Mütter und Väter ihr Studium mit der Elternschaft vereinbaren. Die Eltern sind zufrieden mit dem Angebot.

Der kleine Konrad fühlt sich im Kinderladen wohl.

Quelle: Elena Boshkovska

Leipzig. Als Verena Schröder ihren sechs Monate alten Sohn Konrad im Kinderladen den Betreuerinnen überlässt, gibt sich der Kleine gelassen. Er ist es schon gewohnt, dass seine Mama ihn einmal wöchentlich hierher bringt. Die Spielsachen gefallen ihm und er fühlt sich richtig wohl, wenn er auf der kuscheligen hellblauen Spieldecke liegt. Die Betreuerinnen findet er offensichtlich auch sehr nett, die kümmern sich schließlich ganz lieb um ihn. Da braucht sich Mama Verena keine Sorgen machen.

Verena Schröder studiert an der Uni Leipzig Weiterbildung für Deutsch als Zweitsprache im zweiten Semester. Während sie in der Vorlesung sitzt, ist ihr kleiner Sohn Konrad im Kinderladen. Konrad darf den Kinderladen aber nur ein Semester lang besuchen, denn die räumlichen und personellen Kapazitäten sind begrenzt. Da wird Verena jetzt schon ganz flau im Magen, wenn sie an das Wintersemester denkt. Ihr ist die räumliche Nähe zu ihrem Kind wichtig: „Ich möchte schnell bei meinem Kind sein, falls ihm etwas passiert“, sagt die junge Mutter. Am liebsten würde sie Konrad auch nächstes Semester in den Kinderladen bringen, und findet, dass man noch mehr Geld in die Kinderbetreuung investieren sollte. „Wenn es staatlich finanzierte Kinderkrippen gibt, warum sollte es nicht einen staatlich finanzierten Kinderladen an der Uni geben? Ich würde das Angebot das ganze Studium über nutzen. Ich würde sogar dafür bezahlen.“

Den Kinderladen, der sich im Hörsaalgebäude der Uni befindet, gibt es schon rund 20 Jahre. Das Angebot des Studentenwerks soll Studierenden mit Kind helfen, den Uni-Alltag und das Eltern-Dasein unter einen Hut zu bringen. An drei Tagen in der Woche können die Kleinen jeweils vier Stunden betreut werden. „Die Zeit ist deshalb so beschränkt, damit möglichst viele das Angebot nutzen können“, erklärt Silke Niewerth, die schon rund 20 Jahre als Erzieherin im Kinderladen arbeitet.

Besonders wichtig ist für Verena Schröder, dass die Betreuerinnen im Kinderladen ausgebildete Fachkräfte sind. Zu Beginn hatte sie Bedenken, da Konrad noch sehr jung ist. Aber nach dem Eingewöhnungstag wurde ihr die Angst genommen. Verena ist sehr zufrieden mit der Betreuung im Kinderladen. Und Konrad ist immer fröhlich, wenn sie ihn abholt: „Er kann auch jedes Mal etwas Neues, wenn ich ihn wieder mitnehme.“

Von Innen sieht die Kita ähnlich aus wie jede andere: Auf dem Boden ist überall buntes Spielzeug verteilt, zwischen dem die kleineren Kinder herumkrabbeln. Die etwas Älteren vertreiben sich währenddessen die Zeit mit Geschicklichkeitsspielen oder Spielzeugautos. Neben dem Bällebad liegt eine Krabbeldecke und ein kleiner Maulwurf, der zum Kuscheln einlädt. Worin sich der Kinderladen an der Uni von anderen Kindertagesstätten unterscheidet, sind die einzelnen Abläufe. Es gibt keine festen Schlaf- oder Essenszeiten. „Uns ist es wichtig, so gut es geht den Rhythmus der Eltern zu übernehmen. Wir sprechen uns deshalb ganz eng mit ihnen ab, wenn sie ihre Kinder zu uns bringen“, erläutert Betreuerin Niewerth.

Junge Mütter wie Nadine Herrmann nehmen das Angebot dankbar an: „Ohne Betreuung wäre es schon ziemlich schwer“, meint die 28-jährige Jurastudentin. Ihre Tante kümmerte sich ein halbes Jahr lang um ihren Sohn Paul, bevor er in den Kinderladen kam. Unter der Woche geht eine andere Studentin manchmal noch mit dem neun Monate alten Baby spazieren. Ein Kind verändert den eigenen Alltag sehr, was sich auch auf die Regelstudienzeit auswirkt. Das wusste Herrmann schon, bevor sie sich mitten im Studium dafür entschied, ein Baby zu bekommen. „Ich muss aber sagen, dass mir die ganzen Partys schon vorher nicht so wichtig waren. Und Mutter zu sein ist natürlich viel schöner als das Studentenleben“, findet die 28-Jährige. Sie ist sogar davon überzeugt, dass das Studium nicht der schlechteste Zeitpunkt ist, um schwanger zu werden. Besonders praktisch sei die recht flexible Zeiteinteilung, da Prüfungen auf das nächste Semester verschoben werden könnten oder Veranstaltungen nicht zwangsläufig besucht werden müssten: „Ich habe Paul schon mal zu Vorlesungen mitgenommen, als er noch kleiner war. Den Dozenten hat es nicht gestört, er fand es sogar toll“, berichtet Herrmann. Jetzt, wo ihr Sohn schon etwas älter ist, sei sie aber froh, dass es den Kinderladen gibt: „Sonst würde Paul sich wohl langweilen und die Vorlesung aufmischen.“

Von Elena Boshkovska und Sarah Schneidereit

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