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Unister-Chef Thomas Wagner stirbt bei Flugzeugabsturz in Slowenien

Flug von Venedig nach Leipzig Unister-Chef Thomas Wagner stirbt bei Flugzeugabsturz in Slowenien

Beim Absturz eines Kleinflugzeugs am Donnerstag ist der Leipziger Internet-Unternehmer Thomas Wagner ums Leben gekommen. Die Maschine befand sich auf dem Rückflug von Venedig nach Leipzig, als sie über gebirgigem Gelände in Slowenien ins Trudeln geriet.

Unister-Gründer Thomas Wagner (38) ist bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Er war mit einem solchen Kleinflugzeug vom Typ Piper PA-32R (Symbolfoto) auf dem Rückweg von Venedig nach Leipzig.

Quelle: Wikimedia / André Kempner

Ljubljana/Leipzig. Der Gründer des Leipziger Internet-Unternehmens Unister, Thomas Wagner, ist am Donnerstag bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. Nach LVZ-Informationen war der 38-Jährige als Passagier in einem Kleinflugzeug vom Typ Piper PA-32R auf dem Rückweg von Venedig nach Leipzig, als es zu dem tragischen Unglück kam. Alle vier Insassen der Propellermaschine starben.

Örtliche Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei, der Pilot habe vor dem Absturz bei Predmeja im Westen des Landes Probleme wegen Vereisung gemeldet. Die Maschine sei im gebirgigen Gelände in einen Wald gestürzt und ausgebrannt. Unter den Todesopfern soll auch ein Banker gewesen sein. Auf Fotos von der Unglücksstelle war ein völlig zerstörtes Wrack zu sehen.

Unister-Chef Thomas Wagner ist beim Absturz eines Kleinflugzeugs in Slowenien ums Leben gekommen. Die Unglücksstelle befindet sich bei Predmeja im Westen des Landes. Fotos: dpa

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Wie mehrere Quellen aus dem Firmenumfeld der LVZ bestätigten, war Wagner für einen geschäftlichen Termin nach Venedig gereist. Dem Vernehmen nach ging es dabei um Finanzfragen. Den Flugdaten auf dem Portal flightradar24.com zufolge war die sechssitzige, in den USA registrierte Maschine erst am Tag zuvor von Leipzig nach Venedig gestartet. Auf dem Rückflug in die Messestadt verschwand das Flugzeug mit der Registriernummer N710CC gegen 10.51 Uhr, etwa eine halbe Stunde nach dem Start, in einer Höhe von rund 3200 Metern vom Radar. Nach Angaben des Flughafens Leipzig/Halle war die Landung der Maschine für 14.45 Uhr geplant.

"Dann gab es eine Explosion"

Die italienische Regionalzeitung "Il Gazzettino" berichtet unter Berufung auf die slowenische Polizei, dass die vier Opfer 38, 39, 65 und 73 Jahre alt und alle deutsche Staatsbürger gewesen und sein sollen. Der örtliche Katastrophenschutz, Feuerwehr und Rettungskräfte fanden am Absturzort ein brenndens Wrack vor. Die Polizei sperrte die Unglückstelle ab. Der Zeitung "Primoske Novice" sagte Anwohner Ivan Podgornik: "Ich stand vor meinem Haus und sah, wie das Flugzeug am Himmel ins Trudeln geriet. Der Motor machte seltsame Geräusche, es sah aus, als ob die Maschine versucht, an Höhe zu gewinnen. Für ein paar Momente war es still, dann gab es eine Explosion."

Die Flugroute auf dem Portal Flightradar24. Bei Predmeja verschwand die Maschine vom Radar.

Quelle: Screenshot Flightradar24

Unister will Nachfolge von Wagner regeln

Die Mitarbeiter von Wagners Unternehmen Unister zeigten sich am Donnerstagabend tief bestürzt von der Nachricht des Unfalltods ihres Geschäftsführers. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Thomas Wagner", sagte Unister-Sprecher Dirk Rogl. In einer ersten Krisensitzung habe die Geschäftsleitung bereits wichtige Weichen gestellt. "Wir können Thomas Wagner nicht kompensieren, aber wir werden sein Erbe bestmöglich im Sinne unseres Gründers fortführen", so Rogl. Das Unternehmen werde zeitnah die Nachfolge regeln und mitteilen. Aktuell arbeiten eigenen Angaben zufolge rund 1200 Mitarbeiter für Unister, der Jahrsumsatz beträgt 500 Millionen Euro.

Wagner gründete Unister 2002 als Student und baute das Start-Up-Unternehmen innerhalb weniger Jahre zu einem der größten Online-Reisevermittler Deutschlands aus. Mit Stars wie Michael Ballack und Reiner Calmund als Werbefiguren wurden Internetportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de bundesweit bekannt. In der Spitze beschäftigte die Unister-Holding etwa 1800 Mitarbeiter. Multimillionär Wagner mied jedoch die Öffentlichkeit und gab nur selten Interviews. Im Sport engagierte er sich unter anderem als Sponsor des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig. Geschäftsführer Karsten Günther (34) sagte der LVZ: "Das ist unfassbar, ein Schock. Thomas Wagner unterstützt uns seit sechs Jahren, hat immer an unser Projekt Bundesliga-Handball in Leipzig geglaubt und war uns persönlich verbunden."

Razzien und Ermittlungen

Wegen Vorwürfen unter anderem wegen der Steuerhinterziehung sowie des unerlaubten Vertreibens von Versicherungen war Unister seit 2012 ins Visier der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden geraten. Die Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES) führte zwei Großrazzien durch. Wagner kam nach der ersten Durchsuchung im Dezember 2012 kurzzeitig in Haft und wurde auf Kaution wieder freigelassen. Zum Prozess gegen ihn und drei weitere Unister-Manager kam es bislang jedoch nicht, da die Anklagen vom Landgericht Leipzig bis zuletzt noch immer geprüft wurden.

nöß/chg/mape/gs

Predmeja 45.944481 13.887701
Predmeja
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