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Am Leipziger Brühl: Erste Flüchtlinge am Mittwoch erwartet - Lift gesperrt

Kritisierter Wachschutz wieder im Einsatz Am Leipziger Brühl: Erste Flüchtlinge am Mittwoch erwartet - Lift gesperrt

Am Mittwoch ziehen die ersten 52 Flüchtlinge in das ehemalige Interpelz-Hochhaus am Brühl in Leipzig ein, darunter zahlreiche Kinder. Das teilte die Stadt bei einer Vorabbesichtigung des Zehngeschossers mit.

In das Hochhaus in der Leipziger Innenstadt können bis zu 520 Flüchtlinge einziehen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Das Treppenhaus ist breit und hell, und es wird in den kommenden Wochen stark genutzt werden: Am Mittwoch ziehen die ersten Bewohner in die neue Flüchtlingsunterkunft am Leipziger Brühl ein. Bezugsfertig sind zunächst die oberen drei Etagen des Zehngeschossers. Zu den Sechsbett-Zimmern gelangen die Neuankömmlinge aber nur zu Fuß.

„Der Aufzug steht den Flüchtlingen aus brandschutz- und sicherheitstechnischen Gründen nicht zur Verfügung“, erklärte Sozialamtsleiterin Martina Kador-Probst. Das sei so üblich bei Flüchtlingsunterkünften der Stadt. Betreiber und Sicherheitsdienst könnten den Lift aber mit einem Schlüssel benutzen.

52 Menschen finden im Hochhaus am Brühl zunächst ein Dach über dem Kopf. Sie kommen aus verschiedenen Erstaufnahmeeinrichtungen in Sachsen und stammen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, der russischen Föderation und dem Irak. 22 Kinder unter acht Jahren sind dabei, möglicherweise noch weitere Minderjährige, erklärt Annett Heise aus der Geschäftsführung des DRK-Kreisverbands vor Ort. Das Deutsche Rote Kreuz wird die Einrichtung betreiben und sich auch um die soziale Betreuung der Menschen kümmern.

Am 11. November ziehen die ersten Flüchtlinge in das ehemalige Interpelz-Hochhaus am Brühl. Die kommunale Unterkunft wird vom DRK betrieben und soll bis April 2016 rund 520 Menschen ein Dach über dem Kopf bieten.

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Grandiose Aussicht

„Dazu stehen zehn ausgebildete Mitarbeiter zur Verfügung“, so Heise weiter. Noch sind nicht alle im Einsatz, denn die Kapazität der Unterkunft wird erst in den nächsten drei Wochen ausgeschöpft. Dann sollen bis zu 520 Menschen dort Platz finden. Von 6 bis 23 Uhr werden DRK-Mitarbeiter vor Ort sein.

Am Dienstag waren aber vor allem die Arbeiter gefragt, denn der Speisesaal im Erdgeschoss sah noch nach Baustelle aus. Die Essensausgabe befindet sich ebenso im Erdgeschoss wie die Duschen. Auf den Etagen reihen sich in langen Fluren helle Zimmer aneinander, die zum Teil eine grandiose Aussicht über die Stadt bieten. Das ist der einzige Luxus. Die Ausstattung ist zweckmäßig und beschränkt sich auf Feldbetten, Spinde, Stühle und einen Tisch.

Auf dem jeweiligen Geschoss gibt es außerdem Toiletten und Waschbecken, eine Teeküche und einen Wirtschaftsraum mit Waschmaschine und Trockner. „Diese sind für die persönliche Wäsche der Bewohner gedacht. Nur die Bettwäsche lassen wir reinigen“, so Annett Heise. Von Anfang an sollen die Bewohner in die alltäglichen Arbeiten mit einbezogen werden, sagte sie. Dazu gehöre das Staubsaugen der Zimmer genauso, wie ein Dienst, der das Müll-Wegbringen regelt.

Wachschutz nach Kritik wieder an Bord

Außer den Mitarbeitern des Roten Kreuzes sind acht Leute eines Wachschutzes für die Sicherheit in der Unterkunft zuständig. Die Firma „A&S Laval“ hat dafür per Ausschreibung den Zuschlag bekommen. Zur Geschäftsführung des Unternehmens gehört Gerhard Straßenburg, ehemals Generalmajor der Volkspolizei und Leipzigs letzter DDR-Polizeichef. Seine Security-Firma war mit ihrer Arbeit in der Massenunterkunft Torgauer Straße in die Kritik geraten. Wochenlang blieb die Leiche eines libanesischen Bewohners unentdeckt in den Räumen.

Jetzt hat die Firma über die reguläre Ausschreibung der Stadt den Auftrag für das Objekt in der Innenstadt bekommen. Sozialamtsleiterin Kador-Probst erklärte zur Torgauer Straße, dass Fehler immer passieren könnten. Die Stadt habe das mit „A&S Laval“ ausgewertet. Generelle Bedenken gegen das Unternehmen bestünden nicht. Der Vertrag für die Torgauer Straße sei ja auch regulär erfüllt worden. „Danach wollten wir ein Komplettpaket für die Betreibung des Objekts inklusive Sicherheit und sozialer Betreuung einkaufen. Das konnte Laval nicht anbieten.“ In der City seien aber ausschließlich Security-Leistungen gefragt.

Keine Abgrenzung zur Innenstadt

So werden unter anderem die Eingänge des Objekts besetzt. Eine Abgrenzung zur Innenstadt werde es aber nicht geben. Auch der Durchgang vom Brühl zur Reichsstraße bleibt offen. Kador-Probst machte deutlich, dass ein Wohngebäude mit 500 Menschen in einer Großstadt wie Leipzig kein Problem darstellen dürfe. „Das Zusammenleben gestaltet sich doch eher nebenbei“, sagte sie. Auch Weihnachtsmarktbesuche der Neuankömmlinge findet sie eher wünschenswert: „Dadurch ist dann das Fremde vielleicht nicht mehr ganz so fremd.“

Zu möglichen Legida-Demonstrationen im Umfeld sagte Kador-Probst: „Die Versammlungsbehörde weiß, dass so eine Einrichtung besonderes Augenmerk bedarf.“ Doch das Versammlungsrecht sei ein hohes Gut, und auf Dauer ließen sich solche Demonstrationen nicht fernhalten.

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Leipzig. Lange war es ruhig geworden um die Pläne für den Brühlpelz in der Leipziger Innenstadt. Doch schon bald könnte in den leerstehenden Zehngeschosser neues Leben einziehen. Wie LVZ-Online exklusiv erfuhr, hat die Leipziger Stadtbau AG einen Investor gefunden, der das Hochhaus am Brühl 34-50 zu einer Nobel-Herberge umbauen will.

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Konflikte mit Geschäftsleuten im Umfeld, die sich im Vorfeld andeuteten, hat die Stadt offenbar entschärfen können. Sowohl mit den Höfen am Brühl als auch mit dem Marriott Hotel habe es persönliche, offene Gespräche gegeben. „Wir bleiben da im Kontakt.“ Die Flüchtlingsunterkunft wird nur als Interim bis April 2016 genutzt. Die Eigentümerin Stadtbau AG überlässt das Gebäude der Stadt mietfrei. Ein Investor will das Hochhaus dann zu einem Hotel umbauen.

Von Evelyn ter Vehn

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Leipzig, Brühl 34-50
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