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Sechs weitere Unister-Töchter insolvent – Ermittlungen noch gegen 95 Mitarbeiter

Leipziger Internetfirma Sechs weitere Unister-Töchter insolvent – Ermittlungen noch gegen 95 Mitarbeiter

Sechs weitere Unister-Tochterfirmen haben am Freitag Insolvenz angemeldet. Unterdessen wurde ein Verfahren gegen einen Spitzenmanager der Leipziger Internetfirma eingestellt. Gegen 95 Mitarbeiter wird noch ermittelt.

Unister-Zentrale in Leipzig: Sechs weitere Tochterfirmen haben Insolvent angemeldet.
 

Quelle: Kempner

Leipzig/Dresden.  Nach dem Tod von Unister-Gründer Thomas Wagner laufen bei der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft noch Ermittlungen gegen 95 Mitarbeiter des Leipziger Internet-Unternehmens. Es gehe dabei um den Anfangsverdacht des Computerbetrugs und der Hinterziehung von Umsatzsteuern, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde in Dresden, Wolfgang Klein, am Freitag auf Anfrage von LVZ.de.

Die Verfahren laufen teilweise bereits seit den Razzien 2012 und 2013. Ein Abschluss der Ermittlungen sei derzeit nicht abzusehen. „Wir arbeiten die Mitarbeiter peu a peu ab und überprüfen, was sie konkret gemacht haben, inwiefern dies strafrechtlich relevant war und mit Vorsatz geschehen ist“, sagte Klein. Konkret wird wegen des umstrittenen Herunterbuchens von Flügen und Vertreibens von Stornoschutz-Versicherungen ermittelt – beides Vorwürfe die bis heute nicht gerichtlich geklärt sind.

Verfahren gegen Matthias Steinberg eingestellt

Eingestellt wurde in dieser Woche das Ermittlungsverfahren gegen Matthias Steinberg, den ehemaligen Finanzvorstand (CFO) von Unister Travel. Auch er stand im Verdacht der Hinterziehung von Umsatzsteuern. „Der Vorwurf ist ausgeräumt“, erklärte Oberstaatsanwalt Klein. Zu den Hintergründen äußerte er sich nicht. Steinberg war im Juli 2015 ins Visier der Generalstaatsanwaltschaft geraten und hatte die Vorwürfe stets bestritten. Der Manager ist derzeit Vorstand der Unister Investment Holding AG und operativ zuständig für den Flugbereich.

Unister-Manager Matthias Steinberg

Unister-Manager Matthias Steinberg.

Quelle: Kempner

Am Freitag wurde der Generalstaatsanwaltschaft der Tod Thomas Wagners und seines Firmen-Mitgründers Oliver Schilling vor gut zwei Wochen auch offiziell aus Slowenien bestätigt. Begründbare Zweifel, dass die 38 und 39 Jahre alten Männer in der abgestürzten Propellermaschine saßen, hätte es ohnehin nicht gegeben. Das Verfahren gegen Wagner am Landgericht Leipzig, wo zwei Anklagen wegen Umsatzsteuerhinterziehung, unerlaubten Versicherungsgeschäften und Computerbetrugs vorlagen, wird damit laut Klein eingestellt.

Wann der Prozess gegen die drei weiteren mitangeklagten Manager beginnt, ist noch offen. Formal ändere sich durch den Tod von Wagner zumindest nichts am Verfahrensprocedere, so der Oberstaatsanwalt. „Er war jedoch einer der wesentlichen Akteure und es wäre interessant zu hören gewesen, was er in einer Hauptverhandlung zu sagen gehabt hätte“, sagte Klein.

Inzwischen zwölf Unister-Töchter insolvent

Unterdessen ist am Freitag der vorläufige Insolvenzantrag für sechs weitere Unister-Töchter gestellt worden. Wie der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther mitteilte, handele es sich zum einen um drei operativ vergleichsweise unbedeutende Gesellschaften, die kleinere Reiseportale betreiben – die Flug.de Flugreisen GmbH, die Travel Viva GmbH (Reisebüro Travelchannel) und die Indigo Reisen GmbH (Reisegeier.de). Zum anderen geht es um drei weitere Gesellschaften ohne operatives Geschäft und Mitarbeiter – die Unister Asset Management GmbH, die Portalservice GmbH und die BookaHotel GmbH.

Damit befinden sich nach der Unister Holding nun insgesamt zwölf Tochterfirmen mit rund 900 von insgesamt 1100 Mitarbeitern im vorläufigen Insolvenzverfahren. Flöther will sich bei allen um Investoren bemühen. „Was die drei kleinen operativen Gesellschaften angeht, führen wir den Geschäftsbetrieb fort, die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind über das Insolvenzgeld gesichert“, so der Rechtsanwalt. Da diese nur im Vermittlungsgeschäft tätig seien, bestehe für Kunden kein Risiko, weder bei offenen Buchungen aus der Vergangenheit noch bei künftigen Buchungen.

Von Robert Nößler

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