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Flugzeugteil im Fall Unister nach Absturz verschwunden

Erster Bericht aus Slowenien liegt vor Flugzeugteil im Fall Unister nach Absturz verschwunden

Vereisungen und Turbulenzen: Am Tag des Absturzes von Unister-Chef Thomas Wagner tobten schwere Unwetter über Slowenien. Das schildern Experten in einem Zwischenbericht. Verschwunden ist ein Stabilisator der verunglückten Piper.

Das Flugzeugwarck an der Absturzstelle in Slowenien.
 

Quelle: EPA

Ljubljana/Leipzig.  „Mayday, Mayday“: Der Notruf über Funk war das letzte Lebenszeichen aus der Piper PA-32-301T, mit der Unister-Gründer Thomas Wagner und drei weitere Männer abstürzten und ums Leben kamen. Das geht aus einem Zwischenbericht des slowenischen Ministeriums für Infrastruktur vor. Die Behörde untersucht den Unfall im Westen der Alpenrepublik. In dem Papier, das der Leipziger Volkszeitung vorliegt, werden alle bisher bekannten Fakten zusammengetragen. Die Auswertung der Wrackuntersuchung mit einer endgültigen Ursache für das Unglück steht dagegen noch aus.

Es ist der 14. Juli, als sich der 73 Jahre alte Pilot an das Steuer der sechssitzigen Maschine auf dem Flughafen Marco Polo in Venedig setzt. Kurt E. ist erfahren, arbeitete als Fluglehrer und hat fast 4000 Flugstunden in seinen Papieren stehen. Ärztliche Atteste und Tauglichkeitsbescheinigungen sind aktuell, so die slowenischen Behörden. Um genau 10.16 Uhr hebt das in den USA registrierte Propellerflugzeug ab. Das Ziel heißt Leipzig, die Route führt über Slowenien.

Stark reduzierte Sicht

Der Adriastaat kämpft an diesem Morgen mit heftigen Wetterturbulenzen. In Ljubljana warnen die Meteorologen um 9.23 Uhr vor heftigen Gewittern im südwestlichen Teil des Landes. Sie weisen auf eine sogenannte Konvektion hin. Dabei steigt warme Luft nach oben und kalte Schichten sinken ab. Für 11 Uhr werden neue Gewitterzellen erwartet. Der Landstrich ist von dichten Cumulonimbus-Wolken eingehüllt. Sie bilden sich an diesem Tag in rund 1200 Metern Höhe und reichen im Gipfel bis fast 9000 Meter. „Die Sicht war durch Niederschläge und Wolken stark reduziert“, erklären die slowenischen Experten. Auch die Temperatur sinkt. Für gewöhnlich liegt zu dieser Zeit der Gefrierpunkt bei 2800 Metern, durch die Wetterkapriolen sackt er auf rund 2500 Meter hinunter.

Die Wetterbedingungen rund zwei Stunden vor dem Unglück, wenige Kilometer von der Absturzstelle entfernt.

Quelle: Slowenisches Infrastrukturministerium

Die Piper erreicht um 10.45 Uhr den slowenischen Luftraum und Kurt E. nimmt über sein Funkgerät Kontakt mit einem Fluglotsen auf. Er will, so rekonstruieren die Ermittler später, die geplante Flugroute ändern. Wegen einer Wolke habe er Vereisungen seiner Maschine befürchtet. Über eine Enteisungsanlage verfügt die Piper nicht. Sechs Minuten später setzt der Pilot seinen Notruf ab, danach bricht der Kontakt ab. Die Flugüberwachung ordnet sofort die Suche der Maschine und die Rettung der Insassen an. „Schon nach kurzer Zeit wurde das Wrack auf einem bewaldeten Hügel, etwa zwei Kilometer des Dorfes Predmeja, gefunden“, heißt es im Bericht. Das Flugzeug habe in Flammen gestanden, der Pilot und die drei Passagiere seien ums Leben gekommen. Als Absturzzeit wird 10.52 Uhr vermerkt.

Vereisungen und Turbulenzen

Was letztlich den Ausschlag für das Unglück gab, ist allerdings weiter offen. Im Untersuchungspapier wird in einem Bereich zwischen 2550 und 6000 Metern Höhe von mittelschweren und schweren Vereisungen sowie mäßigen bis schweren Turbulenzen berichtet.

Zwei Tage untersuchten die slowenischen Luftfahrtexperten den Absturzort. „Das Flugzeug ist zu einhundert Prozent zerstört, ohne die Möglichkeit der Reparatur“, notieren sie. Ein Rätsel ist bislang ungelöst. Laut Bericht ist ein horizontaler Stabilisator vom Heck der Piper verschwunden. Eine mehrfache Suche mit einem Hubschrauber sei ohne Erfolg geblieben. Das Teil sei für die Analyse aber sehr wichtig, meinen die slowenischen Ermittler.

Unister-Chef Thomas Wagner ist beim Absturz eines Kleinflugzeugs in Slowenien ums Leben gekommen. Die Unglücksstelle befindet sich bei Predmeja im Westen des Landes. Fotos: dpa

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Ausgewertet würden weiter die Sprachkommunikation und die Radarbilder aus dem slowenischen und italienischen Luftraum. Deutsche Experten sind nach wie vor nicht vor Ort. „Wir wurden nicht um Hilfe gebeten“, sagte Germout Freitag, Sprecher der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig, am Montag.

Unister-Chef Wagner wollte in Venedig ein Kreditgeschäft abschließen und fiel auf einen Betrug herein. Ein sich als Israeli ausgebenden Geschäftsmann jubelte ihm Falschgeld unter und nahm im Gegenzug eine Sicherheitszahlung über 1,5 Millionen Euro entgegen. Auf dem Rückweg stürzten dann der 38-Jährige, Unister-Gesellschafter Oliver Schilling und Finanzvermittler Heinz Horst B. gemeinsam mit dem Piloten ab. Danach machten immer wieder Verschwörungstheorien in Leipzig die Runde, wonach die Piper nicht verunglückt, sondern einem Attentat zum Opfer gefallen sei. Beweise dafür liefert die erste Einschätzung des slowenischen Infrastruktur-Ministeriums nicht.

Von Matthias Roth

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