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Wagner wurde offenbar betrogen - Erste Unister-Tochter insolvent

Leipziger Internetunternehmen Wagner wurde offenbar betrogen - Erste Unister-Tochter insolvent

Es gibt immer mehr Hinweise, dass der verunglückte Unisterchef Thomas Wagner vor seinem Tod betrogen wurde. Indessen hat der vorläufige Insolvenzverwalter Lucas F. Flöther die erste Insolvenz eines Tochterunternehmens bekannt gegeben: Der Reiseveranstalter Urlaubstours ist zahlungsunfähig.

Absturzstelle des Kleinflugzeugs (l.)/ Der verunglückte Unister-Chef Thomas Wagner

Quelle: dpa

Belgrad/Leipzig. Vor seinem Tod ist Unister-Chef Thomas Wagner in Venedig bei einem Geldgeschäft offensichtlich betrogen worden. Das ergaben Recherchen von MDR-Exakt. Marino Pangos, Präsident und Sprecher der Kriminalpolizei in Nova Gorica gegenüber dem MDR-Magazin: "Wir haben italienische Dokumente gefunden, die besagen, dass Wagner Opfer eines Betrugs geworden ist, bei dem es um extrem hohe Summen ging."

An der Unglücksstelle in Slowenien seien neben den Papieren außerdem 10.000 Schweizer Franken (rund 9200 Euro) gefunden worden, ein Geldkoffer dagegen nicht.
Unabhängig davon hatten Insider MDR-Exakt berichtet, dass Wagner für ein Kreditgeschäft nach Venedig geflogen sei. Um das Geschäft zustande zu bringen, sollte der Unister-Chef eine Sicherheit hinterlegen. Beim Umtausch des mitgebrachten Geldes in Schweizer Franken wurde Wagner mutmaßlich Falschgeld untergeschoben. Er habe daraufhin Anzeige bei der örtlichen Polizei erstattet.

Von den vier Todesopfern des Flugzeugabsturzes sei bisher noch keines identifiziert worden. "Die Leichen sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.", so Marino Pangos. Derzeit ist das forensische Institut Ljubljana mit DNA-Vergleichen beschäftigt, die Klarheit bringen sollen. Außerdem würden vom slowenischen Verkehrsministerium die Wrackteile der Maschine untersucht, um die Unfallursache herauszufinden. Es gäbe bisher keine Anhaltspunkte auf eine Manipulation, so der Sprecher der slowenischen Polizei.

Solange die Leichen nicht eindeutig identifiziert sind, schaltet sich die Leipziger Staatsanwaltschaft nicht in den Fall ein. "Erst danach entscheiden wir über ein Todesermittlungsverfahren", sagte Behördensprecherin Jana Friedrich. Die Ermittler in Slowenien stehen im engen Kontakt mit der Polizei in Leipzig, um zweifelsfrei die Identität der Absturzopfer zu klären.

Insolvenz könnte sich ausweiten

Indessen spitzt sich auch am Leipziger Firmensitz die Krise zu. Am Dienstag meldete mit dem Reiseveranstalter Urlaubstours die erste Tochterfirma von Unister Insolvenz an. Auch hier wurde Lucas F. Flöther zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, teilte seine Kanzlei am Dienstagabend mit. Flöther arbeitet sich bereits in die Bücher der Unister Holding ein. Die Dachgesellschaft der Unternehmensgruppe hatte am Montag beim Amtsgericht Leipzig Insolvenz angemeldet.

Anders als die Unister-Reiseportale sei Urlaubstours ein Reiseveranstalter, hieß es. Bereits gebuchte Reisen seien aber über eine Versicherung abgesichert und würden durchgeführt. Neue Buchungen könnten aber nicht mehr entgegengenommen werden. Zuvor hatte der Insovlenzverwalter vor solchen Folgen gewarnt. Gegenüber dem MDR-Magazin "Umschau" sagte er, es zumindest nicht auszuschließen, dass es einen Ansteckungs- und Dominoeffekt gibt. Konkrete Zahlen nannte er aber noch nicht, sondern verwies auf bevorstehende Prüfung. „Unser Ziel ist es, eine Zukunftslösung zu finden, idealerweise für die gesamte Gruppe. Aber auch mehrere Teillösungen sind denkbar“, sagte Flöther.

Verbraucherschützer sehen für Kunden nur wenige Gefahren bei einer Ausweitung der Insolvenz. Dennoch reagieren viele verunsichert. Vor allem Nutzer von Reiseportalen wie fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de bangen um ihre Buchungen. Die Verbraucherzentrale Sachsen beruhigt die Kunden. „Die Verträge bestehen weiter“, sagte Rechtsreferentin Anne-Katrin Wiesemann. Die Onlineangebote gehörten zu den operativen Gesellschaften von Unister und seien von der Insolvenz nicht betroffen. Die Reisebranche mit den Portalen fluege.de, ab-in-den-urlaub.de oder hotelreservierung.de gehören dagegen zur Unister Travel GmbH, einer Tochter der Holding.

Die Verbraucherzentrale erklärt weiter, dass Kunden mit Pauschalpaketen über den sogenannten Sicherungsschein vor dem Verlust ihres Geldes geschützt seien. Reiseanbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich gegen Zahlungsunfähigkeit zu versichern.

In den meisten Fällen haben die Touristen gar keinen Vertrag mit Unister direkt abgeschlossen. Außer bei Urlaubstours tritt die Leipziger Internetfirma nur als Vermittler auf und kassiert dafür eine Provision. Vertragspartner selbst ist aber ein Reiseunternehmen oder eine Fluglinie. „Dennoch betrachten wir die Entwicklung des Unternehmens aufmerksam und das sollten auch die Kunden tun“, so Wiesemann.

Nur wenn Anzahlungen noch nicht an die Reise- oder Fluganbieter weitergeleitet wurden, könnten sie in die Insolvenzmasse fallen. Die Kunden müssten in diesem Fall ihre Ansprüche wie alle anderen Gläubiger auch beim Insolvenzverwalter anmelden.

Die Verbraucherzentrale hat in den zurückliegenden Jahren immer wieder Unister kritisiert. „Verbraucher haben sich mit verschiedensten Problemen an uns gewendet“, so Wiesemann. Bemängelt worden seien verspätet ausgezahlte Reisegutscheine, die schlechte Erreichbarkeit und versteckte Preise bei Flugbuchungen. Unister räumte einzelne Komplikationen in der Vergangenheit ein und kündigte Optimierungen der betriebsinternen Abläufe an.

Matthias Roth/chg (mit dpa)

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