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Faktencheck zu Flüchtlingen in Leipzig – 19 neue Standorte 2016

Kommunale Asylpolitik Faktencheck zu Flüchtlingen in Leipzig – 19 neue Standorte 2016

Fast 10.000 Flüchtlinge aus 27 verschiedenen Ländern hoffen derzeit in Leipzig darauf, Asyl zu erhalten. Ein Großteil hat die Erstaufnahmen verlassen, konnte bereits in Unterkünfte der Kommune umziehen. In den kommenden Monaten werden aber noch weitere Plätze gebraucht.

Blick in die bezugsfertige Asylunterkunft am Brühl. (Archivfoto)
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  1.091.894 Flüchtlinge sind im vergangenen Jahre in Deutschland registriert worden. Knapp 70.000 Personen wurden anschließend auf die sächsischen Erstaufnahmen (EAE) verteilt. Einige der Asylbewerber sind nach Wochen des Wartens inzwischen freiwillig wieder ausgereist, andere wurden abgeschoben. Der überwiegende Teil konnte nach Aufnahme des Asylantrags aber in kommunale Einrichtungen umziehen. Leipzig, als größte Stadt Sachsens, trägt mit 13,24 Prozent den Löwen-Anteil im Freistaat. Um alle aufnehmen zu können, hat die Stadtverwaltung bereits einige neue Gemeinschaftsunterkünfte in Betrieb genommen. Weitere folgen in den kommenden Monaten. LVZ.de gibt auf Grundlage von Zahlen aus dem Dezernat von Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) einen Überblick über die Lage in der Messestadt.

Zahl der Flüchtlinge in Leipzig und Herkunft

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 4.230 neue Flüchtlinge in Leipzig aufgenommen – vier Mal mehr als 2014. Am 10. Januar 2016 lebten so 5.383 Asylbewerber in den Unterkünften der Stadt. Dazu kommen 2.220 Migranten, die nach Sozialgesetzbuch II registriert sind – weil sie beispielsweise schon einer eigenen Arbeit nachgehen. 393 minderjährige Asylbewerber ohne Eltern wurden 2015 in Wohngemeinschaften des Jugendamtes untergebracht. Zusammen mit den 1.853 Menschen, die Anfang Januar noch in den Erstaufnahmen warteten, leben somit derzeit knapp 9.800 Flüchtlinge in Leipzig. Das entspricht 1,75 Prozent der Gesamtbevölkerung der Messestadt.

Die „Leipziger Flüchtlinge“ kommen aus 27 verschiedenen Ländern, einige waren zuvor auch staatenlos. Der mit Abstand größte Teil, insgesamt mehr als 1568 Personen, ist 2015 aus Syrien geflohen. Danach folgen mit Abstand: 627 afghanische Flüchtlinge und 482 Menschen aus dem Irak. Weiter unten in der Liste finden sich auch die derzeit viel thematisierten nordafrikanischen Länder: Marokko (124 Asylbewerber), Libyen (116), Tunesien (76). Das bedeutet: Nur sieben Prozent der Flüchtlinge in Leipzig sind „Nordafrikaner“. Bei den Minderjährigen ohne Eltern ist die Verteilung der Herkunft noch deutlicher: Mehr als 90 Prozent kommen aus Syrien und Afghanistan.

Aktuelle Situation der Unterbringung

In Leipzig gibt es – über das ganze Stadtgebiet verteilt – derzeit zwölf große Einrichtungen, in denen jeweils mindestens 60 Asylbewerber leben. Dazu kommen 13 kleinere Unterkünfte, sowie 480 Plätze in Pensionen, 54 Betten in Übernachtungshäusern für Obdachlose, sowie zahlreiche Wohnungen mit eigenem Mietvertrag. Insgesamt 790 sogenannte Gewährleistungswohnungen hat die Kommune auf mindestens fünf Jahre angemietet.

