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Zwei Brüder feiern ihren Studienabschluss mit einer Rallye nach Tadschikistan

Von der Uni auf die Geröllpiste Zwei Brüder feiern ihren Studienabschluss mit einer Rallye nach Tadschikistan

Zehntausend Kilometer durch Osteuropa und Asien über teils schlechte Pisten: Die Brüder Lukas und Johannes Brendler bereiten sich auf die „Tajik Rally“ im Sommer vor. Ein Abenteuer für den guten Zweck: Auto und Ausrüstung der beiden Uni-Studenten werden danach zugunsten des Kinderhilfswerks versteigert.

Die Brüder Johannes (links) und Lukas Brendler fahren je nach Strecke bis zu 10.000 Kilometer.

Quelle: privat

Leipzig. Am Anfang waren seine Eltern schon sehr skeptisch, gibt Lukas Brendler schmunzelnd zu. Mittlerweile habe sich das zum Glück aber etwas gelegt. Grund für die elterlichen Sorgen sind die Reisepläne ihrer Söhne Lukas und Johannes: Gemeinsam wollen sie diesen Sommer in die tadschikische Hauptstadt Duschanbe reisen – auf dem Landweg per Auto. Vor ihnen liegen je nach Strecke 6000 bis 10.000 Kilometer über schlechte Straßen und einfache Feldwege durch Geröllwüsten und Gebirge, bis sie nach circa zwei Wochen Fahrtzeit ihr Ziel im tadschikischen Pamirgebirge, einem Ausläufer des Himalajas, erreichen wollen.

Die ungewöhnliche Reise der Brüder hat einen Hintergrund: Die beiden nehmen an der „Tajik Rally“ teil, einer Autorallye von München nach Duschanbe. Eine Wettfahrt im eigentlichen Sinn ist es aber nicht, es gibt weder Zeitmessungen noch Platzierungen. Stattdessen ist der Weg das Ziel und wer das Abenteuer meistert und heil in Tadschikistan ankommt ist sowieso ein Gewinner. Im Vordergrund stehen das Erlebnis selbst und die Begegnungen, die die Teilnehmer mit den Menschen entlang der Strecke sammeln.

Ein Abenteuer zum Studienabschluss

Das reizt auch den 25-jährigen Lukas Brendler. Dabei waren schon die bisherigen gemeinsamen Reisen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder während ihrer Studienzeit nicht gerade gewöhnlich. Mit Schlafsack, Isomatte und Zelt auf dem Gepäckträger radelten die Brüder bis nach Ungarn und Kroatien. Nun hat Johannes sein Diplom in Fahrzeugtechnik und auch Lukas wird in Kürze mit seinem Lehramtsstudium in Mathematik und Latein fertig. „Als Abschluss unserer Studienzeit wollten wir daher gemeinsam nochmal was Größeres machen“, sagt Lukas Brendler. Also suchten sie ein außergewöhnliches Reiseziel. Ins tadschikische Pamirgebirge wollte Lukas Brendler schon lange. Einsame Landstriche und bis zu 8000 Meter hohe Berge. „Das würde ich gerne mal live sehen – und wenn nicht jetzt, wann dann?“ Mit dem Fahrrad aber würde die Reise viel zu lange dauern. Also recherchierte er und stieß im Internet auf die Rallye.

Diese gibt es seit 2012. Laut Organisator Borris Förster führt sie nach Tadschikistan, weil es kaum einen Weg ins Land gebe, der nicht als holprige Straße durch Gebirge, die doppelt so hoch wie die Alpen sind, führt. So sei das größtmögliche Abenteuer sichergestellt, meint der Veranstalter aus München, der hauptberuflich eine Online-Handelsplattform für lokale Landwirtschaftliche Produkte betreibt. Auch wenn das Ganze gefährlich klingt, ist nach Försters Aussage außer zwei verletzungsfreien Unfällen auf den bisherigen Rallyes nichts Dramatisches passiert. Ein Risiko bleibt jedoch immer.

Das ist auch Lukas Brendler bewusst. Daher hatte auch er zunächst Bedenken: „Aber wenn man sich für so etwas entscheidet, spielt das eine untergeordnete Rolle. Wenn man immer im Hinterkopf hat, dass etwas passieren kann, hat man schon bei der Vorbereitung keinen Spaß mehr.“ Und darum ginge es letztlich natürlich – und um die eine oder andere Einladung zum Tee von Einheimischen, auf die er unterwegs hofft.

Politische Konflikte beeinflussen die Route

Die beiden Brüder, die aus Reichenbach bei Görlitz stammen, werden dabei auch dieses Jahr nicht die einzigen Studenten im Teilnehmerfeld sein. Unter den bis zu 50 Teams sind laut Organisator Förster im Schnitt ein gutes Drittel Studenten. Nach einem letzten gemeinsamen Treffen der Teams im rumänischen Viseu de Sus sind diese wie alle Teilnehmer vollkommen frei auf ihrer Route nach Duschanbe. Politische Konflikte schränken die Teams bei ihrer Streckenwahl jedoch ein. Die kürzeste Route über die Ukraine und Russland etwa fällt für die Brendler-Brüder weg, da die Lage in der Ostukraine zu unsicher ist. Sie bevorzugen daher die Strecke südlich des Schwarzen Meeres über Bulgarien, die Türkei und Georgien, ehe es über Russland, Kasachstan und Kirgisien nach Tadschikistan geht.

Doch bei der Rallye geht es  nicht nur um das große Abenteuer, sondern auch um den guten Zweck. So ist eine der Teilnahmebedingungen, dass jedes Team 750 Euro an Spenden einsammelt, die an ein Kinderhilfswerk in Deutschland und Tadschikistan gehen. Zusätzlich werden nach der Ankunft in Duschanbe auch die Autos, mit denen die Teams unterwegs waren, für einen guten Zweck versteigert. Das hat auch Einfluss auf die Wahl des Fahrzeugs der Brendler-Brüder. Manche Marken seien deutlich beliebter als andere und hätten laut Rallye-Leitung bei den letzten Versteigerungen höhere Preise erzielt. Ihre Wahl viel daher letztlich auf einen Opel Astra Kombi Baujahr 1998.

Das Auto anschaffen, die Ausrüstung kaufen und das Rückflugticket buchen: Ganz billig wird die Reise für die beiden Brüder nicht werden. Sie versuchen daher, Sponsoren zu gewinnen, die etwa auf ihrem Auto werben können. Doch auch wenn es teuer wird, ist es ihnen das Abenteuer wert.

Dass die Rallye auch später ganz unerwartete Nebeneffekte haben kann, erzählt Borris Förster. So hätte sich das Abenteuer bei einigen Teilnehmern in Bewerbungsgesprächen sehr gut gemacht. Wen wundert es: Wer mehrere Tausend Kilometer über schlechte Pisten und durchs Gebirge zurückgelegt hat, ist mit Sicherheit belastungsfähig.

Christian Latz

Weitere Informationen

Hier geht es zur Internetseite der beiden Brüder und ihrem Projekt.

Hier geht es zu ihrem Facebook-Auftritt.

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