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„Hinweise auf Fremdeinwirkung“ – Höhenruder von Unister-Flugzeug entdeckt

Suche in Slowenien „Hinweise auf Fremdeinwirkung“ – Höhenruder von Unister-Flugzeug entdeckt

Drei Monate nach dem Absturz der Unistergründer Thomas Wagner und Oliver Schilling ist in Slowenien das bisher verschwundene Höhenruder der Piper PA-32 aufgetaucht. Es gebe Hinweise auf Fremdeinwirkung.

Mehr als hundert Helfer haben in den slowenischen Wäldern nach dem Höhenruder (rechts) gesucht.
 

Quelle: Abteilung für die Untersuchung von Flugunfällen und Störungen

Leipzig.  Fast ein Vierteljahr nach dem tödlichen Absturz der Unister-Gründer Thomas Wagner (38) und Oliver Schilling (39) in Slowenien haben die Ermittler jetzt das seit dem Unglück vermisste Höhenruder der Piper PA-32 gefunden. Bei einer groß angelegten Suchaktion, bei der auch das Militär, Bergretter und der Katastrophenschutz eingebunden waren, entdeckten die mehr als 100 Helfer das Flugzeugteil rund 700 Meter von der Absturzstelle entfernt. Das berichten mehrere slowenische Medien übereinstimmend.

Das Höhenruder sei beschädigt, sagte Untersuchungsleiter Toni Stojčevski, vom slowenischen Luftfahrtministerium. Es gebe Hinweise auf Fremdeinwirkung durch einen anderen Gegenstand. Die Untersuchungen dauerten an. Zur genauen Ursache des Absturzes wollte sich Stojčevski nicht äußern. Das sei Sache der Polizei, betont er. „Bis heute ist es nicht bekannt, ob der Absturz absichtlich verursacht worden ist“, so Stojčevski gegenüber dem slowenischen Portal „Sio1net“.

In einem ersten 14-seitigen Zwischenbericht über den Absturz hatte Stojčevski bereits Anfang August die bis dahin vorliegenden Daten zusammengetragen. Er berichtet darin von extremen Wetterverhältnissen mit Vereisungen und schweren Turbulenzen. In dem Gutachten wurde damals erstmals bekannt, dass das Heckruder verschwunden war.

Miliär überwacht die Suche

Warum die slowenischen Behörden erst drei Monate nach dem Absturz die groß angelegte Suche startete, blieb zunächst unklar. Offenbar ist der Fall hoch angebunden. Jetzt hat sich nämlich auch das slowenische Militär eingeschaltet. Die Armee stellte für die Suche eine Drohne zur Verfügung. Milos Bizjak, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, verfolgte den Einsatz persönlich vor Ort.

Milos Bizjak (2. v.l.), Staatssekretär im Verteidigungsministerium, verfolgte den Einsatz persönlich vor Ort.

Quelle: Slowenisches Verteidigungsministerium

Das nun gefundene Höhenruder soll weiteren Aufschluss über die Absturzursache bringen. Luftfahrexperten hatten stets betont, dass so ein wichtiges Instrument nicht einfach vom Flugzeug abbricht. Aus dem Unisterumfeld war in der Vergangenheit auch stets über Manipulationen an der Maschine spekuliert worden. Verschwörungstheorien erhielten vor allem deshalb Nahrung, weil die Passagiere bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren, ein Rucksack von Thomas Wagner mit Bargeld und Unterlagen aber unversehrt blieb.

Der langjährige Unister-Sprecher und Wagner-Vertraute, Konstantin Korosides, reagierte am Sonnabend erleichtert auf den Fund. "Ich werden demnächst nach Slowenien fahren und mich persönlich bei den Helfern für ihren Einsatz bedanken", sagte er gegenüber LVZ.de.

Das slowenische Militär suchte mit einer Drohne nach dem Höhenruder.

Quelle: Slowenisches Verteidigungsministerium

Beim Absturz kamen neben den beiden Managern auch der Pilot (73) und ein Kreditvermittler (65) ums Leben. Sie befanden sich auf der Rückreise aus Venedig. Dort wollte Wagner über einen Kredit frisches Geld für Unister beschaffen, tappte aber in die Falle eines Betrügers. Ein sich als Israeli ausgebenden Geschäftsmann jubelte ihm Falschgeld unter und nahm im Gegenzug eine Sicherheitszahlung über 1,5 Millionen Euro entgegen.

Die deutschen Behörden interessieren sich vor allem für das Venedig-Geschäft. Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden ermittelt wegen Betruges. Die Leipziger Staatsanwaltschaft führte zunächst nur ein Todesermittlungsverfahren. Die Eltern von Wagner stellten aber bereits im August eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt. Die Leipziger Ermittler warten nun über ein Rechtshilfeersuchen auf die Zuarbeit auf Slowenien. Die Leichen von Wagner und Schilling konnten in Leipzig nicht noch einmal obduziert werden. Ihre Körper wurden bereits in Slowenien eingeäschert. Die Urnen wurden später in Deutschland beigesetzt.

Von Matthias Roth

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