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Zeitkino feiert kleine Renaissance im Hauptbahnhof

Dok-Festival Zeitkino feiert kleine Renaissance im Hauptbahnhof

Seit Montag kann man noch einmal das Flair des Zeitkinos im Hauptbahnhof erleben. Täglich werden bis zum 8.11. vier Filmproduktionen aus den letzten 63 Jahren gezeigt. Ausgewählt wurden die Stücke zusammen mit der DEFA Stiftung.

Das Zeitkino im Hauptbahnhof ist zurück. Schon zu den ersten Vorführungen herrschte großer Andrang.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Pünktlich um 15 Uhr startete am Montag der erste Film im historischen Zeitkino am Hauptbahnhof. Bis zum 8. November werden dort täglich vier Filmproduktionen aus den letzten 63 Jahren gezeigt. Ausgewählt wurden die Stücke zusammen mit der DEFA Stiftung. Die Karten für die ersten Aufführungen waren rasch vergriffen, wie das Centermanagement der Promenade mitteilt. Anlässlich des 100. Geburtstages des Hauptbahnhofes und des DOK-Festivals, wurde das Zeitkino wieder ins Leben gerufen.

Bereits 20 Minuten vor Beginn der ersten Vorstellung hat sich schon eine lange Schlange vor der Tür des Kinos gebildet. Die Leute wollen sich noch einmal zurückerinnern, die meisten von ihnen sind älteren Jahrgangs und können sich noch an früher erinnern. So auch Karin Sommer aus Mockau. „Mein Mann und ich hatten uns damals grade kennengelernt, ich lebte in Delitzsch und er in Leipzig. Immer wenn ich auf meinen Zug nach Hause gewartet habe, saß ich im Zeitkino“, erinnert sich die 72-Jährige. Für manch einen der Wartenden ist das Kino aber auch etwa ganz Neues, wie für Susanne Rückert: „Gebürtig bin ich aus Bremen und lebe jetzt seit einem Jahr in Leipzig. Ich bin noch dabei, die Stadt zu entdecken. Freunde haben mir vom Zeitkino erzählt, auch die Geschichte dazu. Das klang wirklich sehr spannend, außerdem interessiert es mich auch, wie Leipzig früher ausgesehen hat. Und deswegen bin ich jetzt hier.“

Das Kinoprogramm der kommenden zwei Wochen bietet eine bunte Mischung, quer durch die Stadtgeschichte Leipzigs. Immer vormittags um 10 Uhr laufen DEFA Trickfilme, zu dieser Zeit sind vor allem Kindergartengruppen aus Leipzig angemeldet. Ab 15 Uhr kommen dann die erwachsenen Zuschauer auf ihre Kosten und können in Erinnerungen an das Leipzig der 1950er-Jahre schwelgen. Dann läuft nämlich die DEFA Matinee, ein 95 minütiger Zusammenschnitt aus fünf DEFA-Filmen der Jahre 1952 bis 1956. Ab um 17 Uhr läuft täglich der Film „Du und ich und Klein-Paris“ von 1970 mit Jaecki Schwarz. Den Abschluss eines jeden Kinotages bildet das Filmessay über den Leipziger Hauptbahnhof von 1993 „Am Ende der Schienen“. Hier kann man den Bahnhof sehen, wie er vor seinem Umbau im Jahr 1996 ausgesehen hat.

Das Zeitkino ist in Leipzig eine Institution und bekannt. Von 1950 bis 1992 liefen in Endlosschleife von morgens bis spät in den Abend hinein zeitgenössische Filme. Das Kino befand sich allerdings nicht am heutigen Veranstaltungsort, dem historischen Speisesaal, welchen man über die Buchhandlung Ludwig erreicht. Sondern in einem ausgehobenen U-Bahn Tunnel. Dieser war bereits 1913 mit der Absicht eine Untergrundbahn zu bauen, ausgehoben worden. Als die Idee verworfen wurde, blieb der Tunnel und das Zeitkino zog dort mit 204 Sitzplätzen ein.

Im Gegensatz zu anderen Aktualitätenkinos, die es zu der Zeit gab, liefen nicht nur Kurzfilme oder Wochenschauen, sondern komplette Spielfilme. Viele Reisende, Nachtschwärmer und Schüler – weswegen das Kino auch „Schulschwänzerkino“ genannt wurde – verbrachten hier ihre Zeit bis zur Weiterreise oder ein paar Stunden des Müßiggangs. Zu Beginn der 1990er Jahre musste das Kino dann nach 42 Jahren wegen baulicher Mängel geschlossen werden. Alle, die noch einmal in Erinnerung an das legendäre Zeitkino schwelgen möchten, sollten die zweiwöchige Chance nutzen.
 
Pro Vorstellung gibt es 150 kostenlose Eintrittskarten, Diese bekommt man an der Information im Bahnhof. Pro Person werden maximal vier Karten ausgegeben.

Von Tatjana Kulpa

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