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Leipzig feilt am Asyl-Konzept für Interpelz-Hochhaus – Sicherheitsprüfung

Mehr Privatsphäre für Flüchtlinge Leipzig feilt am Asyl-Konzept für Interpelz-Hochhaus – Sicherheitsprüfung

Im Neuen Rathaus laufen intensive Vorbereitungen für die neue Gemeinschaftsunterkunft im ehemaligen Interpelz-Hochhaus mitten in der Leipziger Innenstadt. Kommune und Flüchtlingsrat unterstreichen die Vorteile, die Polizei feilt am Sicherheitskonzept.

Im ehemaligen Interpelz-Hochhaus sollen Ende Oktober 500 Flüchtlinge einziehen.
 

Quelle: Kempner

Leipzig.  Im ehemaligen Interpelz-Hochhaus in der Leipziger Innenstadt werden voraussichtlich noch in diesem Monat mehr als 500 Flüchtlinge einziehen. Das bestätigte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Mittwoch gegenüber LVZ.de. Derzeit berät die Stadtverwaltung unter anderem mit der Polizei ein entsprechendes Sicherheitskonzept. „Die Lage zentral in der Innenstadt ist eine völlige andere als bei vergleichbaren Unterkünften“, beschrieb Polizeisprecher Andreas Loepki die Herausforderung. Für Flüchtlingshelfer und Kommune überwiegen mit Blick auf den nahenden Winter vor allem die Vorteile.

„Das wichtigste Gebot der Stunde heißt: Ein festes Dach über dem Kopf – als Mindeststandard warm, sauber, trocken. Es ist deshalb erst einmal großartig, wenn mit dem Gebäude am Brühl eine Zeltlösung umgangen werden kann“, sagte Sonja Brogiato, Sprecherin des Flüchtlingsrates. Dem pflichtete Bürgermeister Fabian bei: „Ich bin sehr froh über das Angebot, dieses Gebäude über den Winter sechs Monate lang nutzen zu können.“ Der Mietvertrag mit dem Immobilieneigner Stadtbau AG sei zwar noch nicht unterschrieben, Fabian geht aber fest davon aus, dass das Gebäude Ende Oktober bezogen werden kann.

Polizei: Bauliche Abtrennung ist Herausforderung

Derzeit müssten noch einige bauliche Fragen geprüft und ein Betreiber gefunden werden. Laut Sozialdezernent sollen in der Notunterkunft die Leipziger Standards für soziale Flüchtlingsbetreuung gelten. Darüber hinaus werden im Neuen Rathaus auch Gespräche zur Absicherung geführt. Laut Polizeisprecher Loepki sei die bauliche Abtrennung der Gemeinschaftsunterkunft eine Herausforderung. „Mögliche Protestaktionen vor dem Gebäude müssen dabei auch bedacht werden“, sagte Loepki. Und nicht zuletzt ist das ehemalige Bürogebäude strukturell anders als die Notunterkünfte des Freistaates. „Bei Problemen in Flüchtlingshallen können wir uns schnell einen Überblick verschaffen. Das Gebäude am Brühl ist dagegen eher verwinkelt“, so der Polizeisprecher weiter.

Für Sonja Brogiato liegt in der Struktur dagegen ein großer Vorteil. „Das Gebäude bietet mehr Privatsphäre als Zelte oder Turnhallen. Die Druckverhältnisse sind damit deutlich entspannter“, so die Flüchtlingsratsprecherin mit Blick auf die Konflikte in Massenunterkünften. Bürgermeister Thomas Fabian streicht zudem die Lage mitten in der City als Pluspunkt heraus: „Ich halte es für ein gutes Zeichen, so ein Objekt inmitten der Stadt zu haben.“ Wer Flüchtlinge unterstützen will, habe damit kurze Wege, so Fabian. Sonja Brogiato berichtet, dass dem Flüchtlingsrat bereits Räume in der Hainstraße angeboten wurden, „etwa für Deutschkurse und zur Erstorientierung im Regelwerk der Stadtgesellschaft.“ Auch die Nähe zu den Kirchgemeinden der Innenstadt sei ein großer Vorteil. „Die sind grundsätzlich sehr positiv eingestellt und werden mit Sicherheit weitere Infrastruktur anbieten“, sagte Brogiato.

Fabian: Schwierigkeiten müssen gelöst werden

Ein Standort in der City zeige zudem, was nicht zu verhehlen sei: „Die Flüchtlinge sind hier, sie leben mitten unter uns. Wie wir mit dieser Tatsache umgehen, wie wir diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewältigen, stellt die Weichen für die Zukunft der Flüchtlinge und für unsere eigene“, sagt Brogiato. Bürgermeister Fabian hält Skeptikern der Unterbringung in der City entgegen: „Schwierigkeiten müssen gelöst werden.“ Man dürfe jetzt nicht aufgeregt sein.

Aufgeregt war zuletzt unter anderem CDU-Stadtrat Steffen Georgi. Der befürchtet Konflikte auch angesichts des Weihnachtsmarktes vor der Unterkunftstür. „Wir Leipziger feiern dort das höchste christliche Fest und nebenan werden überwiegend Muslime einquartiert, die alles verloren haben“, so Georgi am Dienstag gegenüber der LVZ. Brogiato hat dafür nur ein müdes Lächeln übrig: „Den Weihnachtsmarkt halte ich selbst aus religiösen Gründen für sehr bedenklich. Kitsch, Kommerz und Coca-Cola-Werbung mit roter Zipfelmütze in der Fastenzeit Advent empfinde ich als blasphemisch“, sagte die Katholikin und fügte an: „Mit dem Flüchtlingsheim nebenan können die Retter des Abendlandes dann zumindest die Herbergssuche als Live-Event sowie Maria und Josef in Originalkostümen sehen.“

Nach Angaben von Sozialbürgermeister Fabian werde die Unterbringung im Interpelz-Hochhaus definitiv bis zum April 2016 begrenzt. Wohin die Bewohner danach umziehen können, ist bisher noch offen. „Wahrscheinlich ist, dass dann zum Beispiel schon die Container-Unterkunft an der Alten Messe genutzt werden kann“, sagte der Sozialdemokrat.

Von Evelyn ter Vehn / Matthias Puppe

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