Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Dokwoche Leipzig: Einblicke in Nordkorea

Klarer Tauben-Favorit im Wettbewerb Dokwoche Leipzig: Einblicke in Nordkorea

Vitaly Mansky gelang mit „Under the Sun“ im Internationalen Wettbewerb der Leipziger Dokwoche ein listiger Einblick in den inszenierten Alltag Nordkoreas. Wenn die Aufpasser die Szenen ideologisch korrigierten und verbesserten, ließ er seine Kamera einfach weiter laufen. Heraus kam eine Galerie Potemkinscher Dörfer.

„Under the Sun“: Die achtjährige Zin-mi unter den Gemälden von Kim -Il-sung (r.) und Kim Jong-il in Pjöngjang.

Quelle: Dokwoche

Leipzig. Vier Mal ist er in eineinhalb Jahren nach Nordkorea gereist. Ein weiteres Visum gab es nicht. Allmählich kam dieser Vitaly Mansky den Wächtern der reinen Lehre der drei Kims verdächtig vor. Dabei hatte er ohnehin nur mit fünf Bewachern an der Seite drehen dürfen. Heraus kam eine überaus listige Coproduktion.

Denn während die Nordkoreaner beflissen ihre Potemkinschen Dörfer inszenieren, lässt Mansky seine Kamera einfach laufen. Da hat dann die Werkhalle einer Textilfabrik nach der Korrektur des Aufpassers in der Wiederholung der Jubelszene den Plan nicht nur mit 150, sondern gleich mit 200 Prozent erfüllt.

Inszenierte Wirklichkeit

Da greift der staatliche Regisseur ein, wenn jemand sagt, dass Essen krebserregend sein soll. Da wird die Mutter der achtjährigen Zin-mi, die eigentlich in einer Kantine arbeitet, zur Arbeiterin einer Muster-Milchfabrik, der jubelnd (nach mehrmaligem Üben und Wiederholen) zur Aufnahme der Tochter bei den Pionieren gratuliert wird, und der Vater zum Ingenieur eines Textilwerkes, das er zuvor noch nie betreten hatte. Seine vom Blatt gelernten Hinweise an die Arbeiterinnen werden natürlich prompt und lächelnd umgesetzt. Die Wohnung, in der die Familie gezeigt wird, ist so wenig ihr Heim wie die vorgeführte Musterschule Zin-mis wahre Schule.

Auch der Auftritt eines Veteranen des Koreakriegs, der martialisch die Heldentaten feiert, die allein durch Kim Il-sungs Führung möglich waren, wird bis zur Lächerlichkeit immer und immer wieder korrigiert, während die Kamera lange in das Gesicht eines Mädchens blickt, der die Augen zufallen.Es wird martialisch marschiert, ständig begeistert geklatscht, es gibt Lautsprecher-Kommandos, Lieder und überall Bekenntnisse zu den drei Kims, die zu allem und jeden einen fundamentalen Satz haben, selbst zum Ballett.

Großes Kino

„Under the Sun“ ist ein filmisch wirklich großer Wurf. Irritierende Einblicke in ein abgeschottetes, militärisches Land, die durch ihre Lakonie mehr erhellen als jede Enthüllungs-Reportage. Dok-Kino, wie man es nur selten sieht. Vitaly Mansky blickt mit der List des Aufklärers ohne jede Didaktik hinter eine gefakte Realität. Ein neues Visum wird es für ihn wohl nicht mehr geben.

Dagegen hatten es „The Wolfspack“ (USA) von Crystal Moselle und „Wie die anderen“ (Österreich) von Constantin Wulff schwer. In „The Wolfspack“ geht es um sechs Brüder, die ihr esoterisch gestörter Vater, weil draußen das Böse lauert, im Appartement in New York einsperrte. Unterricht gab es daheim, von der Welt erfuhren sie durch Tausende Spielfilme.

Familiengeschichte aus New York

Die spielen sie nun ungelenk nach – um sie sich befreien. Alles allzu gesucht und gestelzt, weniger spielerisch als spleenig. Crystal Moselle hat sich auf die sechs Brüder konzentriert und dabei gar nicht gemerkt, dass die Mutter und der Vater weitaus interessanter sind als die Jungen-Clique, die ohnehin nur das US-Kino kennt. Also zum zweiten Mal ausgesperrt bleibt. Aber das merkt „The Wolfspack“ noch nicht einmal. Die Doppelbödigkeit von „Under the Sun“ fehlt dieser verwirrenden Familiengeschichte völlig.

In der Psychiatrie

„Wie die anderen“ hingegen gibt Einblicke in den Alltag der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Tulln. Eindringliche Gespräche mit minderjährigen Patienten, die zuhören oder sich verweigern, die gefährdet sind, aber nichts davon wissen wollen, mit Eltern, die in Sorge sind, und Diskussionen unter den Ärzten, weil der Stress durch Unterbesetzung zunimmt, verdichten sich zu einem Netz von eindringlichen Beobachtungen.

Von Norbert Wehrstedt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus DOK Leipzig
  • So geht Familie
    So geht Familie: Die Serie für Familien in Leipzig

    Die LVZ-Serie mit Tipps und Informationen für Leipziger Familien. Jetzt neu: Anlaufstellen für Familien in Notlagen.  mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Kino, Konzerte, Theater in Leipzig: Mehr als 20.000 Termine im Veranstaltungskalender der Leipziger Volkszeitung. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr