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Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Sachsen ist weiter ungebrochen

Willkommenskultur Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge in Sachsen ist weiter ungebrochen

Die Ereignisse der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof erschweren die Arbeit der Flüchtlingshelfer. Selbst in Bekanntenkreisen oder in der Familie müssen sie sich bisweilen verteidigen. Dennoch geht die Hilfe weiter.

Spendenannahme bei den Johannitern in Leipzig. (Archivfoto)
 

Quelle: Kempner

Dresden.  Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge ist in Sachsen auch nach den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof ungebrochen. Dennoch ist die Arbeit der Helfer danach teilweise schwieriger geworden, ergab eine Umfrage. „Der Ton hat sich eindeutig verschärft“, sagt Sonja Brogiato vom Flüchtlingsrat Leipzig. „Es ist jetzt schwerer, etwa Verwandten, Freunden und Kollegen zu erklären, warum wir freiwillig Flüchtlingen helfen.“ In der Silvesternacht sollen Gruppen von Männern vor allem nordafrikanischer Herkunft Frauen umzingelt, bestohlen und sexuell bedrängt haben. Die Zahl der Strafanzeigen geht in die Hunderte.

„Ich bin sehr dankbar, dass sich viele Menschen so solidarisch und mitmenschlich zeigen“, erklärte Integrationsministerin Petra Köpping (SPD). Sorgen bereiteten ihr die Anfeindungen, denen die Helfer teilweise ausgesetzt seien. „Dagegen werden wir mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorgehen“, versprach sie. Laut Innenministerium kamen 2015 rund 69.500 Menschen vor allem aus Syrien, Afghanistan, Irak, Pakistan, Albanien, Kosovo und Libyen nach Sachsen. Im Jahr davor waren es nur 11.768. Wie viele Menschen und Vereine den Flüchtlingen helfen, sich einzuleben, weiß niemand genau.

Allein in Dresden, dem Zentrum der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung, gibt es laut Stadtverwaltung rund 10.000 ehrenamtliche Helfer. Davon sei etwa jeder zweite regelmäßig als Flüchtlings-Pate oder Leiter von Sprachkursen unterwegs. Es hätten sich mehr als 20 Willkommensbündnisse gegründet. Beim Ehrenamtskoordinator gingen täglich rund 30 bis 40 Anfragen zur Übernahme von Patenschaften für Flüchtlinge oder anderen ehrenamtlichen Aufgaben ein. Dem Sozialamt sei nicht bekannt, dass sich durch die Kölner Ereignisse etwas daran geändert habe. „Köln hat uns geschockt“, räumt die Chefin des Vereins „Dresden - Place to be“, Elisabeth Ehninger, ein. „Das ging gegen unsere Werte.“ Aber gerade deshalb sei es wichtig, Flüchtlinge zu integrieren.

Der Verein hatte im Januar vergangenen Jahres ein Open-Air-Konzert für Weltoffenheit mit vielen prominenten Künstlern auf dem Neumarkt vor der Frauenkirche organisiert. Zehntausende Zuhörer waren damals gekommen. Der Verein kümmert sich eigentlich um ausländische Wissenschaftler und Fachleute und will ihnen das Leben erleichtern. Pegida wirke dem genau entgegen, sagt Ehninger. Das Konzert sei ein Aufschrei gegen Pegida gewesen.“ Jetzt organisiert der Verein unter anderem Treffen mit Flüchtlingen, vermittelt Patenschaften, Sprachkurse und versucht Flüchtlingen zu helfen, die studieren wollen.

Am 18. Februar wird dem Verein in Berlin der mit 20.000 Euro dotierte Bürgerpreis der Deutschen Zeitungsverleger übergeben. Mit der Auszeichnung solle das Engagement Ehningers und ihrer Mitstreiter für eine Willkommenskultur in Dresden gewürdigt werden, hieß es. Die Laudation hält Innenminister Thomas de Maiziere (CDU). In Leipzig organisiert der Flüchtlingsrat unter anderem Deutsch-Kurse und Patenschaften. Zudem hilft er bei Arzt- oder Behördengängen, der Betreuung von Flüchtlingskindern oder beim Herrichten von Wohnungen. „Die Flüchtlinge waren wegen der Kölner Ereignisse selbst total entsetzt und empört“, sagt Brogiato. Einige hätten spontan bei der Präventionsarbeit mitmachen wollen, um Neuankömmlingen aus Nordafrika klar zu machen, was hier gehe und was nicht.

Von LVZ

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