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Vorbereitungsprogramm Panda soll chinesischen Studenten Weg an die Uni erleichtern

Von China nach Leipzig: Start mit Hindernissen Vorbereitungsprogramm Panda soll chinesischen Studenten Weg an die Uni erleichtern

Ungefähr 1.000 Chinesen nahmen in den letzten 16 Jahren an dem Programm „Panda“ teil, um sich auf ein Studium in Mitteldeutschland vorzubereiten. Doch nicht alle Teilnehmer sind zufrieden.

Die eine würde Panda weiterempfehlen, die andere nicht: Xuefei Gao (links) und Yili Zhao mit der Werbebroschüre des Programms auf dem Campus Augustusplatz.

Quelle: Tatina Trakis

Leipzig. „Ich war nervös und begeistert zugleich“, erinnert sich die 26-jährige Chinesin Yili Zhao an ihre ersten Stunden in Leipzig. Ihre Heimatstadt Shanghai hat sie 2011 verlassen, um in Deutschland an dem Studienvorbereitungsprogramm „Panda“ teilzunehmen. Am Flughafen Leipzig-Halle wurde sie von einem chinesischen Herrn namens Qixiong Liu empfangen, der sich in den ersten drei Tagen um sie kümmerte. „Er hat mich ins Wohnheim gebracht und mir eine Tüte Milchbrötchen, zwei Äpfel und Kekse gegeben“, erinnert sie sich.

Qixiong Liu ist einer der beiden Geschäftsführer der Panda Wirtschafts- und Kulturaustausch GmbH. Das Unternehmen ist in Kooperation mit der Universität Leipzig für das „Panda“-Programm verantwortlich, welches Chinesen helfen soll, einen Platz in ihrem Wunschstudiengang zu erhalten. Zum Programm gehören Sprachkurse, die Beratung in Leipzig und, falls nötig, eine fachliche Vorbereitung auf ein Studium am Studienkolleg Sachsen.

In China hat Yili Zhao ein Diplom in Handelsdeutsch gemacht. „Ich wollte danach nicht als Bürokraft arbeiten, deshalb entschied ich mich für ein Auslandsstudium in Deutschland“, erzählt sie. Auf das Studienvorbereitungsprogramm in Leipzig ist sie über eine Agentur in China aufmerksam geworden, die mit der Leipziger Panda GmbH kooperiert. „Auf der Internetseite dieser Agentur stand, dass alles ganz schnell und einfach ablaufen würde“, erinnert sie sich. 15.000 chinesische Yuán, damals umgerechnet ungefähr 1600 Euro, bezahlten ihre Eltern an die Vermittler, die sich um die Organisation in China kümmern. „Von den hohen Ansprüchen oder den Problemen, die in Deutschland auftreten können, erzählten sie uns nichts.“  Doch bereits zu Beginn musste die Chinesin in Deutschland einige Hürden meistern. Nachdem sie den Aufnahmetest am Studienkolleg nicht bestanden hatte, musste sie sich um die Anmeldung zum Sprachkurs selbst kümmern. „Weil ich die Frist verpasst habe, musste ich zwei Monate lang auf den nächsten Kurs warten. Als ich Herrn Liu anrief, da meinte er, dass er nichts dafür könne und es meine Schuld sei“, sagt sie.

Auch Xuefei Gao kam vor zwei Jahren mit Panda in die Messestadt. Ursprünglich stammt die 25-Jährige aus der Millionenstadt Dongying im Osten Chinas. Über die Betreuung durch Qixiong Liu kann sie nichts Negatives sagen: „Er half mir zum Beispiel, ein deutsches Bankkonto zu eröffnen. Er gab uns seine Handynummer, die wir anrufen konnten, wenn wir Fragen hatten.“ Xuefei Gao begann nach einem Sprachkurs und einem Jahr am Studienkolleg, Wirtschaftsinformatik zu studieren. Ihr Freundeskreis in Leipzig besteht vor allem aus Chinesen. „Deshalb spreche ich außerhalb der Uni nicht so oft Deutsch“, sagt sie. „Wenn man aber fleißig lernt, dann kann man das Studium bestehen.“

Außer in Leipzig gibt es das Panda-Programm in Halle, Freiberg und Weimar. Ungefähr tausend chinesische Studieninteressenten haben so seit 1999 den Weg nach Mitteldeutschland gefunden. „Ein direkter Einstieg in ein Studium ist für Bewerber aus China oft schwierig“, sagt Antje Schöne vom Akademischen Auslandsamt der Universität Leipzig. Häufig mangle es an den nötigen sprachlichen Fähigkeiten oder an den fachlichen Voraussetzungen.

