Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Tod der Unister-Chefs bestätigt – Ermittler wollen Geld vom Absturzort

Nach DNA-Tests Tod der Unister-Chefs bestätigt – Ermittler wollen Geld vom Absturzort

Seit Donnerstag herrscht endgültig Gewissheit, dass die Unister-Gründer Thomas Wagner und Oliver Schilling bei dem Flugzeugabsturz vor zwei Wochen ums Leben kamen. Die deutschen Ermittler haben unterdessen Rechtshilfe in Italien und Slowenien angefordert.

Thomas Wagner und Oliver Schilling kamen bei dem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben.
 

Quelle: dpa

Leipzig/Nova Gorica.  Zwei Wochen nach dem tragischen Flugzeugunglück herrscht endgültig Gewissheit: Unister-Chef Thomas Wagner (38) und Firmenmitgründer Oliver Schilling (39) saßen in der Propellermaschine, die am 14. Juli auf dem Weg von Venedig nach Leipzig im Westen Sloweniens abgestürzt ist. DNA-Proben haben die Identität der beiden Leipziger sowie des 65-jährigen dritten Insassen der Piper PA-32R zweifelsfrei geklärt. Das teilte die Polizei in Nova Gorica am Donnerstag gegenüber LVZ.de und der slowenischen Lokalzeitung Primorske Novice mit, die in dem Fall gemeinsam recherchieren.

„Das Institut für Rechtsmedizin in Ljubljana hat die Leichen am Mittwoch anhand der empfangenen DNA-Profile identifiziert“, sagte Marino Pangos, der Leiter der Kriminalpolizei. In der slowenischen Hauptstadt waren die Toten obduziert worden. Die deutschen Sicherheitsbehörden sowie das Auswärtige Amt wurden bereits informiert. Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) hatte zuvor DNA-Proben von Wagner und Schilling kriminaltechnisch ausgewertet. Die Ergebnisse übersandten die Ermittler in digitaler Form nach Slowenien.

Ermittler fordern Rechtshilfe in Slowenien und Italien an

Die beiden Unister-Gründer waren für ein millionenschweres Kreditgeschäft nach Venedig gereist, wurden dort jedoch Opfer von Rip-Deal-Betrügern. Der 73-jährige Pilot der Maschine war bereits am Freitag vergangener Woche identifiziert worden. Bei dem vierten Opfer handelte es sich um Heinz Horst B., einen 65-jährigen Finanzberater aus dem Raum Dortmund, der das Geschäft mit eingefädelt haben soll.

Unister-Gründer Thomas Wagner

Unister-Gründer Thomas Wagner.

Quelle: dpa

Der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden lag das Obduktionsergebnis bis zum Donnerstagnachmittag noch nicht offiziell vor. „Wir gehen aber davon aus, dass es auf dem Weg ist und wir es in Kürze erhalten werden“, sagte Sprecher Wolfgang Klein gegenüber LVZ.de. Unabhängig davon werden die Ermittlungen wegen des Betrugs in Venedig weiter vorangetrieben. „Wir bereiten derzeit ein Rechtshilfeersuchen vor, um alle Informationen aus Italien und Slowenien zu bekommen“, so der Oberstaatsanwalt.

Wagner hatte kurz vor seinem Abflug bei der Flughafenpolizei in Venedig eine Betrugsanzeige gestellt. Diese liegt der Generalstaatsanwaltschaft bislang noch nicht vor. Auch an dem Geld aus dem am Absturzort gefundenen Rucksack – laut slowenischer Polizei handelte es sich um 10.000 Schweizer Franken – sind die Ermittler in Dresden interessiert. „Das hätten wir gerne, um zu sehen, um was für Geld es sich handelt“, erklärte Klein.

Zweigte Wagner Millionensumme von Gehaltskonto ab?

Wagner hatte am 13. Juli von einem angeblichen israelischen Diamantenhändler Levy V. in Venedig einen Geldkoffer erhalten, der sich später jedoch als Täuschung herausstellte. Statt der versprochenen 2,5 Millionen Euro in Franken befanden sich darin Blüten, verdeckt unter einer Schicht echter Scheine. Wagner hatte V. als Sicherheit zuvor mindestens eine Million Euro übergeben. Pikant: Nach einem Bericht des Handelsblatts soll der Unister-Chef das Geld von einem Firmenkonto abgehoben haben, von dem auch die Mitarbeiter des Unternehmens ihr Geld erhielten. Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht. Vier Tage nach dem Absturz musste die Unister-Holding vorläufige Insolvenz anmelden. Inzwischen sind insgesamt sechs Tochtergesellschaften mit rund 900 Mitarbeitern davon betroffen.

„Wir wollen diesen Rip Deal und alles, was in Venedig passiert ist, aufklären“, kündigte Oberstaatsanwalt Klein an. Dies könnte sich als schwierig erweisen. Levy V., von dem bislang jede Spur fehlt, trat nach Einschätzung der Ermittler bei dem Deal höchstwahrscheinlich mit gefälschter Identität aus. „Das müssen wir nun prüfen“, so Klein.

  Mehr zum Absturz und zur Akte Unister im Special von LVZ.de
 

Von Robert Nößler

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Die Akte Unister

Der neue Multimedia-Blog der Leipziger Volkszeitung bietet spannende Geschichten aus Leipzig und Sachsen. mehr