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Insolvenzverwalter von Unister: „Keine rechtsextremen Berater tätig“

Diskussion um Gesellschafter von Travel 24 Insolvenzverwalter von Unister: „Keine rechtsextremen Berater tätig“

Haben Rechtsextreme Unister unterwandert? Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther weist den Vorwurf zurück. Fest steht aber: Mit Reinhard Rade und Hans Jörg Schimanek waren oder sind zwei Unternehmer aus der Szene bei der Unister-Tochter Travel 24 aktiv.

Unister-Werbekampagne am Ringmessehaus gegen Fremdenhass während einer Legida-Kundgebung.
 

Quelle: Benjamin Bodnar

Leipzig. Unister wehrt sich gegen Vorwürfe, im Dunstkreis von Rechtsextremen zu agieren. „Meine Nachforschungen zu dieser Frage haben ergeben, dass nach vorliegenden Informationen bei Unister keine vorbestraften Menschen mit rechtsextremer Biografie als Berater und Teilhaber aktiv sind“, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther am Donnerstag mit.

Nach Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit und der Sächsischen Zeitung (SZ) sollen der Leipziger Unternehmer Reinhard Rade und sein österreichischer Geschäftspartner Hans-Jörg Schimanek jun. bei Unister Fuß gefasst haben. Beide Männer haben eine Vergangenheit im rechtsextremen Milieu. Rade versuchte nach dem Mauerfall die Republikaner in Sachsen zu etablieren und macht daraus bis heute keinen Hehl. Er zählt zudem zu den Sympathisanten von Legida.

Schimanek gehörte mindestens in den 1980er und 90er Jahren zur rechtsextremen Szene Österreichs um den Holocaustleugner Gottfried Küssel. Er wurde 1995 in Wien wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung zu 15 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe minderte der Oberste Gerichtshof später auf acht Jahre. Schimanek verließ 1999 vorzeitig das Gefängnis und fand Hilfe bei Rade in Leipzig, der ihn in einer seiner Firmen anstellte. Schimaneks Bruder René ist heute Büroleiter von Norbert Hofer (FPÖ), der für den Posten des Bundespräsidenten in Österreich kandidiert.

Rade stellt Kaution für Kirchhof

Bereits länger bekannt ist, dass Rade für Unister-Gesellschafter Daniel Kirchhof einen Teil der Kaution stellte, als der damalige Finanzchef Ende 2012 zusammen mit Unternehmenschef Thomas Wagner und dem Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Travel 24, Thomas Gudel, in Untersuchungshaft saß. „Ich kannte Daniel Kirchhof davor nicht“, so Rade. Der Kontakt kam über eine Freundin von Rades Frau zustande, weil Kirchhof das Geld für seine Freilassung selbst nicht besaß.

Die Verbindung zwischen dem Gesellschafter und Rade blieb erhalten. „Herr Rade war häufig auf den Unisterfluren unterwegs“, berichten Mitarbeiter. Auch ohne Vertrag habe er häufig auch in Wagners Büro gesessen. Daniel Kirchhof wird im Strafverfahren wegen unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften und der Hinterziehung von Versicherungssteuer zudem nicht nur von Rades Frau vertreten, sondern erhält anwaltliche Hilfe von Legida-Funktionär Arndt Hohnstädter, wie aus Gerichtsakten hervorgeht.

Zumindest offiziell hat Rade keinen Zugriff auf die Holding erhalten. „Er hatte nach verbindlicher Auskunft des Unternehmens keinen Beratervertrag mit Unister und erhielt auch keine entsprechenden Vergütungen“, erklärte Insolvenzverwalter Flöther.

Seine Finger im Spiel hatte er aber für einige Zeit bei der Reise-Tochter Travel24, an der Unister die Mehrheitsanteile hält. Rade übernahm nach eigenen Worten die Anteile an der Loet Trading AG, einer Gesellschaft zur Vermögensverwaltung. Ihren Sitz hat die AG in der Schweiz. Später übertrug er sie an Schimanek. Zunächst hatten die Unister-Gesellschafter selbst die Anteile daran gehalten, befürchteten aber wegen Interessenkollisionen Konflikte mit dem Aktiengesetz.

In einer Ad-hoc-Mitteilung wurde am 28. Dezember 2015 schließlich bekannt, dass Rade-Freund Schimanek über die Loet Trading AG seinen Anteil an der Travel24 auf 16,34 Prozent erhöht hat. Der späte Zeitpunkt der Meldung sorgte bei Unister für Verwunderung, weil der Übergang bereits am 18. Januar 2013 erfolgt war, heißt es heute. Rade hat für die lange Spanne eine Erklärung. „Wir wollten das Unternehmen nicht beschädigen“, sagt er. Wenn sein Einfluss und der von Schimanek schon früher öffentlich bekannt geworden wäre, wäre auch die Diskussion um ihre politische Gesinnung neu entfacht worden. Das habe er vermeiden wollen, so Rade gegenüber LVZ.de.

Urteil noch in diesem Monat

Die Beteiligung des Österreichers bestätigt auch Flöther. „Herr Schimanek hält nach vorliegenden Informationen Aktien an der Travel24.com AG; diese ist jedoch nicht insolvent“, so der Jurist. Ungeachtet dessen gehe die Unister Holding aber gegen die Loet Trading AG rechtlich vor. Sie sei nach Flöthers vorliegenden Informationen durch das Landgericht Leipzig verurteilt, die von ihr gehaltenen Aktien am Tochterunternehmen an Unister zurückzugeben. Allerdings ist die Entscheidung nicht rechtskräftig. Das Oberlandesgerichts in Dresden will demnächst über die von der Gegenseite eingelegte Berufung in dem Fall entscheiden. Das Urteil soll nach Informationen von LVZ.de am 30. August verkündet werden.

Unister distanzierte sich am Donnerstag noch einmal klar von rechtsradikalem Gedankengut. Die Unternehmensgruppe beschäftige Mitarbeiter aus mehr als 30 Nationen. Im Frühjahr 2016 sorgte die Marketingaktion „Travel statt Trouble“ für Aufsehen.

Mit Plakatwerbung und einem TV-Spot setzte sich Unister für Toleranz und Völkerverständigung ein. Ein großflächiges Transparent ließ der Leipziger Internetriese auch am als Travel24-Hotel geplanten Ringmessehaus aufhängen. Es befindet sich direkt gegenüber zum Richard-Wagner-Platz, dem Ort für Legida-Versammlungen. In den Unisterbüros wurde die Aktion auch als Gruß an Reinhard Rade verstanden, berichten Mitarbeiter.

Von Matthias Roth

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