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Riesiger Andrang bei DOK-Eröffnung im Leipziger Hauptbahnhof

„Alles andere zeigt die Zeit“ Riesiger Andrang bei DOK-Eröffnung im Leipziger Hauptbahnhof

Randvoll war die Osthalle des Hauptbahnhofs am Montagabend zur Eröffnung des 58. Internationalen Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK) in Leipzig: Mehr als 500 Besucher kamen zur Premiere von Andreas Voigts Leipzig-Film „Alles andere zeigt die Zeit“.

Wandelbar: Regisseur Andreas Voigt zeigt, im neuen DOK-Film, wie sich das Leben von Skinhead Sven in 25 Jahren verändert hat. 

Quelle: DOK Leipzig 2015

Leipzig. In der DDR war er Rebell, Skinhead und Hausbesetzer in Connewitz. Später wollte er als Fallschirmjäger zur Bundeswehr und häuslich werden, scheiterte aber. Seine Frau ließ sich von ihm scheiden. Danach folgte der Absturz mit Drogen und Alkohol. Nun lebt Sven als Arbeitsloser im Ruhrpott und ist einer der Protagonisten aus Leipzig, die Regisseur Andreas Voigt für seinen neuen Streifen „Alles andere zeigt die Zeit“ über 25 Jahre filmisch begleitet hat. Am Montagabend wurde der neue Doku-Streifen in Kooperation mit den Promenaden in der Osthalle des Hauptbahnhofs - nicht zu verwechseln mit dem Zeitkino im historischen Speisesaal - zum 58. DOK-Festival erstmals präsentiert.

Zur Premiere in der Bahnhofshalle, die parallel zur Erstaufführung im Cinestar stattfand, herrschte riesiger Andrang. Schnell waren die 200 Sitzplätze belegt. Am Ende drängten sich mehr als 500 Zuschauer auf den Treppen sowie auf dem Boden rund um die große Leinwand. Im Anschluss an die Gratis-Vorführung stand Voigt den Besuchern für ein Filmgespräch zur Verfügung. Dabei nahm er auch zum zeitgleich stattfindenen Legida-Aufmarsch klar Stellung: "Ich fühle mich sehr unwohl dabei", sagte er. "Wir müssen aufpassen, was daraus wird, alle miteinander."

Zur Dok-Festival-Eröffnung kamen hunderte Besucher in die Osthalle des Hauptbahnhofs und waren begeistert von Andreas Voigts Film "Alles andere zeigt die Zeit".

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Die Wahl sei nicht auf Voigts Werk gefallen, weil es Leipzig thematisiert, sagt DOK-Programmleiterin Grit Lemke, sondern weil der Regisseur meisterhaft den Bogen von der DDR-, zur Wende- und Neuzeit schlage und somit den Zeitraum von 25 Jahren emotional erfahrbar mache. „Es ist sicherlich einer der größten Filme, die 2015 erschienen sind“, meint Lemke. Auch der Regisseur ist zufrieden: „Ich freue mich sehr, dass mein neuer Film so eine starke Wirkung hat und prominente Wahrnehmung erfährt“, sagt Voigt gegenüber LVZ.de. Es sei eine schöne Kontinuität, wieder einen seiner Zyklus-Filme bei der DOK in Leipzig vorzustellen. Im Rahmen des Festival-Programms läuft der Film noch dreimal, unter anderem im Cinestar und der Schaubühne Lindenfels.

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Wandelbar: Regisseur Andreas Voigt zeigt, im neuen DOK-Film, wie sich das Leben von Skinhead Sven in 25 Jahren verändert hat.

Quelle: DOK Leipzig 2015

Drei Lebensgeschichten von der Wendezeit bis heute

Schon zwischen 1986 und 1997 begleitete Regisseur Voigt den Protagonisten Sven für seine Leipzig-Reihe. Für den Fortsetzungsfilm „Alles andere zeigt die Zeit“ kehrt Voigt zu ihm in den Ruhpott zurück und porträtiert dessen Leben durch Retrospektiven aus früheren Filmen, fünf Teilen, die gemeinsam mit dem neuen sechsten Teil „Alles andere zeigt die Zeit“ den Leipzig-Zyklus des Regisseurs begründen. Anlässlich des 25. Jahrestags der deutschen Wiedervereinigung zeigt das DOK diese Filme noch einmal gesondert, wie zum Beispiel „Leipzig im Herbst“, bei dem Voigt die Montagsdemonstrationen im Oktober 1989 filmte und das bis heute noch als eines der herausragenden Dokumente der friedlichen Revolution gilt.  

