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Für mehr Verständnis - Deutschkurse für Flüchtlinge in Leipzig

Asylbewerber Für mehr Verständnis - Deutschkurse für Flüchtlinge in Leipzig

Mittwochmorgen, ein Raum im Leipziger Osten: Wo sonst Umschulungen oder Kurse für Informatik stattfinden, gibt es seit Mai einmal die Woche ein Angebot speziell für Flüchtlinge - Deutschkurse.

Deutschunterricht für Flüchtlinge im CiT in der Lutherstraße 10 in Leipzig. Katharina Köckritz unterrichtet Asylbewerber.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ein junger Mann guckt noch mal auf den Satz, der auf der Tafel steht: „Ich heiße Aiman. Ich bin 32 Jahr alt“, sagt er dann. „Wie heißt du?“ Die Frage ist an seinen Sitznachbarn gerichtet. Es geht reihum. „Bei Fragen müsst Ihr die Stimme heben“, erinnert Katharina Köckritz. Mit ihrer Hand deutet sie nach oben. Unterstreicht ihren Hinweis mit Gestik.

Es ist Mittwochmorgen. Ein Raum im Cit-Institut für angewandte Informatik im Leipziger Osten. Wo sonst Umschulungen oder Kurse für Informatik stattfinden, gibt es seit Mai einmal die Woche ein Angebot speziell für Flüchtlinge: Deutschkurse.

Zehn bis 15 Asylbewerber kommen dann in das Institut in der Lutherstraße. Ihre Herkunftsländer zeugen von den ungelösten Konflikten und Problemen auf der Welt: Aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien, aber auch aus dem Kosovo und Indien kommen sie. Sie alle suchen eine Zukunft in der Bundesrepublik und haben momentan vor allem ein Ziel: Deutsch lernen.

„Die Motivation bei den Flüchtlingen ist unglaublich hoch“, erzählt Katharina Köckritz, die Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Neben dem Mittwochskurs für Männer fährt sie noch einmal die Woche in die dezentrale Unterkunft in der Wilhelminenstraße. Dort übt sie mit Frauen, von denen viele auch Kinder haben. Einen weiteren Deutschkurs gibt sie in Espenhain. Das Besondere daran: Das Cit-Institut finanziert alles auf eigene Rechnung. Die Kurse sind für die Asylbewerber kostenlos.

„Anfang des Jahres hatten wir im Kollegenkreis Sachspenden für Flüchtlinge gesammelt“, erinnert sich Fachbereichsleiter Markus Jäger. „Doch dann dachten wir, dass es damit nicht getan ist.“ Sie nahmen Kontakt zum Hilfsverein Pandechaion auf und luden die Asylbewerber zu ihrem wöchentlichen Fußballtraining ein. Später kam ihnen die Idee mit den Deutschkursen. Die begannen im Mai und sollten eigentlich nur bis Ende Juni gehen, doch die Nachfrage war größer als erwartet. Jetzt geht es erstmal weiter bis Ende des Jahres.

Das Institut stößt mit den Deutschkursen in eine Lücke. Denn die Asylbewerber konnten zwar schon einen kurzen Sprachkurs besuchen. Da sie noch keine endgültige Aufenthaltserlaubnis besitzen, können sie aber noch nicht an weiterführenden Kursen teilnehmen. Wie so oft in diesen Tagen springen private Initiativen ein.

Aiman Horaira ist seit einigen Wochen dabei. Seit vier Monaten ist der 32-jährige Syrer mit seiner Familie in Deutschland. Eigentlich kommt er aus Homs, der drittgrößten Stadt des Landes. Mit seiner Frau und ihrem einjährigen Kind flohen sie wie viele andere über die Türkei nach Griechenland und über den Balkan in die Bundesrepublik. Er ist überglücklich, jetzt in Deutschland zu sein und hochmotiviert, die Sprache zu lernen. Um einen Job zu finden und sich zu integrieren, müsse er sich verständigen können, sagt er – momentan noch auf Englisch. Auch seine Frau lernt Deutsch, ebenfalls bei Katharina Köckritz.

Die Deutschlehrerin hat in der Zwischenzeit die Symbole für die beiden Geschlechter an die Tafel gemalt. Daneben stehen Wörter wie Sohn, Vater, Mutter oder Frau. Die sollen die Flüchtlinge jetzt zuordnen, es klappt schon ganz gut. Etwas anderes hingegen müssen die jungen Männer noch lernen. Auch nach Unterrichtsbeginn geht immer wieder die Tür auf. „Pünktlichkeit müssen sie eben auch noch lernen“, sagt Köckritz lachend und wendet sich wieder ihrer Klasse zu.

Lucas Grothe

Lutherstraße 10, Leipzig 51.3448 12.39578
Lutherstraße 10, Leipzig
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