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Kickerhalle in Leipzig-Plagwitz für Flüchtlinge bezugsfertig

Nächste Erstaufnahme Kickerhalle in Leipzig-Plagwitz für Flüchtlinge bezugsfertig

Im Westen Leipzigs, in einer ehemaligen Fußballhalle, werden ab sofort bis zu 439 Flüchtlinge erstuntergebracht. Bevor die Bewohner in den nächsten Tag einziehen, konnten sich am Donnerstag bereits Anwohner ein Bild von der Situation machen.

Mitarbeiter der Johanniter montierten am Donnerstag die letzten Klappbetten in der Halle.

Quelle: Kempner

Leipzig. Im Stadtteil Plagwitz ist am Donnerstag die inzwischen siebente Erstaufnahme für Flüchtlinge in der Messestadt in Betrieb gegangen. In den kommenden Tagen und Wochen sollen in der früheren LE Kickerhalle (Markranstädter Straße 8a) bis zu 439 Asylbewerber aufgenommen werden, erklärte Peter Darmstadt, Leiter der zentralen Ausländerbehörde im Freistaat. Wann die ersten Bewohner kommen, ist noch unklar. Dafür konnten sich am Donnerstagnachmittag erst einmal die Plagwitzer Nachbarn ein Bild von den Bedingungen im Gebäude machen.

Die frühere Fußballhalle wurde mit Hilfe von mobilen Sichtschutzwänden in 49 einzelne Zimmer unterteilt. Fenster gibt es nicht, aber durch den Industrieanstrich wirkt alles vergleichsweise hell. „Die Bedingungen hier sind weitaus besser, als in den anderen Einrichtungen“, sagte Johanniter-Regionalvorstand Wieland Keller. Es ist inzwischen die vierte Flüchtlingsunterkunft in der Messestadt, die vom Sozialdienstleister übernommen wurde. Im Vergleich zur ersten in der Ernst-Grube-Halle, in der Hunderte Menschen in einem großen Raum schlafen, sind die Bedingungen in der LE Kickerhalle zweifellos ein Sprung nach vorn.

Im Stadtteil Plagwitz ist am Donnerstag die inzwischen siebente Erstaufnahme für Flüchtlinge in der Messestadt in Betrieb gegangen. In den kommenden Tagen und Wochen sollen in der früheren LE Kickerhalle (Markranstädter Straße 8a) bis zu 439 Asylbewerber aufgenommen werden.

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Die kleinsten der temporären Räume sind etwa 35 Quadratmeter groß, andere bieten mehr Platz. Vor dem Einzug der Flüchtlinge stehen acht, zehn oder 15 Klappliegen darin. „Das kann sich aber noch ändern – je nachdem, wie groß die Familien sind und es individuell gebraucht wird“, erklärte Tobias Wiemer, verantwortlicher Johanniter vor Ort. Die Temperatur in der früheren Fußballerhalle soll konstant bei 20 Grad gehalten werden, die Wärme kommt dabei aus dem hauseigenen Heizraum.

Asylbewerber als Wirtschaftsfaktor

Im Gebäude gibt es zudem auch einen Aufenthaltsraum – beispielsweise für Sprachkurse, zum Tee trinken oder verweilen. Auf dem Innenhof stehen ein großes Essenszelt und jeweils zwei Container mit Duschen und Toiletten für Frauen und Männer. „Da kommt demnächst noch jeweils ein dritter dazu“, sagt Johanniter-Vorstand Keller. Engpässe bei der Beschaffung der Container können inzwischen Dank internationaler Zusammenarbeit überwunden werden, sagt Ausländerbehördenchef Darmstadt.

Das Essen wird täglich von einem Leipziger Cateringunternehmen geliefert, für die Sicherheit vor und im Gebäude sollen täglich 16 Mitarbeiter der Rainbow Security sorgen. „Asylbewerber sind passiv auch ein Wirtschaftsfaktor“, ergänzt Peter Darmstadt im Namen des Freistaates.

Die Johanniter selbst bieten 25 Hauptamtliche im Schichtsystem auf, die sich um die grundlegende Betreuung der Flüchtlinge kümmern: Essensausgabe, medizinische und soziale Betreuung. Zudem helfen täglich noch fünf bis zehn Ehrenamtliche. „Die kommen vom Flüchtlingsrat oder aus dem privaten Umfeld unserer Mitarbeiter“, sagt Johanniter-Vorstand Keller.

Leichte Entspannung bei den Flüchtlingszahlen

Die LE Kickerhall werde in diesem Jahr die letzte Erstaufnahme mit festem Dach sein, sagt der Chef der Ausländerbehörde. Danach werden nur noch Aufnahmen mit Leichtbauhallen in Betrieb genommen - so wie kommende Woche in der größten sächsischen Erstaufnahme auf dem Neuen Messegelände. „Zuletzt waren die Flüchtlingszahlen aus Bayern auch rückläufig. Gestern kamen 200 in Sachsen an, heute sind es aber schon wieder 500“, so Darmstadt am Donnerstag. Mit seinen insgesamt 17.000 Erstaufnahme-Plätzen verfüge der Freistaat deshalb noch über Reserven. „Die werden wir erst einmal nutzen, bevor noch neue Unterbringungen benötigt werden“, sagte Darmstadt.

Auch wenn der Unterbringungsdruck immer noch hoch sei, bietet die leichte Entspannung auch bei anderen administrativen Aufgaben nachzuholen. „Bis auf wenige Hundert sind praktisch alle Asylbewerber erfasst und untersucht“, so der Behördenchef. Trotz noch bestehender Dunkelziffer gebe es aber keinen Grund, sich zu sorgen. „Der Erkrankungsstand der Flüchtlinge ist nicht schlechter, als bei der Wohnbevölkerung rings herum. Bei den Syrern ist er sogar besser, als bei der ehemaligen DDR-Bevölkerung“, so Darmstadt weiter. Das betreffe auch Infektionskrankheiten. Allerdings bestehe in Erstaufnahmen aufgrund des engen Raums, in dem die Flüchtlinge dort miteinander leben müssen, auch immer die Gefahr von vielfacher Grippeerkrankung.

Von Matthias Puppe

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