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Mielke-Dokudrama hatte Leipzig-Premiere

Im Museum Runde Ecke Mielke-Dokudrama hatte Leipzig-Premiere

Im ehemaligen Kinosaal der Stasi-Bezirksbehörde, im Leipziger Museum Runde Ecke, hatte das Dokudrama „Erich Mielke – Meister der Angst“ von Jens Becker und Maarten van der Duin Premiere. Den langjährigen Stasi-Chef spielt der 73-jährige Kaspar Eichel.

Kaspar Eichel als Stasi-Chef im Kino-Dokudrama „Erich Mielke – Meister der Angst“.
 

Quelle: Polyband

Leipzig.  Auch die CIA interessierte sich für Erich Mielke und legte eine Akte an. Die hätte Gunnar Dedio, Produzent von Looks Film & TV Leipzig/Berlin, für das Dokudrama „Erich Mielke – Meister der Angst“ ganz gern eingesehen. Eine Antwort der CIA auf mehrere Anfragen kam allerdings nicht. So gab es eine Klage vor dem Federal Court in New York, woraufhin die CIA erklärte, eine Herausgabe der Akte gefährde die Sicherheit der USA. Ein Urteil wird demnächst erwartet.

Eine erstaunliche Aufwertung jenes allmächtigen Mannes, der über 40 Jahre an der Stasi-Spitze stand, also Chef von 91 000 hauptamtlichen Angestellten und 173 000 IM war. Ein poltriger, barscher, gefürchteter, asketischer Besserwisser, der die Jagd liebte und dort endlos singen konnte, auf Festen pausenlos Kalauer erzählte und, wenn er sprach, Sätze verhaspelte und nicht beendete, aber dafür mit Hingabe das Parteideutsch pflegte.

Annäherung an den Stasi-Chef

Jens Becker und Maarten van der Duin, der Holländer, haben, nach langjähriger Vorbereitung, mit Unterstützung von MDR und Arte, eine Annäherung an den Stasi-Chef unternommen. Die kurvenreiche Biografie mit frühem Tod der Mutter und armer Kindheit im Wedding, KP-Eintritt, Polizistenmord am Bülowplatz, früher Moskau-Erfahrung und Spanien wird durchblättert, die Beziehung zur Sowjetunion, vor allem zum KGB, untersucht, der Alltag des im Amt Gefürchteten und die Psyche des Unnahbaren betrachtet.

Immer wieder Bilder aus dem Archiv: Erich Honecker steckt einen Orden an die Fahne der Stasi, Erich Mielke in DDR-Betrieben, vor der Volkskammer mit dem peinlichen Ich-liebe-doch-alle-Menschen-Auftritt und vor Gericht. Der mächtige Mann im Rollstuhl versteckt sich hinter seinem Lederhütchen.

 Eine Bewertung der Moskauer Lenin-Schule in den 30ern schätzt den Stalin-Fan als selbstüberheblich und selbstherrlich ein, für KGB-General Leonow war auf Mielke immer Verlass. Ein Anwalt nennt ihn einen Polizisten, der die Ordnung liebt. „Wir müssen alles erfahren, es darf nichts an uns vorbei gehen“, ist so ein Mielke-Satz aus einem Reden-Mitschnitt, der das bestätigt.

Nur Freunde oder Feinde

Er hatte ein feines Empfinden dafür, was von ihm erwartet wurde und handelt danach. Er möchte geliebt werden – und verbreitet nur Furcht. Ein einfach strukturierter Mann mit einer einfachen Lebenssicht, der sich der Partei bedingungslos verschrieben hatte. Die simple Weltsicht kam allerdings aus den 30er Jahren – und kannte nur Freunde und Feinde.

Die Wahlen 1989 wollte er mit Härte, Unerbittlichkeit und den üblichen 99-Komma-irgendwas Zahlen durchziehen. Dass das nicht funktionierte, ging über seinen Horizont, saß der Teufel mit Michail Gorbatschow doch schon im sozialistischen Mutterstaat. Als Mielke im Herbst 1989 Hilfe beim KGB in der sowjetischen Botschaft sucht, wird er abgewiesen.

Kaspar Eichel als Mielke

Der 73-jährige Kaspar Eichel („Der Leutnant vom Schwanenkietz“), der Erich Mielke in seinem Büro und im Knast vor einer Gutachterin spielt, bei der Filmpremiere in Leipzigs "Runder Ecke": „Er wirkte, wenn er sprach, einfach lächerlich. Eine Karikatur durfte er aber beim Spielen nicht werden. Mielke war Machtmensch – und gefährlich.“ Es sei, so Regisseur Jens Becker, eine bewusste Entscheidung gewesen, Mielke Anfang der 80er Jahre, im Vollbesitz seiner Kräfte, und dann in der Haft als gezeichneten, deprimierten und gescheiterten Mann zu zeigen: „Daraus bezieht der Film seine Spannung.“

Der ehemalige Kinosaal im Stasi-Museum Runde Ecke war der ideale Premierenort. Hier hatte Erich Mielke mehrmals gesprochen. Hier gab es 1989, nach einer gründlichen Renovierung im Jahr zuvor, die letzte DDR-Feier der Leipziger Stasi. Am 5. November startet der Film im Kino.

Von Norbert Wehrstedt

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