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Vom Professor zum Netzphänomen

App Vom Professor zum Netzphänomen

Anonym den Klatsch vom Campus verbreiten – möglich macht das die App „Jodel“. Dank ihr haben sogar einige Professoren und Vorlesungen der Universität Leipzig campusweite Berühmtheit erlangt. Heimlicher Star der letzten Wochen: Juraprofessor Tim Drygala.

Leipzig. Dienstag, 13.00 Uhr: das Audimax der Universität Leipzig füllt sich. Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Einführungsvorlesung für die Erstsemester der Juristen. Mehr oder weniger begeistert suchen sich die meisten Studierenden einen Platz. Einige wollen möglichst weit am Rand sitzen, um später unauffällig gehen zu können. Verständlich, denn der Titel der Veranstaltung verspricht eher einen geringen Unterhaltungswert: „Bürgerliches Recht I – Allgemeiner Teil des BGB und Recht der Leistungsstörungen“.

Tatsächlich ist der Ruf der Vorlesung ein anderer – oder vielmehr der von Professor Tim Drygala. Dank „Jodel“ ist sein Humor nicht mehr nur an der Jura-Fakultät, sondern campusweit bekannt. Im Vergleich zum Großteil der anderen Professoren verpackt Drygala den Stoff der Vorlesung mit Witz und absurden Fällen, die sich tatsächlich ereignet haben. „Das Jura trocken ist, ist eine Fehlwahrnehmung. Hinter den Namen von Gerichtsentscheidungen stecken Menschen, denen das wirklich passiert ist“, erklärt der 52-Jährige, der so den Geschmack seiner Studenten trifft.

Hinter „Jodel“ verbirgt sich eine App, die sich seit einigen Monaten rasant an den deutschen Hochschulen ausbreitet. Ihr Prinzip ist einfach: Anonym kann jeder Klatsch vom Campus veröffentlichen und im Umkreis von zehn Kilometern lesen. Wem es gefällt, der vergibt einen Like und lässt den Autor im Ranking nach oben rutschen. Je mehr Likes dieser „Jodler“ sammelt, desto mehr der sogenannte „Karma-Punkte“ erhält er. Besonders beliebt bei den App-Nutzern: Sprüche über Vorlesungen, Dozenten und das vermeintlich alltägliche Chaos im Studentenleben. Das ist von dem Team rund um Gründer und Geschäftsführer Alessio Avellan Borgmeyer, selbst Mitte 20, auch so beabsichtigt. „Jodel – Der anonyme Campus-Talk. Sei freier, verrückter als jemals zuvor“, schreiben sie auf ihrer Webiste.

„Anfangs war ich skeptisch wegen der Anonymität, die durchaus Rassismus oder Beleidigungen zulässt“, erzählt Juraprofessor Tim Drygala, der Jodel seit Dezember kennt und nutzt. Eine Befürchtung, die durchaus berechtigt ist. Denn so unterhaltsam auch Sprüche wie „Ich mag meine Mitbewohner nicht. Will ausziehen, aber bin zu faul“ sind, einige der „Jodler“ nutzen die Anonymität aus. So wurde an der Universität Göttingen eine Dozentin via Jodel sexuell belästigt.

Juraprofessor Drygala muss sich zwar bei Sprüchen über seine Vorlesung wie „Für Drygala würde ich sogar Geld bezahlen“ keine Sorgen machen. Allerdings gingen auch ihm einige Posts über seine Person zu weit, vor allem in der Anfangsphase, als die App am Leipziger Campus zum Hype wurde. „Wenn dann dort stand, wo ich gerade Essen bin oder in der Stadt gesehen wurde, war das doch teilweise etwas heftig“, so Drygala.

Ihm kommt es gelegen, dass es in den kommenden Wochen wohl etwas ruhiger um ihn auf Jodel werden wird. Und das nicht nur, weil bald die Semesterferien anfangen. „Langsam geht es bei der Vorlesung in die Tiefen der Juristerei – da gibt es nicht mehr so viel zu lachen“, erklärt er scherzend. Dem allgemeinen Hype um Jodel wird das keinen Abbruch tun. Schließlich gibt es genug andere Vorlesungen und Dozenten der Universität Leipzig, die ebenfalls sehr beliebt auf Jodel sind. Heißer Kandidat als „Drygalas Nachfolger“: Dr. Jürgen Ronthaler, Institut für Anglistik.

Von Marie Landes

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