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Trauerfeier für Unister-Gesellschafter – drei neue Insolvenzen

Sechs Investoren wollen einsteigen Trauerfeier für Unister-Gesellschafter – drei neue Insolvenzen

Angestellte, Geschäftspartner und Weggefährten haben am Donnerstag Abschied von den tödlich verunglückten Unister-Gesellschaftern Thomas Wagner und Oliver Schilling genommen. Drei weitere Gesellschaften des Unternehmens haben derweil Insolvenz angemeldet.

Trauerfeier für Thomas Wagner und Oliver Schilling in der Leipziger Kongresshalle.

Quelle: Sebastian Willnow

Leipzig. Mit einer Trauerfeier in der Leipziger Kongreßhalle haben am Donnerstag Mitarbeiter, Geschäftspartner und Weggefährten Abschied von den Unister-Gründern Thomas Wagner (38) und Oliver Schilling (39) genommen. Die beiden Manager waren am 14. Juli bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. „Wir werden ihr Erbe bewahren und fortsetzen“, sagte Unternehmenssprecher Dirk Rogl zu den rund 400 Trauergästen. Unter ihnen befanden sich Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU), Messechef Martin Buhl-Wagner, DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther und der frühere Unister-Geschäftsführer Peter Zimmermann. Außerdem waren zahlreiche Manager aus der Reisebranche und von Google nach Leipzig gereist. Die beiden Werbegesichter von Unister, Michael Ballack und Reiner Calmund, waren dagegen nicht vor Ort.

Rogl fand in seiner Rede auch deutliche Worte in Richtung Generalstaatsanwaltschaft. „Es gibt bei den Ermittlungen mehr Fragen als Antworten.“ Wagner und Schilling waren am Tag vor ihrem Absturz bei einem Kreditgeschäft in Venedig betrogen worden. Ein angeblicher israelischer Diamantenhändler hatte den beiden Leipzigern Falschgeld untergejubelt und war im Gegenzug mit einer von Unister gestellten Sicherheit über 1,5 Millionen Euro verschwunden. Auch beim Absturz sind entscheidende Details noch nicht geklärt. Während die beiden Unister-Gesellschafter, der Pilot und ein Kreditvermittler im Wrack bis zur Unkenntlichkeit verbrannten, blieb ein Rucksack mit Bargeld und Unterlagen unversehrt.

"Revoluzzer der Touristik"

„Thomas Wagner und Oliver Schilling waren Meister im Umgang mit widrigen Umständen. Die Vorfälle in Venedig hätten sie nicht ernsthaft aus der Bahn geworfen“, sagte Rogl. Worte der Trauer und des Respekts richtete auch Ralph Michaelsen, früherer Director Travel & Tourism bei Unister, an die Gäste. „Thomas Wagner und Oliver Schilling waren Revoluzzer in der Touristik und haben die gesamte Branche bewegt“, so der Manager. Er habe am Morgen vor dem Unglücksflug noch mit Wagner telefoniert. Der Unternehmensgründer habe ihm gesagt: „Am Mittag bin ich wieder zurück.“

Nach einer Reihe von Insolvenzen bei Unister in den vergangenen Wochen haben am Donnerstag drei weitere Gesellschaften der Reisesparte ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt. Die Ab-In-Den-Urlaub Betriebsgesellschaft (178 Mitarbeiter), die Kurz Mal Weg GmbH (14 Mitarbeiter) und die RMK Billigfluege.de GmbH (keine eigenen Mitarbeiter) stellten einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Leipzig. Damit sind nahezu alle der rund 1100 Mitarbeiter des Internetriesen von Insolvenzen betroffen. Kunden müssten um bereits geschlossene Verträge nicht bangen, weil die betroffenen Portale nur als Vermittler tätig seien, teilte Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther mit.

Inzwischen kommt Bewegung in den Verkaufsprozess der Unternehmensteile. Nach Angaben Flöthers haben sechs Investoren ihre Angebote für die Travel Sparte abgegeben. Diesen Bereich bezeichnete der Insolvenzverwalter als am „werthaltigsten“. Weitere Interessenten ständen für den Einstieg in kleinere Unistergesellschaften bereit. „Das ist ein gutes Zwischenergebnis“, so Flöther.

Vorbereitung auf Asset Deal

Die neuerlichen Insolvenzen hängen dem Juristen zufolge mit dem angestrebten Verkauf zusammen. Darauf bereitet Flöther die Reisesparte von Unister derzeit vor. Er will so genannte Asset Deals abschließen. Dabei erwerben Investoren die Wirtschaftsgüter frei von Schulden.

In den nächsten beiden Wochen will Flöther mit dem Gläubigerausschuss nun die vorliegenden Angebote prüfen. Der Jurist aus Halle sieht sich aber nicht unter Zeitdruck. Auch wenn das von der Agentur für Arbeit an die Mitarbeiter gezahlte Insolvenzgeld Ende des Monats auslaufe, müssten bis dahin nicht alle Verkäufe unter Dach und Fach sein, bestätigte er gegenüber LVZ.de.  Die Gehälter könnten danach auch wieder von Unister selbst getragen werden. „Die Ertragslage ist stabil“, betonte Flöther.  

Matthias Roth

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