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Leipziger Sachspendenzentrale hofft weiter auf Unterstützung – Bildungspaten gesucht

Spendenannahme für soziale Projekte Leipziger Sachspendenzentrale hofft weiter auf Unterstützung – Bildungspaten gesucht

Seit einem Jahr ist die Leipziger Sachspendenzentrale primäre Anlaufstelle, wenn es um materielle Unterstützung für soziale Projekte geht. Am kommenden Samstag feiert die Institution des Flüchtlingsrats sein Jubiläum. LVZ.de sprach vorab mit Leiter Christoph Graebel.

Blick in die Leipziger Sachspendenzentrale. (Archivfoto)
 

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig.  Seit einem Jahr ist die Leipziger Sachspendenzentrale nicht nur für Flüchtlingsunterkünfte, sondern für alle soziale Einrichtungen in Leipzig primäre Anlaufstelle, wenn es um notwendige materielle Unterstützung geht. Am kommenden Samstag feiert das Projekt des Flüchtlingsrats mit einem großen Fest im Leutzscher Straßenbahnhof sein erstes Jubiläum. LVZ.de sprach vorab mit Leiter Christoph Graebel.

Vor einem Jahr begann die Sachspendenzentrale des Flüchtlingsrat Leipzig e.V. improvisiert in Reudnitz: Denken Sie manchmal noch an diese Anfangstage zurück?

Christoph Graebel: Ja. Wir mussten ja damals improvisiert beginnen, weil wir keine Zeit hatten. Ganz nach dem Motto des Flüchtlingsrats: Problemlagen erkennen, Bedarf ermitteln, handeln. Die Hilfsbereitschaft brach sich Bahn mit der ersten Notunterkunft für Flüchtlinge im Stadtgebiet, der Ernst-Grube-Halle. Alle wollten helfen und zwar sofort. Alleine am ersten Öffnungstag der Sachspendenzentrale kamen rund 2.000 Spender. Wenn es uns da nicht gegeben hätte, wären sehr schnell Logistikprobleme in der Unterkunft aufgetreten, weil natürlich nicht alle Sachspenden sofort gebraucht werden und es weder Lager- noch Personalkapazitäten gab. Wenn sich die Mitarbeiter in einer Notunterkunft um 100 Kuscheltiere kümmern müssen, können sie sich nicht adäquat um 10 Flüchtlingskinder kümmern. Das war ein Teil der damals von uns erkannten Problemlage. Der andere Teil betraf ganz eindeutig den Punkt der Gerechtigkeit. Dass also auch diejenigen Bedürftigen, die angesichts der medialen Präsenz der Flüchtlingskrise drohten vergessen zu werden, von der Hilfsbereitschaft profitieren und zwar unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit ausschließlich am Bedarf orientiert. Wir als Flüchtlingsrat haben das „Elend vor der eigenen Haustür“ sehr genau im Blick. Wir wollen schließlich Chancengerechtigkeit für alle Menschen in dieser Stadt. Auch in der Sachspendenzentrale setzen wir diese Grundhaltung konsequent um.

Aus den Medien ist das Thema „Flüchtlingskrise“ inzwischen fast verschwunden, viele Erstaufnahmen werden geschlossen, weil es kaum noch Flüchtlinge bis nach Deutschland schaffen. Macht sich das auch in der Sachspendenzentrale bemerkbar?

Christoph Graebel: Die Menschen, die in den Erstaufnahmen untergebracht waren, sind ja nicht verschwunden. Die sind in den kommunalen Unterkünften oder schon in eigenen Wohnungen untergebracht. Dank der engen Verzahnung mit den anderen Programmen des Flüchtlingsrats, also dem kommunalen Patenschaftsprogramm, dem Projekt Integration durch Bildung und der Beratungsstelle für dezentral Wohnende und Dank der nicht zuletzt dadurch engen Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen, dem Sozial- und dem Jugendamt erreichen uns heute vor allem Notbedarfsbestellungen für einzelne Menschen oder Familien und für die unbegleiteten, minderjährigen Ausländer, die ja anders als die Flüchtlinge in den kommunalen Gemeinschaftsunterkünften keine monatlichen Sozialleistungen beziehen.

Die Kundenstruktur der Sachspendenzentrale hat sich in den vergangenen Monaten aber sicher doch etwas verändert?

