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Neue Flüchtlinge in Leipziger Grube-Halle – hunderte Studenten wollen helfen

Asylbewerber Neue Flüchtlinge in Leipziger Grube-Halle – hunderte Studenten wollen helfen

209 Flüchtlinge leben mittlerweile in der Ernst-Grube-Halle an der Jahnallee. Darunter auch ein einmonatiges Baby. Noch immer wollen viele Leipziger helfen. Der Stura lud deswegen zu einer Infoveranstaltung, zu der mehrere hunderte Studenten kamen.

In der Grube-Halle sind inzwischen mehr als 200 Flüchtlinge untergebracht.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. In der Nacht zum Dienstag sind erneut Flüchtlinge aus Chemnitz in die Erstaufnahmestation Ernst-Grube-Halle gekommen. Wie die Landesdirektion auf Anfrage von LVZ.de mitteilte, bezogen 100 Menschen aus Syrien, Pakistan, Irak, aber auch beispielsweise Indien oder Albanien ihre Klappliegen. Mit insgesamt 209 Asylbewerbern ist die Kapazität in der Sporthalle auf dem Uni-Campus nun etwa zur Hälfte ausgeschöpft. Unter den Flüchtlingen sind derzeit 16 Kinder, darunter ein einmonatiges Baby, das erst während der Flucht zur Welt kam.

Währendessen gestalten sich die Beschäftigungsmöglichkeiten in Anbetracht des regnerischen Wetters für die Menschen vor Ort schwierig. „Wir haben gestattet, in der Halle Ball zu spielen, sofern es die Lautstärke zulässt“, erklärt eine Sprecherin der Landesdirektion. Ansonsten gebe es keine weiteren Angebote. „Wir haben die Flüchtlinge noch einmal mit Kleidung versorgt, da viele vom Regen durchnässt waren“, erzählt Lars Menzel von den Johannitern. Wie die Landesdirektion erklärte, kümmere man sich derzeit um eine Möglichkeit, die Kleidung der Asylbewerber zu waschen. „Waschmaschinen sind aus Sicherheitsgründen nicht möglich“, so die Sprecherin.

Derweil sind im Laufe des Dienstags zwei Sanitärcontainer gekommen, die die zehn vorhandenen Duschplätze zu ergänzen. Vor der Halle stehen zudem ein Gebetszelt und ein Zelt für Mütter, die dort ihre Kinder stillen. Die ehemalige Poststelle des Gebäudes wurde zum Sanitätsraum umfunktioniert, ein Kinderarzt und ein Zahnarzt betreuen die Flüchtlinge medizinisch. Bauzäune zwischen den Bettenreihen sorgen nun für etwas Privatsphäre.

Freiwillige aus der Halle berichten, dass die Hilfsbereitschaft unter den Leipzigern sehr groß sei. Viele würden sich über persönliche Kontakte organisieren, erst dadurch entstehe eine entsprechende Struktur. Auch an der Universität Leipzig zeigten sich viele trotz möglicher Einschränkungen des universitären Betriebs solidarisch.

Infoveranstaltung für Studenten

Etwa 800 Studenten folgten am Dienstagnachmittag dem Aufruf des Studentinnenrates (Stura) der Leipziger Universität und versammelten sich im Audimax der Hochschule. Sie alle wollten sich darüber informieren, wie die aktuelle Lage in der Grube-Halle ist – und wie sie helfen können.

„Es geht nicht nur darum, was jeder einzelne tun möchte, sondern was die Menschen vor Ort brauchen“, erklärte ein Sprecher des Stura. Nur dank der Unterstützung zahlreicher Freiwilliger sei die Lage in der Grube-Halle trotz aller Improvisation relativ geordnet. Auch der Vertreter der Johanniter zeigte sich beeindruckt von den vielen Studenten, die ihre Hilfe bereits angeboten hätten. Problemfelder gebe es dennoch: „Ganz oben steht der begrenzte Platz vor Ort“, so der Sprecher. Deswegen bemühe man sich um Angebote, die die Stimmung etwas entkrampfen.

Infoveranstaltung des Stura zur ehrenamtlichen Hilfe für Flüchtlinge am Dienstag in Leipzig.

Quelle: Jospehine Heinze

Wie bereits am Montag auf der Informationsveranstaltung in der Stadtbibliothek erklärt wurde, sollten sich alle Leipziger mit ihren Hilfsangeboten an den Flüchtlingsrat wenden. Sonja Brogiato, Sprecherin der Initiative, erläuterte, in welchen Bereichen Bedarf bestehe. Demnach würden vor allem medizinische Unterstützung, Sprachvermittler und Fahrer gebraucht. Aber auch, wer ein sportliches oder kulturelles Programm anbieten könne, sei gerne gesehen.

Auch Uni-Rektorin Beate Schücking bedankte sich bei der Studentenschaft für ihr Engagement. Zudem gab sie den Studenten mit auf den Weg, sich weiterhin mit dem Thema auseinanderzusetzen: „Wir brauchen den Dialog. Sprechen Sie die Lage auch in den Lehrveranstaltungen an, diskutieren Sie!“

In weiteren Schritten finden sich nun Arbeitsgruppen der Studenten zusammen, um die Hilfen für die Flüchtlinge in verschiedenen Bereichen zu organisieren. Neben Sprache, Sport und Kultur kümmern sich die Gruppen auch darum, wie der Richard-Wagner-Hain genutzt werden könnte oder welche Unterstützung andere Flüchtlingsunterkünfte in Leipzig benötigen.

Sammelaktionen erfolgreich

Auch die Sammelaktion von Begrüßungspaketen mit Sanitärartikeln zeigte Erfolg. Bis Freitag dieser Woche wollte die Initiative Fjällsangels 500 Sets erreichen. Bereits am Montag wurde dieses Ziel übertroffen. „Es ist natürlich eine vor allem symbolische Aktion“, so die Initiatorin. „Wir sind überwältigt, wie viele Menschen sich bei uns gemeldet haben.“ In den Päckchen sammelten die Leipziger je eine Zahnbürste, Zahnpasta, Deo, Seife und Kekse.

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