Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Campus Online
Google+ Instagram YouTube
Unfallfrei zur Uni in Leipzig - auch auf dem Fahrrad

Mehr Sicherheit im Radverkehr Unfallfrei zur Uni in Leipzig - auch auf dem Fahrrad

Leipzigs Studenten lieben ihr Fahrrad. Und das aus gutem Grund: Hier gelten die Straßen als sicher. Die Zahl der Verkehrstoten ist gering. Dennoch fordern Experten, sie auf Null zu reduzieren.

Seite an Seite im Straßenverkehr: Experten fordern den Ausbau von Leipzigs Fahrradwegen. (Symbolbild)

Quelle: Bastian Schröder

Leipzig. 13.758 Mal krachte es im vergangenen Jahr auf Leipzigs Straßen. Bei fast jedem zehnten Unfall traf es einen Radfahrer. Darunter auch Anne Rauchbach. Wie viele der knapp 38.000 Studenten in Leipzig ist sie größtenteils mit dem Rad unterwegs.

So auch an einem lauen Spätsommertag in Kleinzschocher im vergangenen September, als die Geografiestudentin die Windorfer Straße hinunterradelte. Kurz vor der Taborkirche signalisierte sie mit der linken Hand ihren Richtungswechsel in den Kantatenweg – Schulterblick. Doch dem dicht auffahrenden Autofahrer hinter ihr entging, dass Anne abbog. Er schnitt die Studentin in einem brenzligen Überholmanöver. Wenige Meter weiter verlor sie die Kontrolle über ihr Fahrrad und flog über den Lenker.

Zahl der tödlichen Fahrradunfälle konstant

Anne kam vergleichsweise glimpflich davon. Bis auf ein paar schmerzhafte Prellungen und Schürfwunden blieb sie unverletzt. Doch Unsicherheit begleitet die Studentin seit dem Unfall jeden Tag. „Man fragt sich, ob man nicht selbst doch einen Fehler gemacht hat“, sagt die 20-Jährige nachdenklich. „Zuvor dachte man, okay, man kennt sich aus – bis einem so etwas selbst passiert.“

Dabei gilt Leipzig als fahrradfreundliche Stadt. Im bundesweiten ADFC-Klima-Test für Fahrradfreundlichkeit liegt Leipzig aktuell auf Platz neun. Für das Jahr 2016 zählt die Statistik der Polizei Leipzig fünf tödliche Radfahrunfälle, das ist verglichen mit den Vorjahren eine relativ konstante Zahl. Vor diesem Hintergrund erscheint die Frage, was Leipzig tun kann, um die Straßen für Fahrradfahrer noch sicherer zu machen, fast abwegig. Gehört ein gewisses Risiko im Straßenverkehr einfach dazu?

Zeit für null Verkehrstote?

Die Prüfgesellschaft für Kraftfahrzeuge Dekra hat diese Frage auf dem kürzlichen Weltverkehrsforum ITF 2017 in Leipzig mit einem eindeutigen Nein beantwortet. Ihre Idee von der Zukunft heißt „Vision Zero“. Das radikale Ziel: Die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten immer weiter senken, bis niemand mehr im Straßenverkehr ums Leben kommt. In der Umsetzung dieser Vision nimmt Schweden eine Vorreiterrolle ein: Bereits 1997 machte das Land die Vision Zero zur offiziellen Grundlage seiner Verkehrspolitik. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl kommt es heute in Schweden zu rund 30 Prozent weniger Verkehrstoten als in Deutschland.

Doch auch in vielen deutschen Städten ist Vision Zero schon Realität. Zwischen 2009 und 2015 konnten laut einer aktuellen Studie der Dekra 128 von 181 deutschen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern die magische Nullnummer mindestens einmal erreichen. Leipzig nicht. Walter Niewöhner, Unfallforscher der Dekra, hält die Vision Zero auch in Leipzig für möglich: „Leipzig hat bereits einstellige Werte bei den Getötetenzahlen. Das ist nicht mehr weit von der Null entfernt. Ob das jetzt in fünf Jahren oder erst in 15 Jahren Realität ist, das kann man schlecht sagen.“ Hier sei insbesondere die Politik gefragt, die geeignete Maßnahmen in die Wege leiten müsse, etwa mehr Radwege mit eigenen Ampelschaltungen oder autofreie Zonen.

Bereits 2012 hat die Stadt Leipzig den „Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020“ für mehr Verkehrssicherheit für Fahrradfahrer beschlossen. Bis 2020 soll auch das Unfallrisiko je Einwohner deutlich sinken. Gleichzeitig soll der Radverkehrsanteil auf 25 Prozent des Gesamtverkehrs erhöht werden, wie Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erst kürzlich bekannt gab. Auch die von der Dekra gefordeten Radspuren mit eigenen Ampelschaltungen wolle die Stadt zukünftig ausbauen.

ADFC fordert weitere Maßnahmen

Das Problem: Letztes Jahr stellte das Land Sachsen acht Millionen Euro Fördergelder für den Ausbau von Radwegen zur Verfügung. Die Stadt Leipzig machte davon keinen Gebrauch. Ein Umstand, den Christoph Waack vom Leipziger Kreisverband des ADFC sehr kritisch sieht: „In der städtischen Verwaltung bestehen starke Engpässe, um Planungen vorzunehmen, auf deren Maßnahmen überhaupt Fördermittel beantragt werden könnten. Hier fehlt es seit Jahren an Kapazitäten.“ Der ADFC fordert daher dringend neue Stellen für den Ausbau des Radverkehrs.

Der Erhöhung des Fahrradverkehrsanteils steht der ADFC grundsätzlich positiv gegenüber. Die Stadt könne hier aber noch entschiedener vorgehen: „Leipzig bietet die Potenziale den Radverkehrsanteil auch auf deutlich über 25 Prozent zu erhöhen.“ Zudem kritisiert Waack die Stadt bei der Verringerung der Unfallrisikos zu zögerlich vorzugehen: „Der ADFC vertritt die Meinung, dass die Vision Zero hier der richtige Ansatz wäre.“

Mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr

Zu guter Letzt beginnt die Vision Zero aber auch bei jedem Einzelnen, erklärt Dekra-Unfallforscher Niewöhner: „Vision Zero fängt mit einer Teilung der Verantwortung an. Wenn jeder sich darüber klar wird: Was heißt es beispielsweise zu schnell oder alkoholisiert zu fahren?“ Und die einfachste Regel laute immer noch, sich an die Regeln zu halten. Dies wünscht sich auch Anne Rauchbach: „Unfälle passieren – leider. Aber mit etwas mehr Rücksichtnahme wäre schon viel geholfen.“

Bastian Schröder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Studentenleben
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Zeitungsküken 2017 gekürt

    Zum elften Mal suchte die Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung das Zeitungsküken. Mit der Aktion steht der Nachwuchs der Region im Fokus. Sehen Sie h... mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr