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Projekte des Flüchtlingsrates in Leipzig unter neuem Dach

Integrationsarbeit Projekte des Flüchtlingsrates in Leipzig unter neuem Dach

Das Patenschaftsprogramm und die Beratungsstelle des Flüchtlingsrates haben im Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter ein neues Zuhause gefunden.

Blick in die neue Beratungsstelle im Campus West, Prager Straße 38.

Quelle: Matthias Puppe

Leipzig. Drei Monate nach der Insolvenz des Flüchtlingsrates läuft die Projektarbeit der Leipziger Integrationshelfer wieder auf Hochtouren – allerdings bei einem neuen Träger und an einem neuen Ort. Das Bildungsinstitut Mitteldeutschland der Johanniter, beheimatet im Dachgeschoss der Prager Straße 38 (Campus West), verantwortet nun einen Großteil der Leistungen. „Konkret wurden zwei Projekte des Flüchtlingsrates übernommen: Das Patenschaftsprogramm und die Beratungsstelle für dezentral wohnende Asylbewerber und Geduldete“, sagte die Teamverantwortlich Jana Goldberg.

Beim Patenschaftsprogramms werden interessierte Leipziger mit Geflüchteten zusammengeführt, damit sich letztere im Alltag der Messestadt besser zurechtfinden können und leichter Zugang zur Stadtgesellschaft erhalten. Mehr als 800 solcher interkultureller Freundschaften konnten es in den vergangenen zwei Jahren schon vermittelt werden, Tendenz weiter steigend. Die Beratungsstelle wendet sich dagegen nur an Flüchtlinge, die den Schritt aus den Gemeinschaftsunterkünften geschafft haben, über deren Asylantrag aber noch nicht entschieden wurde. „Wir beraten die Menschen die zu uns kommen bei sozialen und wirtschaftlichen Problemen, helfen ihnen bei der Kommunikation mit Ämtern, übersetzen Behördenbriefe – im Prinzip alles, was die Sozialarbeiter zuvor in den Flüchtlingsunterkünften auch gemacht haben“, so Goldberg weiter.

Mitarbeiter wurden übernommen

In beiden Projekten arbeiten insgesamt sieben hauptamtliche Mitarbeiter – alles erfahrene Kräfte, die schon beim Flüchtlingsrat dabei waren. „Als es hieß, der Flüchtlingsrat sei insolvent, war ich sehr betroffen – weil das Engagement einfach sehr wichtig für Leipzig war. Wir wussten das aus vielen bisherigen Kontakten. Uns war schnell klar, dass wir die Arbeit erhalten und die Mitarbeiter weiter beschäftigt werden müssen“, so Bildungsinstitutschef Lars Menzel. Unbestritten sei ohnehin, dass die Kollegen beim Flüchtlingsrat hervorragende Integrations-Arbeit geleistet haben, im sozialen Bereich auch viel über persönliche Kontakte läuft: „Es geht in vielen Fällen vor allem auch um Vertrauen. Die Menschen, die zu uns kommen, suchen Hilfe und wenn sie merken, dass wir helfen können, sind bekannte und kompetente Menschen sehr wichtig“, sagt Menzel.

Dass der Flüchtlingsrat zuletzt in Schieflage geriet, hatte strukturelle Gründe. Bei der zumeist ehrenamtlichen und im Herbst 2015 auch von Improvisation bestimmten Integrationsarbeit blieb die Administration auf der Strecke. Im Frühjahr 2017 konnte der Flüchtlingsrat bei der Kommune nicht detailliert belegen, wie Zuschüsse konkret verwendet worden waren. Die Stadt Leipzig ließ den Geldhahn zudrehen, Ende Mai meldete der Flüchtlingsrat Insolvenz an.

Neue administrative Strukturen

„Gut gemeint und gut gemacht sind häufig zwei verschiedene Paar Schuhe. Man muss eben parallel auch administrative Strukturen schaffen und daran ist der Flüchtlingsrat gescheitert“, sagt Menzel und fügt an: „Wir bringen jetzt die Erfahrung, aber auch den Apparat mit ein, der sowas leisten kann. Und wir sind uns bewusst, dass sehr genau darauf geschaut wird, wie wir das machen.“

Seit Anfang August verantwortet der Chef des Bildungsinstituts die Integrationsarbeit bei Patenschaftsprojekt und Beratungsstelle, inzwischen ist in den hellen Büroräumen im Dachgeschoss der Prager Straße 38 der Alltag eingezogen – der sich allerdings nicht mehr ganz so quirlig und improvisiert wie früher anfühlt. Anstatt den großen Andrang im Warteraum zu verarbeiten, wie es beim Flüchtlingsrat immer der Fall war, gibt es heute Gesprächstermine in der Beratungsstelle nur mit vorheriger Vereinbarung. Diese kann am Telefon (0341/308 535 20), per Mail ( integrationsberatung.akademie@johanniter.de) oder auch vor Ort gemacht werden, sagt Goldberg.

Passgenaues Patenschaftsprogramm

Auf demselben Weg können sich auch Interessierte für das erfolgreiche Patenschaftsprogramm melden. „Der Wille zur Integration ist bei vielen sehr groß. Sie kommen zu uns, häufig auch durch Mund-zu-Mund-Propaganda, um am Patenschaftsprogramm teilnehmen zu können, fragen aber auch gezielt nach Ausbildungsmöglichkeiten“, erklärt die Fachbereichsleiterin.

In einer Datenbank werden alle Hilfsangebote der Leipziger Paten erfasst, auch spezielle Möglichkeiten wie beispielsweise Fremdsprachen oder frühere Tätigkeiten als Lehrer, um dann sehr genau nach passenden Konstellationen suchen zu können. „Wir versuchen die Menschen nach deren gegenseitiger Interessenlage möglichst passgenau zusammen zu führen, geben hilfreiche Tipps und unterstützen bei Problemen. Zudem bieten wir einen Kulturnewsletter, in dem jede Wochen Karten für Sport- und Kulturveranstaltungen zur Verfügung gestellt werden, welche die Paten gemeinsam besuchen können“, sagt Goldberg. So kann es beispielsweise für die Paten und Flüchtlinge an Wochenende zum Fußball zur BSG Chemie Leipzig gehen oder zu Aufführungen ins Theater der Jungen Welt, ins Schauspiel Leipzig oder ins Sinfoniekonzert mit dem MDR-Orchester.

Mehr zu den Integrationsprojekten: www.bildungsinstitut-mitteldeutschland.de

Direkter Kontakt zum Patenschaftsprogramm: 0341/308 535 10,  Patenschaftsprogramm.akademie@johanniter.de

Von Matthias Puppe

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