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Ehemalige Unister-Manager schlagen Deal in Betrugsprozess aus

Jetzt droht eine Haftstrafe Ehemalige Unister-Manager schlagen Deal in Betrugsprozess aus

Seit Januar läuft in Leipzig ein Strafprozess gegen drei Männer aus der ehemaligen Unister-Führungscrew. Vor Gericht wurden jetzt die Möglichkeiten eines Deals ausgelotet.

Die Angeklagten mit ihren Anwälten.

Quelle: Kempner

Leipzig - . Im Betrugsprozess gegen Ex-Manager des einstigen Internetunternehmens Unister haben zwei der drei Angeklagten einen Deal abgelehnt. Alle Beteiligten hätten ein erstes Vorgespräch zu einer möglichen Verständigung geführt, sagte ein Sprecher des Landgerichts Leipzig am Montag auf Anfrage. Mit einem Deal könnte das seit Januar laufende aufwendige Verfahren abgekürzt werden.

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden wirft den Angeklagten das unerlaubte Betreiben von Versicherungsgeschäften, Steuerhinterziehung und einen angeblichen Betrug an Zehntausenden Kunden vor. Unister, das unter anderem die Reiseportale fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de betrieb, hatte 2016 Insolvenz angemeldet. Der größte Teil des Geschäfts wurde inzwischen an verschiedene Investoren verkauft.

Wie der Gerichtssprecher sagte, lehnte der 39 Jahre alte Ex-Finanzchef eine Verständigung ab. Zuvor hätten die Anklagevertreter deutlich gemacht, dass bei ihm eine Verurteilung zu einer Strafe ohne Bewährung infrage komme. Auch der 51 Jahre alte frühere Chef aller Unister-Flugportale habe den Deal abgelehnt. Die Ex-Führungskräfte hatten die Vorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Lediglich der dritte 59 Jahre alte Angeklagte habe die Möglichkeit einer Verständigung noch nicht vollends ausgeschlossen, hieß es weiter.

Der Ex-Finanzchef hatte im Prozess ausgesagt, dass er bei Unister keine Entscheidungen habe treffen können. Das habe sich stets der Gründer Thomas Wagner vorbehalten. Das Verhältnis zu ihm sei spätestens seit 2009 zerrüttet gewesen. Wagner (38) war im vorigen Sommer bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Zuvor war er in Italien auf einen Kreditbetrug hereingefallen. Nach dem Tod des Gründers meldete Unister Insolvenz an.

Zur Praxis des sogenannten Runterbuchens bei Unister, welches die Anklage als Computerbetrug an 87 000 Kunden wertet, hatte der Portalchef erklärt, das sei absolut branchenüblich. Beim Runterbuchen kauften die Kunden ein Flugticket zu einem auf der Webseite angezeigten Preis, Unister erzielte aber hinter den Kulissen auf verschiedenen Wegen einen günstigeren Preis. Die Differenz behielt der Flugvermittler ein.

Nachdem eine Verständigung nicht zustande gekommen ist, wird der Prozess nach Angaben des Sprechers wie geplant fortgesetzt. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 12. April anberaumt. Die Kammer hat vorsorglich bereits weitere Termine bis in den November hinein angesetzt.

Von Birgit Zimmermann

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