Zweidrittel aller Asylbewerber in Leipzig leben derzeit noch in den Gemeinschaftsunterkünften, die anderen dezentral in eigenen Wohnungen. In den meisten Fällen können die Flüchtlinge die Pritschenburgen nach spätestens sechs Monaten verlassen, heißt es aus dem Neuen Rathaus. „Der Aufenthalt in einer Gemeinschaftsunterkunft ist insbesondere in der Anfangszeit sinnvoll, um mit Hilfe von Sozialarbeit das Ankommen und den Integrationsprozess bestmöglich zu unterstützen“, so das Dezernat des Sozialbürgermeisters.

Die minderjährigen Asylbewerber ohne Eltern leben in bestehenden Wohngruppen verschiedener sozialer Träger oder in insgesamt sieben Interimslösungen des Jugendamtes. Die Behörden suchen aber auch interessierte Gastfamilien, die Flüchtlingskinder und –jugendliche aufnehmen könnten. Nach einem Infoabend mit 300 Interessierten im vergangenen Jahr, werden derzeit die ersten 25 für eine Aufnahme eines Kindes geschult, so Sozialbürgermeister Fabian.

Neue Gemeinschaftsunterkünfte in Leipzig

Mit Blick auf den wahrscheinlich anhaltenden Strom von Geflüchteten in den kommenden Jahren, plant Leipzig seine bestehenden Kapazitäten noch auszubauen. Insgesamt 5.358 zusätzliche Plätze sollen entstehen. Damit hätte die Messestadt spätestens 2017 insgesamt 9.500 Betten in Gemeinschaftsunterkünften. Der größte Teil, an insgesamt 19 verschiedenen Standorten, wird laut Plan bis Ende dieses Jahres fertig. Drei weitere folgen 2017. Neben einigen Wohnhäusern und ehemaligen Verwaltungsgebäuden, die temporär umgenutzt werden, stehen auch Zelte und Containerdörfer in der Ankündigung des Sozialbürgermeisters. Zudem soll an der Arno-Nitzsche-Straße ein kompletter Neubau entstehen.

Eröffnung neuer Unterkünfte 2016:

Januar: Gustav-Mahler-Straße (Wohnhaus) und Rosenowstraße (Verwaltungsgebäude)
Februar: Schomburgkstraße (Interim-Baumarkt), Blücherstraße (Wohnhaus)
März: Bernhardstraße (Wohnhaus), Theklaer Straße (Zelte)
April: Torgauer Straße (Containerdorf), Helenenstraße (Containerdorf)
Mai: Hainbuchenstraße (Interim-Schulgebäude), Torgauer Straße (Kaserne, wird saniert)
Juni: Prager Straße (Containerdorf), An den Tierkliniken (Containerdorf), Braunstraße (Containerdorf), Bornaische Straße (Wohnheim)
Juli: Händelstraße (Verwaltungsgebäude)
August: Karl-Heine-Straße (Interim-Schulgebäude)
September: Puschstraße (Messehalle 13), Waldstraße (Ex-Altenpflegeheim), Liliensteinstraße (Ex-Kita), Deiwitzweg (Ex-Kita)

Eröffnung neuer Unterkünfte 2017:

Januar: Stötteritzer Landstraße (Verwaltungsgebäude), Könneritzstraße (Wohnhaus)
Februar: Weißdornstraße (Gästehaus der Kommune)
September: Arno-Nitzsche-Straße (kompletter Neubau)

Verteilung der Flüchtlinge im gesamten Stadtgebiet

„Mit einer zunehmenden Zahl an genutzten Unterkünften für Geflüchtet kann eine gleichmäßige Verteilung in der Stadt erreicht werden“, heißt es zudem aus dem Neuen Rathaus. Der größte Teil der Unterkünfte (33 Prozent) wird aber auch nach dem Ausbau noch im Zentrum der Messestadt zu finden sein. Es folgen die östlichen Stadtteile mit 12,7 Prozent aller Flüchtlingsbetten, Alt-West mit 11,5 Prozent, West mit 9,9 Prozent und Südost mit 9,5 Prozent. Die wenigsten Asylbewerber werden auch 2017 noch in den nord- und südwestlichen Stadtteilen wohnen.

Von Matthias Puppe

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