Qixiong Liu sitzt beim Interviewtermin neben Antje Schöne. Er kam kurz vor der Wende nach Deutschland, um in West-Berlin Maschinenbau zu studieren. Später tat er sich mit seinem Geschäftspartner Aimin Wu zusammen und sie gründeten 1993 die Panda GmbH. Gemeinsam tummeln sie sich seitdem in verschiedensten Geschäftsfeldern: Sie waren in Hessen an der Gründung eines „China Business Centers“ und in Leipzig am „Euro Asia Business Center“ beteiligt, halfen hunderten chinesischen Firmen bei Ansiedlungen in Deutschland und brachten eine Ausstellung der Terrakotta-Armee ins Rhein-Main-Gebiet.

Die Kritik von Yili Zhao am Panda-Programm kann er nicht nachvollziehen: „Wenn die Studierenden Fragen haben, dann versuchen wir sie an die entsprechenden Verantwortlichen weiterzuleiten. Manchmal erreichen uns Anrufe mitten in der Nacht oder am Wochenende.“ Auch bei der Zusammenarbeit mit den Kooperationsagenturen in China habe Qixiong Liu bisher nur gute Erfahrungen gemacht. „Wir arbeiten mit sechs oder sieben solcher Agenturen vor Ort zusammen“, erklärt er. Antje Schöne sagt: „Wenn sich bei uns etwas ändert, dann geben wir das über die Panda GmbH an die Agenturen regelmäßig weiter.“ Dennoch scheinen die Agenturen manchmal zu vollmundige Versprechen zu machen, denn auch andere Panda-Teilnehmer sind verärgert: „Man sagte mir, mit einem bestandenen Sprachkurs hätte ich einen Master-Studienplatz in Leipzig sicher – kein Wort davon, dass es noch ein Auswahlverfahren am Institut gibt“, erzählt ein chinesischer Student, der sich gerade in Halle auf ein Studium vorbereitet.

In Deutschland müssen die Panda-Teilnehmer neben den Kosten für die Sprachkurse beim Verein InterDaF auch eine sogenannte Uni-Gebühr bezahlen, die derzeit bei 1150 Euro liegt. „Das sind die Kosten für die Verwaltung und die Betreuung. Angefangen bei der Abholung am Flughafen, der Reservierung des Wohnheimplatzes, den Einführungsveranstaltungen und der Beratung“, sagt Antje Schöne. Die Summe teilt sich die Panda GmbH mit den Partner-Unis. Für die Chinesen kommen dann noch die Kosten fürs Wohnheim und der Semesterbeitrag oben drauf.

Müssen die Teilnehmer einen Sprachkurs wiederholen oder erhalten keinen Platz am Studienkolleg, kann es zwischen den einzelnen Programmabschnitten zu Wartezeiten kommen. „Da die chinesischen Studenten über das Panda-Programm eine bedingte Studienzulassung erhalten, sind sie von Beginn an immatrikuliert und können in der Zwischenzeit zum Beispiel Lehrveranstaltungen an der Universität besuchen“, sagt Antje Schöne.
Yili Zhao studiert inzwischen im vierten Semester Kommunikations- und Medienwissenschaft in Leipzig. Ihr Fazit: „Ich würde das Panda-Programm nicht weiterempfehlen.“ Xuefei Gao hingegen ist zufrieden. „Sie haben sich um uns gekümmert. Wenn wir jetzt noch Probleme haben, können wir Panda fragen.“

Tatina Trakis/Nicole Frank

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