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Gutachten: Leipziger Internetkonzern Unister wohl schon länger pleite

Hohe Schulden Gutachten: Leipziger Internetkonzern Unister wohl schon länger pleite

Unister war offenbar schon seit 2015 zahlungsunfähig. Laut einem Medienbericht geht das aus einem Gutachten des Insolvenzverwalters an das Amtsgericht Leipzig hervor. Eine Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs sei schon damals nicht mehr möglich gewesen.

Unister war angeblich schon seit 2015 zahlungsunfähig. (Archivbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Der insolvente Leipziger Internetkonzern Unister ist offenbar schon länger pleite. Das geht aus einem Gutachten des Insolvenzverwalters an das Amtsgericht Leipzig hervor, aus dem „Süddeutsche Zeitung“, NDR und WDR zitieren. Darin schreibt Insolvenzverwalter Lucas Flöther, es sei „nicht auszuschließen, dass einzelne Gesellschaften des Unister-Konzerns bereits seit dem Jahr 2015 zahlungsunfähig sind“. Bereits im September 2015 sei laut einer Reihe damaliger Führungskräfte „eine Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs nicht mehr möglich“ gewesen.

Gegen den im Juli bei einem Flugzeugabsturz getöteten Unister-Gründer und Geschäftsführer Thomas Wagner „könnten gegebenenfalls Ansprüche wegen verspäteter Insolvenz-Antragstellung bestanden haben“, führt Flöther in dem Gutachten weiter aus.

Zu dem Bericht wollte Flöther sich am Donnerstag nicht äußern. Die Richtigkeit der Angaben wurde der Deutschen Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen bestätigt.

Hohe Schulden

In dem Gutachten werde der Schuldenstand des Konzerns mit heute knapp 58 Millionen Euro angegeben, bei einem Vermögen von knapp 14 Millionen Euro, hieß es. In die Pleite geführt habe eine „Verkettung mehrerer größtenteils vom Unternehmen selbst verursachter Umstände“, vor allem eine mit Fremdkapital finanzierte „progressive Wachstumspolitik“, schreibt Flöther demnach.

Die Holding habe ihren Tochterfirmen mehr als 25 Darlehen in Höhe von insgesamt über 82 Millionen Euro gewährt und interne Dienste im Wert von knapp 55 Millionen Euro geleistet, die bisher nicht bezahlt worden seien. Auch hätten mitunter einzelne Töchter Rechnungen anderer Konzernteile beglichen. Seit Anfang 2016 seien die Geschäfte innerhalb des Konzerns laut Gutachten gar nicht mehr verbucht worden.

Der Unister-Konzern betreibt über 40 Internetportale, darunter fluege.de und ab-in-den-urlaub.de. Nach dem Tod Wagners und des Mitgesellschafters Oliver Schilling bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien hatte das Unternehmen Insolvenz angemeldet. Wagner soll vor dem Absturz bei einem ominösen Kreditgeschäft in Venedig um rund eine Million Euro betrogen worden sein.

Das Insolvenzverfahren für die Unister Holding läuft seit September. Vor rund einer Woche eröffnete das Amtsgericht Leipzig Verfahren für acht Töchter, darunter die Unister GmbH, das Gutscheinportal U-Deals, die Unister Travel Betriebsgesellschaft sowie der Reiseveranstalter Urlaubstours. Insgesamt hat die Gruppe rund 900 Mitarbeiter.

Flöther will den Konzern um die Kernsparten Flug und Touristik neu aufstellen. Derzeit laufen Verkaufsgespräche mit einem halben Dutzend Interessenten. Namen sind nicht bekannt.

LVZ

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