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Von Katar bis Kanada: Weltweite Resonanz auf die Leipziger Hoaxmap

Gerüchte über Flüchtlinge Von Katar bis Kanada: Weltweite Resonanz auf die Leipziger Hoaxmap

Seit einer Woche sorgt eine interaktive Karte zu falschen Gerüchten über Flüchtlinge für mediale Furore. Erdacht hat die Hoaxmap eine Leipzigerin. Sie telefoniert inzwischen mit Journalisten aus aller Welt. Am Sonntag lobte auch Justizminister Maas das Projekt.

Auf der Hoaxmap werden falsche Gerüchte über Flüchtlinge gesammelt.
 

Quelle: Hoaxmap

Leipzig. Überfallene Supermärkte, Bordellgutscheine und Begrüßungsgeld für Neuankommende, verspeiste Hunde, kostenlose Straßenbahn-Monatskarten, Vergewaltigungen – falsche Gerüchte über Flüchtlinge gibt es zuhauf, vor allem in sozialen Netzwerken. Die Leipzigerin Karolin Schwarz hat zusammen mit einem Mitstreiter eine Übersichtkarte erstellt, auf der solche Falschmeldungen samt Widerlegung verortet werden können.

Mehrere Hundert sogenannter Hoaxes (englisch für Scherz, Schwindel) sind auf der Hoaxmap inzwischen zu sehen. Seit Veröffentlichung vergangenen Montag hat die Idee der Leipzigerin eine mediale Welle ausgelöst. Zahlreiche Medien aus dem In- und Ausland haben bereits darüber berichtet. Am Sonntag fand sogar Justizminister Heiko Maas (SPD) lobende Worte. LVZ.de sprach mit Karolin Schwarz über das Phänomen.

Frage: Ihre Hoaxmap zu angeblichen Straftaten von Flüchtlingen ist derzeit eines der viralen Themen im Internet. Übertrifft das alle Erwartungen?

Karolin Schwarz: Vollkommen. Wir haben überhaupt nicht mit einer solchen Resonanz gerechnet – schon gar nicht international. Vielleicht haben wir da einfach einen Nerv getroffen. So richtig realisiert haben wir diesen Erfolg aber noch nicht.

Nicht nur hierzulande haben viele Medien das Thema aufgegriffen. Von wo überall kam bisher das Interesse?

Karolin Schwarz: Wir hatten schon Anfragen aus Kanada, Österreich, der Schweiz, sogar vom arabischen Fernsehen Al Jazeera aus Katar. Artikel über die Hoaxmap gibt es außerdem aus Großbritannien, Belgien, Ungarn und Rumänien.

Wie ist das Feedback im Ausland, wie reagieren die Kollegen auf die Menge an Falschmeldungen über Flüchtlinge in Deutschland?

Karolin Schwarz: Ich habe mich darüber etwas ausführlicher mit dem Journalisten aus Kanada unterhalten, der einen Artikel bei der CBC veröffentlicht hat. Tatsächlich sieht es dort – in abgeschwächter Form – ähnlich aus wie bei uns. In Österreich gleicht das Bild absolut dem deutschen – dort sind die Gerüchte sogar inhaltlich absolut ähnlich. Natürlich sind viele Berichterstatter überrascht davon, welche absurden Geschichten zum Teil im Umlauf sind. Da gibt zum Beispiel eine aus Bayern, über eine „Schwarzafrikanerin“, die sich angeblich aus religiösen Gründen ihre Haare verlängern und flechten ließ. Die Rechnung in Höhe von über 700 Euro soll dann angeblich vom Landratsamt übernommen worden sein.

Wie hat der Erfolg der Idee Ihr persönliches Leben verändert? Am Sonntag hat ja sogar Justizminister Heiko Maaß (SPD) ihre Idee gelobt.

Karolin Schwarz: Ich freue mich natürlich sehr darüber, dass er unser Projekt empfiehlt! Mein Leben hat sich aber nicht so dramatisch verändert. Das Telefon klingelt ein wenig häufiger, das Mailpostfach ist auch eindeutig voller als sonst. Es gibt eine Einladung, bei einer Konferenz über das Thema zu sprechen – darüber freue ich mich besonders, weil es vielleicht ein wenig Austausch über dieses Phänomen zulässt. Ansonsten ist alles beim Alten.

Hilft die mediale Aufmerksamkeit auch dem Anliegen der Hoaxmap?

Karolin Schwarz: Ich denke schon. Uns haben zahlreiche Mails erreicht, in denen sich Nutzer unserer Seite bedanken, dass sie recht unkompliziert nachschauen können, ob ein Gerücht aus ihrer Region, mit dem sie konfrontiert wurden, widerlegt wurde. Diese Gerüchte tragen ja auch zur Verunsicherung der Leute bei.

Bleibt es bei der Hoaxmap oder gibt es schon weiterführende Planungen?

Karolin Schwarz: Die Karte ist ja jetzt erst seit einer Woche online. Auf jeden Fall wollen wir weiter daran arbeiten. Wir wollen künftig auch noch mehr mit den Daten arbeiten und vielleicht auch nach überregionalen Zusammenhängen oder gemeinsamen Ursprüngen von Gerüchten suchen.

Internet: hoaxmap.org

Von Matthias Puppe

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