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Ehemalige Unister-Manager im Streit – Vorwürfe gegen Kirchhof

Schilling äußert sich Ehemalige Unister-Manager im Streit – Vorwürfe gegen Kirchhof

Das Leipziger Unternehmen Unister kommt nicht zur Ruhe. Jetzt gibt es erneut Schlagzeilen: Mitgesellschafter Christian Schilling erhebt schwere Vorwürfe gegen Daniel Kirchhof.

Die Unister-Geschäftszentrale im Barfußgässchen. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Er scheut die Öffentlichkeit und äußert sich selten. Jetzt hat sich Christian Schilling, Mitgesellschafter beim insolventen Leipziger Internetriesen Unister, erstmals nach dem tödlichen Flugzeugabsturz seines Zwillingsbruders Oliver und des Freundes Thomas Wagner zu Wort gemeldet. Gegenüber der LVZ erklärte er aus seiner Sicht, weshalb Unister nur noch der Weg in die Insolvenz blieb.

Nach dem Unglück in Slowenien stand die Firma ohne Führung da. Wagner war nicht nur Geschäftsführer der Holding, sondern auch von den meisten der gut 50 Tochtergesellschaften. Am Wochenende nach dem Absturz verständigten sich die Gesellschafter und versuchten eine neue Unternehmensführung zu installieren.

Das Vorhaben war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, meint Schilling und nennt als Knackpunkt eine Auseinandersetzung mit Daniel Kirchhof, der einst mit Wagner und den Schilling-Brüdern das Unternehmen gegründet hatte. Seit Frühjahr 2015 tobt ein Gesellschafterstreit zwischen Kirchhof und Wagner, der im Firmen-Ausschluss des ehemaligen Finanzchefs gipfelte mit bis heute dagegen laufenden Gerichtsverfahren.

Angebliche Straftaten

Schilling nennt nun Anschuldigungen, die bereits Eingang in die Gerichtsakten gefunden haben sollen, und nach seiner Auffassung einem Neubeginn mit Kirchhof im Wege gestanden haben. Er berichtet von angeblichen Straftaten, die Kirchhof begangen haben soll. Bewiesen ist davon bis heute nichts. Das Tischtuch zwischen den Gesellschafter aber ist unwiderruflich zerschnitten.

Kirchhofs Bedingung für eine neue, womöglich gemeinsame Geschäftsführung der Gesellschafter war, dass er Teil davon ist und so wieder Einblick in die Bücher erhält. Ihn wieder zum Geschäftsführer zu machen, wäre einer „Rehabilitation“ gleichgekommen und „war deshalb natürlich nicht möglich“, erklärt Schilling, der auch für seinen Gesellschafter-Kollegen Sebastian Gantzckow spricht.

Insolvenz als einziger Ausweg

Es blieb in den Augen von Schilling nur noch der Insolvenzantrag als Ausweg übrig. Wirtschaftlich ist das nicht nur für ihn ein riskantes Spiel. Ihm droht persönlich der Verlust einer Millionensumme. Nach einer Veräußerung sehen zuerst die Gläubiger etwas von der Verkaufssumme. Die Gesellschafter stehen ganz hinten in der Reihe. Geld allerdings interessiert den ehemaligen Bundespolizisten aus Dessau nach eigenen Worten überhaupt nicht. Er trauert vor allem um seinen Bruder und seinen engen Freund Wagner. „Ich habe keine zwei linke Hände“, macht er sich um die eigene Zukunft wenig Sorgen.

Daniel Kirchhof will die Vorwürfe von Schilling so nicht stehen lassen. „Die Gesellschafter befanden sich nach dem Tod von Thomas Wagner gemeinsam in der Haftung“, so der Finanzexperte. Vorübergehend wollte er für einige Tage eine Geschäftsführung aller Gesellschafter als Übergang installieren und dann einen geeigneten Kandidaten von außen suchen. Die Insolvenz hätte in seinen Augen bei einem Schulterschluss abgewendet werden können.

Die massiven Anschuldigungen von Schilling nimmt er dagegen gelassen zur Kenntnis. Die Punkte hat das Gericht bereits bewertet und für nicht zutreffend erachtet. Wegen der Insolvenz ist das Verfahren derzeit aber unterbrochen. Innerlich hat Kirchhof mit Unister dagegen fast abgeschlossen.
 
Rückkehr der Portale zu Google

Ob Erlöse aus seinen Gesellschafteranteilen zu erwarten sind, kann er derzeit nicht einschätzen. „Es ist aktuell nicht absehbar, was nach dem Insolvenzverfahren übrig bleibt“, so der 38-Jährige, der rund 17 Prozent an der Unister-Holding hält. Beruflich hat er sich dagegen in Leipzig und München neu orientiert. Der Onlinebereich ist geblieben, jetzt gehe es aber um Fahrzeuge und den Schutz vor Betrug im Internet.

Der Leipziger Internetriese gibt inzwischen wieder Geld für Marketing aus. Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther hatte den Aufwand dafür heruntergefahren, um Geld zu sparen. Laut Schilling kehren die Portale jetzt nach und nach wieder zurück zu Google. Und noch ein Problem ist geklärt: Laut Flöther sind rund 14 Millionen Kundendaten überprüft worden. Es war nicht klar, ob an die E-Mailadressen auch Angebote von Unister versendet werden durften.

Eine Task Force um den externen Datenschutzexperten Frank Hillmer hat den Bestand untersucht und für Newsletter wieder freigegeben. „Das ist ein entscheidender Beitrag zur Fortführung der operativen-Gesellschaften auch im Insolvenzverfahren“, betonte Flöther.

Matthias Roth

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