Startseite LVZ
Volltextsuche über das Angebot:

Google+ Instagram YouTube
Flüchtlinge dürfen vorerst in der HTWK-Halle bleiben

Asylpolitik Flüchtlinge dürfen vorerst in der HTWK-Halle bleiben

Zumindest über das Wochenende dürfen die Flüchtlinge in der HTWK-Halle bleiben. Wie die Landesdirektion am Nachmittag mitteilte, solle niemend zum Umzug gezwungen werden. Am Abend gab es ein Willkommensfest in der Arno-Nitzsche-Straße.

Blick auf die HTWK-Halle am Freitagmorgen.

Quelle: Chrsitian Modla

Leipzig. Die HTWK-Halle in der Arno-Nitzsche-Straße bleibt belegt. Am späten Nachmittag ließ die Landesdirektion Sachsen verlauten, dass die Halle auch das Wochenende durch Flüchtlinge belegt bleiben könne. „Soweit diese Asylsuchenden nicht in die Ernst-Grube-Halle gebracht werden möchten, wird dies nicht mit Druck umgesetzt“, erklärte Sprecherin Jana Klein. Anfang der kommenden Woche solle nun über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Juliane Nagel, Stadträtin der Linken und Mitglied des Landtags, bezeichnete die Entscheidung gegenüber LVZ.de als „ganz passablen Erfolg der Zivilgesellschaft.“ Flüchtlinge dürften nicht dort untergebracht werden, wo sie der Gefahr von Angriffen ausgesetzt seien. Auch wenn die alternative Ausweichmöglichkeit in der Ernst-Grube-Halle sicher ist, „ist es ein Unterschied, ob 50 Menschen oder 450 Menschen in einer Halle leben.“

Am Abend feierten die Demonstranten gemeinsam mit Flüchtlingen vor der Sporthalle der HTWK ein Willkommensfest mit Live-Musik, Essen und Getränken.

Barrikadenbau vor dem Abtransport

Ursprünglich sollten am Freitag die letzten Flüchtlinge aus der HTWK-Turnhalle an der Arno-Nitzsche-Straße ausziehen. Einen entsprechenden Kompromiss hatte Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) am Dienstag Innenminister Markus Ulbig (CDU) abgerungen. Nachdem bereits 21 Bewohner in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Leipzig-Dölitz umgesiedelt sind, verharrten noch 30 Geflüchtete in der Halle – und wollen laut Infoportal „Refugees Welcome Leipzig“ nicht in die bereits mit 400 Menschen voll ausgelastete Ernst-Grube-Halle umziehen. Vor der HTWK-Halle wurden sie von 50 Connewitzer Anwohnern unterstützt, die einen Abtransport verhindern wollen.

„Es wurden Barrikaden aufgebaut, die wir inzwischen aber auch wieder abgebaut haben“, sagte Polizeisprecherin Katharina Geyer gegenüber LVZ.de. Zur Unterstützung der Kollegen vor Ort wurden Einsatzkräfte aus Borna angefordert. „Noch ist die Lage aber ruhig“, sagte Geyer.

Refugees Welcome: Flüchtlinge stellen Forderungen

Wie Toni Grün, Sprecher von Refugees Welcome Leipzig erklärte, hätten sich die verbliebenen Flüchtlinge am Donnerstag selbst ein Bild von Lage in der Ernst-Grube-Halle machen wollen. In die Halle hinein konnten sie zwar nicht, aber es wurden Gespräche mit den dortigen Bewohnern geführt: „Nach dem Besuch stand für die Geflüchteten fest, dass sie nicht in die EGH umziehen wollen, aufgrund der Bedingungen vor Ort. Angefangen mit mangelhaften hygienischen Zuständen über die Überfüllung der Unterkunft bis hin zur daraus resultierenden psychosozialen Belastung bot sich ein schockierendes Bild“, so Grün in einer Mitteilung.

Laut Grün haben die verbliebenen Flüchtlinge in der HTWK auch einen Forderungskatalog an Landesdirektion und Politik aufgestellt. Darin heißt es unter anderem: „Wir wollen nicht in die Ernst-Grube-Halle. Die dortigen Zustände sind abschreckend, ekelerregend und unwürdig. Wir wollen in eine bessere Unterkunft. Solange das nicht möglich ist, wollen wir hier in der HTWK-Turnhalle bleiben.“ Einige der verbliebenen Geflüchteten wollen in die Erstaufnahme nach Leipzig-Dölitz umziehen, andere nach Chemitz – jeweils, weil sich dort Freunde befinden.

200 bis 300 Flüchtlinke kommen jeden Tag in Sachsen an

„Wir haben die Pflicht, die Asylbewerber unterzubringen“, betonte sie. Man sei froh, ein Dach über dem Kopf und eine ordentliche Versorgung anbieten zu können. Jeden Tag kommen laut Landesdirektion 200 bis 300 weitere Flüchtlinge nach Sachsen. Nach heutigem Stand soll am Wochenende kein weiteres Objekt in Leipzig belegt werden. „Wie es morgen aussieht, kann ich nicht sagen“, so Klein.

Ursprünglich sollten die Asylsuchenden die Sporthalle schon am Montag verlassen und nach Heidenau verlegt werden. Das hatten mehrere hundert Unterstützer vor der Halle allerdings verhindert. Am Dienstagnachmittag war als Kompromiss ausgehandelt worden, dass die Flüchtlinge bis Freitag bleiben dürfen und ihnen als Alternative eine Unterkunft in Leipzig angeboten wird.

Evelyn ter Vehn / Matthias Puppe /Johannes Angermann

51.31008 12.383498
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Asylnotunterkunft
Die Untersützer der Flüchtlinge gaben am Mittwoch bekannt, dass sie ihr Protestcamp auflösen wollen. Zuvor waren die verbliebenen Asylbewerber in die Friederikenstraße umgezogen.

Die Asylbewerber in der baufälligen HTWK-Turnhalle sind am Mittwoch in das ehemalige Lehrlingsheim in der Friederikenstraße umgezogen. Die Unterstützer der Flüchtlinge begrüßten den Schritt und kündigten die Auflösung ihres Protestcamps an.

mehr
Mehr aus Flüchtlinge in Leipzig
  • So geht Familie
    So geht Familie: Die Serie für Familien in Leipzig

    Die LVZ-Serie mit Tipps und Informationen für Leipziger Familien. Jetzt neu: Anlaufstellen für Familien in Notlagen.  mehr

  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Sehen Sie hier einen Rückblick auf das LVZ Sommerkino im Scheibenholz vom 14. Juli - 3. August 2016. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

  • Leipzig Live
    Leipzig Live

    Kino, Konzerte, Theater in Leipzig: Mehr als 20.000 Termine im Veranstaltungskalender der Leipziger Volkszeitung. mehr

  • Schlingel - Familienmagazin
    Schlingel - Das Familienmagazin der LVZ

    Das Familienmagazin der LVZ. Wir richten uns an Eltern und Kinder, die in Leipzig und Umgebung zu Hause sind. Ihnen möchten wir ein nützlicher, unt... mehr

  • Finerio
    finerio

    Das Genussportal für Leipzig mit allen Restaurants, Cafés und Kneipen, dazu Events, Aktionen und interessante Infos rund ums Thema Essen und Trinken. mehr