„Ich greife seine Lebensgeschichte im neuen Film wieder auf und zeige, wie er versucht, sein Leben zu schaffen“, erzählt Voigt über Protagonist Sven. Die beiden anderen Protagonistinnen, Isabel und die Tochter von Renate Florstedt, einer LVZ-Redakteurin aus den 1970er Jahren. Regisseur Voigt traf die Ex-Punkerin Isabel als 14-jährige Hausbesetzerin; heute hat sie eine Insolvenzfirma in Stuttgart. Und die Tochter von Florstedt begibt sich, nachdem die Mutter 2001 Selbstmord beging, auf die Spurensuche ihrer Familie, die in eine schwierige Stasi-Geschichte verwickelt war.

In seinem Doku-Film „Alles andere zeigt die Zeit“, der das Dok-Festival eröffnet, schlägt Regisseur Andreas Voigt anhand von drei Lebensgeschichten den Bogen von der DDR-, zur Wende- und Neuzeit. Fotos: DOK Leipzig 2015

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Alle drei Lebensgeschichten sind geprägt von spannenden Konflikten, Enttäuschungen und Hoffnungen. Es sind Geschichten, die zumeist in Westdeutschland enden. „Als ich die Protagonisten damals traf, waren sie 15 Jahre alt, heute sind sie 40 – und dazwischen ist einfach das Leben passiert und: Alles andere zeigt die Zeit“, so Voigt. „Es gibt keine Gewinner und Verlierer, eine Ost-Anwältin wickelt Westfirmen ab, und Hoffnung ist am Ende, wo man sie am wenigsten vermutet. Es geht nur darum, wie Isabel einst sagte, das Leben zu schaffen“, so Lemke.

Zelt auf dem Markt und Zeitkino-Comeback

Das DOK hat sich zu einem der bedeutendsten internationalen Branchentreffpunkte entwickelt und zieht jährlich Filmemacher, Produzenten, Verleiher und Filmemacher in die Messestadt. 316 Filme aus 62 Ländern werden vom 26. bis 30. Oktober gezeigt. Für Fachbesucher gibt es 79 Veranstaltungen, darunter Talkrunden, Netzwerktreffen, Panels und Koproduktionstreffen. Höhepunkt ist die Verleihung der sieben Goldenen Tauben und einer Silbernen Taube am Freitag, die mit jeweils bis zu 10.000 Euro dotiert sind. Im vergangenen Jahr besuchten 43.500 Menschen das 57. DOK und bescherten dem Festival einen Besucherrekord.                       

Regisseur Andreas Voigt.

Quelle: DOK Leipzig 2015

Erstmals steht dieses Mal auf dem Markt das Zelt „DOK Neuland“. Dort können sich Interessierte mit mobilen Geräten in einer interaktiven Ausstellung informieren. Auch das Zeitkino feiert im historischen Speisesaal des Hauptbahnhofs zum DOK ein Comeback und zeigt täglich verschiedene Filme in vier Zeitschienen. Neu ist dieses Mal auch, dass Dokumentar- und Animationsstil kombiniert werden und die Filme in Dialog zueinander treten.

Der Eintritt pro Film beträgt sieben Euro, ermäßigt sechs. Bei den Vorführungen um 10 Uhr zahlen Schulkinder nur 3,50 Euro. Gesellschaftliche Themen werden querbeet für alle Alterssparten aufbereitet. Unter dem Motto „Grenzen und Identitäten“ beleuchtet das DOK dieses Jahr, wie Grenzen Menschen verändern können. „Die aktuelle Flüchtlingsproblematik spielt dabei eine Rolle“, so Programmleiterin Lemke.

Karten sind in den Passagekinos, im CineStar, in der Nato und der Schaubühne Lindenfels sowie online erhältlich.

Von Melanie Steitz / nöß

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