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Enorme Aufgaben in Leipzigs Grube-Halle – "Unterbringung ist erschreckend"

Flüchtlinge auf dem Sportcampus Enorme Aufgaben in Leipzigs Grube-Halle – "Unterbringung ist erschreckend"

Die ersten Flüchtlinge sind am Samstag in die Ernst-Grube-Halle eingezogen. Dort werden sie von 30 Ehrenamtlichen der Johanniter in Empfang genommen und betreut. Die Situation ist prekär, Betten stehen dicht an dicht, aktuell gibt es sechs Duschen, die am Sonntag von 500 Menschen benutzt werden.

Dicht gedrängt stehen die Betten in der Ernst-Grube-Halle. Bis Oktober sollen hier 500 Menschen wohnen.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. In der Nacht zum Samstag sind die ersten 60 Flüchtlinge in der Landes-Notunterkunft an der Ernst-Grube-Halle angekommen. Empfangen wurden die Schutzsuchenden gegen 2 Uhr von Johannitern, einem Notfallmediziner und dem Leipziger Flüchtlingsrat. „Es kamen Männer, Frauen und auch einige kleine Kinder“, sagte Johanniter-Mitarbeiter Lars Menzel gegenüber LVZ.de. Meist hatten die Flüchtlinge nur eine Plastiktüte mit ihrem verbliebenen Hab und Gut dabei, wirkten nach langer Reise sehr erschöpft. Im Laufe des Wochenendes werden nun weitere Busse aus Chemnitz an der Jahnallee erwartet, hieß es. „Bis Sonntagmittag werden es dann 500 Menschen in der Halle sein“, so Menzel weiter.

Dicht gedrängt stehen die noch am Freitagnachmittag von Freiwilligen und Technischem Hilfswerk (THW) in einer Hauruck-Aktion aufgebauten Feldbetten in der historischen Sporthalle. „Die Unterbringung ist erschreckend, Bett steht an Bett, es gibt keinen Sichtschutz. Vor allem die Frauen unter den Flüchtlingen waren geschockt, als sie in die Halle kamen“, sagte Sonja Brogiato vom Leipziger Flüchtlingsrat. Angesichts des angekündigten Wetterumschwungs mit anhaltenden Regenfällen, werde die Unterbringung eine sehr große Herausforderung für alle, ergänzte Johanniter Menzel.

Gegen 2 Uhr trafen die ersten Flüchtlinge an der Grube-Halle ein und wurden dort von den Johannitern in Empfang genommen.

Quelle: Silvio Hoffmann

Großes Engagement der Ehrenamtlichen – Kritik am Freistaat

Trotzdem versuchen die Ehrenamtlichen vor Ort, die Situation für die Flüchtlinge so erträglich wie möglich zu gestalten. „Es ist beeindruckend, mit wie viel Engagement die Johanniter hier arbeiten. Sie begrüßen die Ankommenden freundlich, haben sich selbst um ärztliche Unterstützung gekümmert“, berichtet Brogiato und fügte an: „Es ist ein Unding, dass eine staatliche Aufgabe hier nur vom Ehrenamt gestemmt werden muss!“

Zusammen mit dem THW organisierten die Johanniter in der Halle auch drei kleine Zelte als private Rückzugsräume – für Gebete, für stillende Mütter und für spielende Kinder. „Es ist der Versuch, wenigstens etwas Privatsphäre anbieten zu können“, sagte Menzel. Für regelmäßige Mahlzeiten sorgt derweil das Studentenwerk der Uni Leipzig, kocht in der benachbarten Sportcampus-Mensa rund um die Uhr. „Wir müssen die Essen dann nur noch herübertragen“, freute sich der Johanniter über die universitäre Hilfe.

Unter großem Zeitdruck wurde die Ernst-Grube-Halle am Freitag als Interimsunterkunft für Asylbewerber hergerichtet. Michael Feist von der Landesdirektion, Uni-Rektorin Beate Schücking und Polizeipräsident Bernd Merbitz stellten sich den Fragen der Presse. Vor Ort herrschte jedoch organisatorisches Chaos. Fotos: Dirk Knofe

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Dagegen ist die sanitäre Situation auf dem Gelände bisher noch sehr problematisch. Nur sechs Duschen stehen den Geflüchteten aktuell zur Verfügung. Am Sonntag, wenn die Halle voll belegt ist, müssen sich 500 Menschen diese dann teilen. „Es hieß, am Montag werden zusätzliche sanitäre Anlagen angeliefert“, erklärte Menzel. Bis dahin sollen auch alle Ankommenden vom Arzt der Johanniter untersucht werden – um die allgemeine Konstitution der Asylbewerber einschätzen zu können.

Ein Dolmetscher des Flüchtlingsrates dient den Asylsuchenden als Ansprechpartner. „Er kann sechs Sprachen und alle wurden bisher auch schon gebraucht“, sagte Sonja Brogiato. In den kommenden Stunden sollen weitere Sprachenexperten aus dem Netzwerk der Initiative in die Grube-Halle folgen.

Hilfsangebot werden koordiniert – keine spontane Aktionen gewünscht

Zudem wird der Flüchtlingsrat auch die Spenden und Hilfsangebote aus der Leipziger Bevölkerung koordinieren. „Wir werden auf unserer Webseite zeitnah eine Liste veröffentlichen, wo genau steht, was tatsächlich gebraucht wird und wie man mithelfen kann“, so Brogiato weiter. Bis dahin sollten alle Leipziger von spontanen Hilfen absehen, auch nicht zur Halle kommen. „Die Spendenbereitschaft in Leipzig ist riesig, das ist so klasse. Aber die Leute bedenken oft nicht, welche Folgen das auch haben kann“, sagte Brogiato.

Aktuell gebe es beispielsweise noch ein akutes Lager- und Sortierproblem in der Grube-Halle, könne spontane Hilfe keinesfalls angenommen werden. Am Montag soll dann eine Informationsveranstaltung für alle Leipziger stattfinden, die mithelfen wollen. „Wir suchen derzeit noch nach Räumlichkeiten, werden Zeit und Ort im Laufe des Wochenendes bekannt geben“, sagte die Chefin des Flüchtlingsrats.

www.fluechtlingsrat-lpz.org

NACHTRAG: Wer dem Flüchtlingsrat Hilfsangebote per E-Mail schickt, bitte nur mit Telefonnummer!! Antworten per Mail sind aktuell unmöglich.

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