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Leipziger Messehalle: Erste Flüchtlinge kommen am Abend aus Chemnitz

Asyl in der Messestadt Leipziger Messehalle: Erste Flüchtlinge kommen am Abend aus Chemnitz

Die Messehalle 4 auf dem Gelände der Neuen Messe wird ab Dienstag zur größten Flüchtlingsunterkunft in der Messestadt. Bis zu 2000 Menschen sollen hier zuammen leben. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums werden am Abend die ersten Bewohner erwartet.

Vorbereitungen auf der Neuen Messe.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Viele Fragen sind offen, klar ist aber: Noch am Dienstag werden die ersten Flüchtlinge in die Messehalle 4 im Leipziger Norden einziehen. „Wie viele Menschen tatsächlich kommen ist unklar“, sagte Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen gegenüber LVZ.de. Die Unterkunft könne schon am ersten Tag bis zu 250 Flüchtlinge aufnehmen. Die ersten Busse werden nach jetzigem Stand gegen 22 Uhr erwartet. Laut Felber kommen die Asylbewerber aus der Erstaufnahmeeinrichtung Chemnitz. Aus welchen Ländern sie stammen, lasse sich derzeit nicht sagen. „In der Vergangenheit kam die größte Gruppe aber stets aus Syrien“, so der Sprecher.

Am Montag war bekannt geworden, dass das Ausstellungsgebäude auf der Neuen Messe umfunktioniert wird. Bis zu 2000 Menschen sollen in der Halle ein Dach über den Kopf bekommen. Innenminister Markus Ulbig (CDU) dankte der Stadt Leipzig und der Messegesellschaft für die schnelle Lösung. Messe-Sprecher Steffen Jantz sagte, die Halle 4 könne bis Mitte Dezember zur Verfügung gestellt werden, ohne dass Veranstaltungen beeinträchtigt würden.

Laut Felber dürfen die Flüchtlinge höchstens ein Vierteljahr in der Notbehausung leben und müssten anschließend weiter auf die Städte und Landkreise verteilt werden. In der Regel erfolge das aber schon früher. Vorrang hätten Familien mit Kindern. Für sie suche die Behörde eine Unterkunft wie an der Friederikenstraße in Leipzig oder das Studentenwohnheim in Meißen. Die Nutzung weiterer Messehallen sind laut Felber im Augenblick nicht geplant. „Da ist mir nichts bekannt“, so der Sprecher.

Sichtschutz und Toilettencontainer

Am Dienstagmorgen wurden rings um die Halle Zäune als Sichtschutz aufgebaut, das Gelände hermetisch abgeriegelt. Zudem wurden mobile Toilettencontainer angeliefert, Betten aufgestellt. Nach Informationen von LVZ.de wird das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Betrieb der Erstaufnahme des Freistaates übernehmen. Die Hilfsorganisation organisiert laut Felber auch die Verpflegung der Bewohner und wird voraussichtlich ein Catering-Unternehmen damit beauftragen. Helfer und auch Menschen mit Spenden sollen sich direkt an das DRK wenden.

Die Flüchtlinge dürfen sich laut Felber auch außerhalb der Messehalle frei bewegen. Sie sind lediglich an das Leipziger Stadtgebiet gebunden. Dort bestehe eine sogenannte Residenzpflicht.

Die Messehalle 4 wird zur Flüchtlingsunterkunft vorbereitet.

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Entscheidung über Drehkreuz erwartet

Die Entscheidung über ein mögliches Flüchtlingsdrehkreuz auf dem DHL-Gelände am Flughafen in Schkeuditz ist dagegen noch nicht gefallen. Es sei noch in der Schwebe, sagte ein Sprecher des sächsischen Innenministeriums. Das Ressort warte auf eine Mitteilung aus Berlin, die nach Informationen von LVZ.de noch am Dienstag erfolgen soll. „Es ist noch nichts entschieden. Momentan steht der Bund mit den Ländern in Verhandlungen.“

An einem Cargo-Terminal werden schon in den kommenden Tagen 4000 bis 5000 Asylbewerber erwartet. Sie sollen dort nur für kurze Zeit – teilweise für Stunden – untergebracht und anschließend auf Erstaufnahmeeinrichtungen im Osten der Republik verteilt werden. Zwei weitere Drehkreuze sollen in West- und Norddeutschland entstehen, sodass es am Ende neben München und Leipzig vier zentrale Anlaufstellen geben werde.

 Nagel fordert "Beschlagnahmung öffentlicher Gebäude"

Die Migrationsexpertin der Linken im Landtag hat Alternativen zu Sport- und Messehallen bei der Unterbringung von Flüchtlingen gefordert. „Auch wenn der weitere Anstieg der Zahlen der so plötzlich in Deutschland Zuflucht suchender Menschen nicht vorhersehbar war, hätte der Freistaat besser vorbeugen müssen“, betonte Juliane Nagel am Dienstag mit Blick auf entsprechende Pläne in Leipzig. Auch dort gebe es Alternativen zur Nutzung einer Messehalle, angefangen von der Kinderklinik in der Oststraße bis zu leerstehenden Liegenschaften von Kirchen und anderen gesellschaftlichen Organisationen, meinte Nagel. Möglich wäre „auch die Beschlagnahmung öffentlicher Gebäude“.

CSU will Flüchtlinge nach Syrien abschieben

Angesichts des anhaltenden Flüchtlingsdrucks insbesondere aus Syrien und der drohenden Überforderung bei der Aufnahme in Deutschland will die CSU Schluss machen mit der Aufnahmebereitschaft. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, stellt deshalb die Forderung auf, in Deutschland angekommene Flüchtlinge auch nach Syrien abzuschieben. Gegenüber der  Leipziger Volkszeitung sagt Straubinger: „Nicht überall in Syrien wird gekämpft. Aleppo ist nicht Damaskus.“ Es gebe auch in Syrien Regionen, in denen man leben könne. Deutschland müsse da, wo es gehe, Flüchtlinge zurückschicken, andernfalls drohe in der Bundesrepublik ein abruptes Ende der Hilfsbereitschaft in Deutschland.

Insbesondere kritisierte Straubinger dabei die Positionierung des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel. Er hatte im ZDF erklärt: „Ich glaube, dass wir mit einer Größenordnung von einer halben Million für einige Jahre sicherlich klarkämen. Daran habe er keine Zweifel, vielleicht könnten es auch noch mehr sein. Für Straubinger sei dies „ein falsches Signal nach draußen“.

Josephine Heinze/Matthias Roth

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