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Flüchtlingskinder: US-Bildungsexpertin berät Schulleiter in Leipzig

Erfolgsmodell Integration Flüchtlingskinder: US-Bildungsexpertin berät Schulleiter in Leipzig

Immer mehr Flüchtlinge in Leipzig – das stellt auch Lehrer vor große Herausforderungen. US-Bildungsexpertin Marguerite Lukes spricht mit Schulleitern über ihre Erfahrungen aus 25 Jahren Arbeit mit Migranten.

Die New Yorker Bildungsexpertin Marguerite Lukes war zu Gast in Leipzig.

Quelle: Leipzig report / privat

Leipzig. Mit der wachsenden Zahl der Asylbewerber kommen auch immer mehr Flüchtlingskinder nach Leipzig. Sobald sie der Stadt Leipzig zugeordnet sind, könnte die Integration beginnen - die Kinder haben ein Recht auf Schulunterricht. Auch für Leipzig ist das eine Mammutaufgabe: Mehr als 700 junge Flüchtlinge und Migranten lernen in der Stadt derzeit in "Deutsch als Zweitsprache"-Klassen an 31 Schulen, so die Bildungsagentur. 

"Wir stellen uns darauf ein, dass immer mehr Kinder auch eine schwierige Fluchtgeschichte mitbringen", so Bildungsagentur-Sprecher Roman Schulz. Was ist nötig, um Flüchtlings- und Migrantenkinder in der Stadt heimisch zu machen, um sogar einen Gewinn für die Schule, für die Gesellschaft aus der Herausforderung zu ziehen? Wie lösen andere Länder diese Herausforderung? 

Sprachunterricht allein genügt nicht 

Im Leipziger US-Konsulat nutzten Schulleiter in dieser Woche die Gelegenheit für einen Blick über den Tellerrand: Die New Yorker Bildungsexpertin Marguerite Lukes (52) vom US-Modellprojekt "Internationales Netzwerk öffentlicher Schulen" berichtete von ihren Erkenntnissen aus 25 Jahren Arbeit mit Migranten. Auch in Dresden und Magdeburg stellte sie ihre Ergebnisse aus der Entwicklung von Schul- und Integrationsprogrammen einem Fachpublikum vor. 

Im Vorfeld der Leipziger Schulleiter-Runde schilderte Lukes gegenüber LVZ.de, wie Modellschulen Kinder für das Leben im neuen Land fit machen. "Die Schulen sind die Orte, in denen die Kinder die Sprache lernen, an denen sie eine Ausbildung bekommen, und wo sich auch ihre soziale und emotionale Entwicklung vollzieht", sagte sie. Wichtigste Erfahrung der Bildungsexpertin und Buchautorin: Diese drei Aspekte lassen sich nicht trennen. "Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir diese drei Felder gleichzeitig angehen", erklärte Lukes. 

In der Praxis zahlreicher amerikanischer Schulen heißt das zum Beispiel: Sprache und Wissen werden nicht getrennt. "Die Lehrer mischen den Sprach- und Fachunterricht", so Lukes. Im Fach Biologie etwa erarbeiten sich die Kinder Vokabeln, die sie für das Verständnis des Lernstoffs brauchen, lernen viel über Experimente und Projekte. Auch für andere Fächer sei das wichtig: "Es nützt nichts, wenn die Kinder Sprachunterricht haben und dann in den Mathematik-Unterricht geschickt werden", so ihre Erfahrung. Der Stoff werde nicht verstanden, Schulprobleme sind so vorprogammiert. 

Lehrer stärker unterstützen

Um die emotionale Entwicklung zu fördern, werden die Lehrer in den betroffenen Grund- und weiterführenden Schulen in den USA durch Sozialarbeiter unterstützt. "Und auch die Lehrer brauchen viel Unterstützung und Weiterbildung", bestätigte Lukes. Ansonsten werde die Herausforderung schnell zu einer Überforderung. Geld spiele eine Rolle, um all das realisieren zu können, räumte sie ein. Wie in Amerika in vielen Bereichen üblich, setzen die Schulen auf Partnerschaften mit Unternehmen, die Projekte sponsern oder mit Know-How die Bildung und Ausbildung der Migranten fördern.

Eine große Rolle spiele außerdem das ehrenamtliche Engagement, schilderte die Bildungsexpertin. "Es ist wichtig, dass Migranten als Gleichwertige am öffentlichen Leben einer Gemeinde teilnehmen können", sagte Lukes. Deshalb gehöre es zum Konzept, kulturelle Gruppen und verschiedene Initiativen so bald wie möglich in die Integration der Flüchtlinge und Migranten mit einzubeziehen.

„Die Welt ist nicht einfarbig“

Stolperstein auf dem Weg zur Integration: Die Kinder über den Schulunterricht integrieren, die Erwachsenen außen vor lassen. "Bei uns gibt es das Programm 'Even Start', bei dem die Eltern ihre Kinder zur Schule bringen, und dann gleich selbst unterrichtet werden", sagte sie. Auch dabei geht es nicht nur um Sprachkurse. "Die Eltern erfahren, wie das Schulsystem funktioniert, was die Noten bedeuten und wie man ein Gespräch mit dem Lehrer führt, wenn es hakt", erklärte sie.

Vor allem brauche es aber eine Schulkultur, die Lehrern und Schülern Freiräume eröffne, etwas auszuprobieren. Die Richtung, die Lukes aufzeichnet, ist klar: Integration bedeutet mehr als eine freundliche Umarmung bei der Ankunft. Die Neuankömmlinge sollen und müssen irgendwann eigenständig und auf Augenhöhe agieren können - in der Schule, am Arbeitsplatz, im Alltag. "Dann können wir alle davon profitieren", ist Lukes sicher. Für die Schule sieht sie das ganz unmittelbar: "Wir bereiten unsere Kinder auf ihre Zukunft vor, auf das Leben in einer globalen Welt. Die Welt ist nicht nur einfarbig."

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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