Christoph Graebel: Eigentlich nicht, da wir aus unserem Gerechtigkeitsanspruch heraus keine Individualausgabe machen. Unsere Kunden, also diejenigen, die bei uns bestellen sind ja die Kollegen aus den sozialen Einrichtungen oder der Sozialarbeit. Die ermitteln die Notbedarfe der von ihnen Betreuten, bestellen bei uns und holen ab, was wir bereitstellen können. Denn sie können am besten ermitteln, ob es einen Notbedarf gibt, oder ob es schlicht nur bequemer ist, statt selbst einzukaufen, auf Sachspenden zurückzugreifen. Was sich verändert hat, sind die konkreten Bedarfe. So sind in den letzten Monaten die Schulkinder sehr stark in den Fokus gerückt, weil es oft an geeignetem Schulbedarf mangelt. Ohne diese Hardware aber wird eine Bildungskarriere von Anfang an begrenzt. Bildung ist der Schlüssel zur Bearbeitung der aktuellen sozialen Herausforderungen. Und ich bin davon überzeugt, dass es dazu einen großen, gesellschaftlichen Konsens gibt, unabhängig davon, wie man im Einzelnen zur Flüchtlingskrise steht. Das merken wir beim Flüchtlingsrat nicht nur im Projekt Sachspendenzentrale, sondern auch beim Programm „Integration durch Bildung“. Ähnlich wie die Nachfrage nach vernünftig gefüllten Schulranzen ist auch die nach individuellem Förderunterricht und Hausaufgabenhilfe immens gestiegen. Hier brauchen wir dringend weitere Bildungspaten, die durch ihren ehrenamtlichen Einsatz dazu beitragen, dass Schullaufbahnen erfolgreich begonnen und abgeschlossen werden können, dass sich junge Menschen mit Migrationshintergrund über die Bildung in unserer Mehrheitsgesellschaft ihren Platz erarbeiten. Das ist das Ziel von Integration – und der Weg dorthin beginnt heute eben oft, mit einem Ranzen aus der Sachspendenzentrale.

Wie wirkt sich der künstlich verminderte Flüchtlingsstrom und die Verschiebung der Berichterstattung auf andere Themen auf die Spendenbereitschaft aus?

Christoph Graebel: Wir haben von Anfang an eine Bedarfsliste auf unserer Internetseite, die ständig aktualisiert wird. Nachdem es auf dem Höhepunkt des Flüchtlingszustroms manchmal schien, als würde bei all das bei uns landen, was in den Wohnungen der Sachspender nicht niet- und nagelfest ist, entsprechen heute rund 75 Prozent der Spenden der Bedarfsliste. Diese Dinge bleiben natürlich deutlich kürzer im Lager und helfen damit viel schneller. Wir sind in der Sachspendenzentrale dadurch viel effizienter und haben die Anflüge von Aktionismus, die uns zu Beginn natürlich auch ereilten, gottlob zugunsten eines gesunden Pragmatismus hinter uns lassen können.

Sind Eure Lager trotzdem gut gefüllt? Woran hapert es derzeit vor allem?

Christoph Graebel: Wir sind ja ein Spiegel des deutschen Durchschnittskleiderschranks. Das heißt, der Bereich Frauenbekleidung ist nach wie vor sehr gut gefüllt, bei Klamotten für Jungs ab Größe 148 ist es immer sehr knapp. Diese Lücke zieht sich weiter über die Herrengrößen S und M. Und auch tragbare Herren- und Jungsschuhe in den Größen 39 bis 43 sind dauerhaft Mangelware bei uns.

Welche Perspektive hat die Sachspendenzentrale in Leipzig?

Christoph Graebel: Wir werden die Zusammenarbeit mit Kleiderkammern, die kostenlos weitergeben und ebenso wie wir nicht nur für Flüchtlinge oder nur für Deutsche da sind weiter ausbauen. Wir wollen und werden also weiter dazu beitragen, dass diejenigen, die Hilfe brauchen Hilfe bekommen und diejenigen, die bedarfsorientiert helfen wollen das ebenfalls können. Wir sind ja nur der Vermittler zwischen Hilfsbereitschaft und Hilfsbedarf. Aber diese Vermittlung ist eben wichtig, sonst ist Hilfe keine Hilfe. Um hier Kontinuität zu erreichen haben wir aus Vereinsmitteln des Flüchtlingsrats eine Vollzeitstelle in der Sachspendenzentrale geschaffen, die den Überblick über den Lagerbestand hat, die Bestellungen bearbeitet und das Team der ehrenamtlichen Helfer anleitet. Solange wir also in Leipzig Menschen haben, die uns regelmäßig beim Sortieren und Bereitstellen helfen, vor allem aber auch solche, die Sachen spenden, so lange wird es die Sachspendenzentrale geben – wirklich überflüssig wird sie erst, wenn es keine Bedürftigkeit mehr gibt.

Von Matthias Puppe

- Menschen, die in der Sachspendenzentrale helfen wollen, finden alle Informationen dazu unter: www.helfen.sachspendenzentrale.de

- Menschen, die im Projekt „Integration durch Bildung“ als Bildungspaten Förderunterricht und/oder Hausaufgabenhilfe geben möchten, schreiben eine E-Mail an: info@idb-verein.de

 

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