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Unister Holding meldet Insolvenz an – Geschäftsbetrieb läuft weiter

Nach Tod von Thomas Wagner Unister Holding meldet Insolvenz an – Geschäftsbetrieb läuft weiter

Nach dem tragischen Tod von Unternehmenschef Thomas Wagner hat die Leipziger Unister Holding am Montag Insolvenz angemeldet.

Unister hat Insolvenz angemeldet.

Quelle: Knofe/Kempner

Leipzig. Das Leipziger Internetunternehmen Unister hat für seine Holding am Montag Insolvenz beim Amtsgericht Leipzig beantragt. Das bestätigte Lucas F. Flöther, der als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt wurde. Der Jurist aus Halle verschafft sich einen Überblick über die Unternehmenszahlen und verhandelt mit Gläubigern.

Auch wenn von dem Verfahren derzeit nur die Dachgesellschaft des Onlinedienstleisters betroffen ist, bangen jetzt die 1100 Mitarbeiter des Gesamtkonzerns um ihre Arbeitsplätze. Zu den Geschäftssäulen von Unister gehören so bekannte Reiseportale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub, aber auch Angebote der Finanz-, Auto- oder Shoppingbranche.

Zwei Gesellschafter sterben bei Flugzeugabsturz

In der vergangenen Woche waren mit Thomas Wagner und Oliver Schilling zwei der sechs Holdinggesellschafter bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben gekommen. Sie hielten mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der Anteile an der GmbH. Wie bereits berichtet, war die Gesellschaft schon seit längerer Zeit in wirtschaftlicher Schieflage.

Nach dem Tod der beiden Manager hatte Unister zunächst beteuert, die Geschäfte planmäßig weiterführen zu wollen. Die Kehrtwende brachte ein Gesellschaftertreffen am Sonntag. Offenbar kamen dabei auch neue Zahlen auf den Tisch, die bisher nur Wagner im Detail kannte. Nach LVZ-Informationen bestand mindestens ein Teilnehmer auf dem Gang zum Amtsgericht. Besonders drückt demnach ein 40-Millionen-Euro-Kredit bei der Hanse Vertriebspartner AG HVP, einer Tochter der Hanse Merkur Versicherung. Hinzu kam: Die Runde konnte sich nicht auf einen neuen Geschäftsführer einigen, hieß es aus der Kanzlei von Flöther.

Insolvenzverfahren wird beantragt

Einen Tag nach der Versammlung beantragten schließlich Christian Schilling (hält gut 10 Prozent der Anteile), Bruder des umgekommenen Oliver Schilling, und der in der Öffentlichkeit bislang kaum in Erscheinung getretene Sebastian Gantzckow (hält 18 Prozent der Anteile) um 11.15 Uhr das Insolvenzverfahren. Die beiden weiteren Gesellschafter sind der ehemalige Unister-Finanzchef Daniel Kirchhof (rund 17 Prozent) und die dem Leipziger GRK-Holding-Gründer Steffen Göpel gehörende Opus 30 Vermögensverwaltung (5 Prozent).

Vor allem Haftungsgründe und die Angst vor einer möglichen Insolvenzverschleppung sollen die entscheidenden Beweggründe für den Gang zum Amtsgericht gewesen sein. Unternehmensinsidern zufolge besteht nach dem Tod von Wagner und Schilling große Unsicherheit über die Zahlen und die Zukunft des Unternehmens. Bisher ungeklärt ist auch, wer die Mehrheitsanteile der verstorbenen Manager erbt und was dann damit passiert.

Furcht vor dem Verkauf

Bei Unister herrscht jetzt die Furcht vor einer Zerschlagung des Unternehmens und dem Verkauf der einzelnen Geschäftszweige. Insolvenzverwalter Flöther sandte zunächst aber positive Signale an Mitarbeiter, Kunden und Partner. „Die operativen Gesellschaften der Firmengruppe sind nicht von der Insolvenz betroffen“, teilte dessen Kanzlei mit. Die Handlungsfähigkeit solle gesichert werden, der Geschäftsbetrieb laufe ohne Einschränkungen weiter. „Das vorläufige Insolvenzverfahren ermöglicht es der Unister Holding, in dieser schwierigen Phase voll handlungsfähig zu bleiben und langfristig ihre Einheit als Unternehmen zu sichern“, betonte Flöter.

In den kommenden drei Monaten übernimmt die Agentur für Arbeit die Gehälter der Mitarbeiter und verschafft damit eine finanzielle Atempause. Zu Flöthers Aufgaben gehört es nun, das vorhandene Vermögen zu begutachten und zu sichern. Am Ende steht seine Empfehlung an das Amtsgericht, ob ein Insolvenzverfahren tatsächlich eröffnet wird oder nicht.

Die Mitarbeiter wurden gestern Vormittag über das hausinterne Intranet informiert. „Wir werden in den nächsten Tagen ad hoc auf viele Herausforderungen reagieren müssen und bitten dafür um eure volle Unterstützung. Nur konzentriert und gemeinsam erreichen wir unser Ziel: die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes“, heißt es in dem Schreiben.

Ist das Unister-Vermächtnis in Gefahr?

Langjährige Weggefährten sehen das Vermächtnis von Wagner in Gefahr. „Ich hoffe sehr, dass die Einheit des Unternehmens erhalten bleibt und Unister nicht in Filets zerteilt wird“, sagte der noch immer bestens vernetzte ehemalige Sprecher, Konstantin Korosides. Andere Insider bewerten den Insolvenzantrag als Panikreaktion. Angeblich habe ein Konsortium vor einem Einstieg gestanden, bleibe jetzt aber in der Reserve.

Wie dramatisch die Lage tatsächlich ist, sagte am Montag niemand. Wagner und Schilling wollten in der vergangenen Woche mit ihrer Reise nach Venedigfrisches Geld besorgen – offenbar, um die drohende Insolvenz in letzter Sekunde noch abzuwenden.

Matthias Roth/Guido Schäfer

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