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Zeltstadt, Messehalle, Wohnung – Leipzig betreut 5000 neue Flüchtlinge

Asylbewerber Zeltstadt, Messehalle, Wohnung – Leipzig betreut 5000 neue Flüchtlinge

Die Stadt Leipzig muss sich um knapp 5000 Flüchtlinge kümmern, die ihr in diesem Jahr zugewiesen worden sind. Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) geht davon aus, dass die Entwicklung im kommenden Jahr anhält. Bis 2017 sollen daher noch einmal 4789 Plätze in Unterkünften – ob nun in Gebäuden oder zusätzlichen Leichtbauhallen – entstehen.

Auf dem alten Flughafengelände in Mockau wächst derzeit neben der Zeltstadt für 800 Menschen ein weiteres Flüchtlingslager.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Druck ist riesig: Eine kleine Zeltstadt ist auf dem Parkplatz gegenüber der Deutschen Nationalbibliothek am Deutschen Platz im Entstehen. Bis zu 350 Flüchtlinge sollen noch vor Weihnachten in die beheizbare, in Leichtbauweise errichtete Notunterkunft einziehen. Nur so vermag die Stadt Leipzig überhaupt den Kraftakt schaffen, genügend Räume für die ihr zugewiesenen Asylbewerber bereitzustellen. Mittlerweile bezogen sind neben dem ehemaligen Interpelz-Hochhaus am Brühl (520 Plätze) die Messehalle 17, zwei Pavillons auf der alten Messe sowie ein Gebäude in der Nikolai-Rumjanzew-Straße (ehemals Robert-Koch-Klinik).

Wie viele Flüchtlinge kamen in diesem Jahr nach Leipzig? Knapp 5000 Menschen, die Hilfe nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen, wies das Land Sachsen in diesem Jahr der Stadt Leipzig zu (bis November 2015: 4327; 2014: 1243) . „Unser Ziel ist nach wie vor, dass die Menschen so bald wie möglich in einer eigenen Wohnung leben “, sagte Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. „Es ist aber richtig, dass sie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft leben, damit sie Orientierung finden und begleitet werden.“ Geplant sei, dass die Menschen, die zunächst in den beheizbaren Zelten leben müssen, künftig zuerst eine der Wohnungen beziehen können. Derzeit wohnen 36 Prozent der Asylbewerber außerhalb einer Gemeinschaftsunterkunft. Hinzu kommen: 437 Minderjährige, die das Jugendamt betreut, sowie knapp 2200 in Erstaufnahmeeinrichtungen des Freistaates.

 Informieren über die Situation rund um Flüchtlinge: Martina Kador-Probst, Bürgermeister Thomas Fabian, Nicolas Tsapos und Regine Krause-Döring (von links)

Reichen die Unterkünfte? „Es gibt noch Lücken“, sagte Martina Kador-Probst, die Leiterin des Sozialamtes. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, weitere Standorte zu finden.“ Erwartet wird, dass der Zustrom 2016 anhält. Bis 2017 sollen daher noch einmal 4789 Plätze zusätzlich entstehen. Neben bereits angeschobenen Objekten kommen ein Interim in den ehemaligen Schulhäusern Hainbuchenstraße (174 Plätze) sowie Karl-Heine-Straße 22b (200 Plätze), Betten im ehemaligen Gästehaus Weißdornstraße 102 (207 Plätze), Wohnhaus Bernhardstraße 21 (60) sowie im Verwaltungsgebäude Friesenstraße 8 (210) hinzu. Auf dem Areal Theklaer Straße/Zschopauer Straße entsteht zudem eine weitere Zeltstadt (200 Menschen). „Leerstehende Schulgebäude werden nur solange belegt, bis die Baumaßnahmen starten können“, betonte Fabian.

Wie viele Flüchtlinge kommen täglich? Das ist sehr unterschiedlich. Zwischen null und 100. „Im Moment läuft es so, dass wir dem Freistaat regelmäßig freie Plätze melden. Zwei, drei Tage vorher stimmen wir ab, wie viel Personen wir aufnehmen können“, so Kador-Probst. Eine Weihnachtspause bei den Zuweisungen werde es nicht geben.

Wie ist der Gesundheitszustand der Flüchtlinge? Bislang wurden 3897 Asylsuchende durch das Gesundheitsamt untersucht. Dafür gibt es spezielle Räume am Klinikum St. Georg, am Universitätsklinikum sowie in der Außenstelle Krankenhaus Altscherbitz. „Von den Asylsuchenden gehen keine erhöhten Infektionsgefahren aus“, betonte Amtsleiterin Regine Döring-Krause. Zwei Erkrankte an Hepatitis B, vier an Tuberkulose sowie einer an Hepatitis A wurden festgestellt. „Sie sind teilweise besser geimpft gegen Windpocken, Röteln, Masern oder Mumps als die Einheimischen.“ Um Erkältungskrankheiten zu vermeiden, werden auch Grippeschutzimpfungen angeboten. Dies werde häufiger genutzt als von „einigen impfmüden Deutschen“, wie es hieß.

Von Mathias Orbeck

Erstaufnahmen: Bauen auf Hochtouren und eine Atempause

Der Freistaat Sachsen will in Leipzig etwa ein Drittel seiner gesamten Erstaufnahmekapazitäten für Flüchtlinge bündeln: Von 20 000 Plätzen sind allein in der Messestadt etwa 8000 vorgesehen.

Auf dem alten Flughafengelände in Mockau wächst derzeit neben der Zeltstadt für 800 Menschen ein weiteres Flüchtlingslager. 30 Leichtbauhallen – jede bietet Platz für 50 Menschen – entstehen dort als Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates für die Unterbringung von Asylbewerbern (Kapazität: 1500 Plätze). Unweit davon, in der Braunstraße 3-5 sowie 9-11, sind weitere Unterkünfte im Entstehen, die insgesamt für bis zu 1500 Personen ausgelegt sind. Die Halle 4 auf der Neuen Messe ist inzwischen geräumt, nebenan auf dem Freigelände sind acht neu aufgestellte Leichtbauhallen fertig (1700 Personen). Die stehen derzeit leer, weil die bisherigen Bewohner aufs Areal in Mockau verlegt worden sind.

In Leipzig als Erstaufnahmeeinrichtung genutzt werden zudem die Ernst-Grube-Halle (420 Plätze), die Friederikenstraße (430), die „LE Kickerhall“ Plagwitz (439 Plätze), das Freigelände der Staatlichen Studienakademie in der Schönauer Straße (420) sowie die General-Olbricht-Kaserne (180, im Jahre 2016 dann 900 Plätze). Bis Anfang 2017 soll das geplante Objekt Max-Liebermann-Straße bezugsfertig sein (700 Plätze). Auf Leipziger Gebiet entstehen somit knapp 8000 Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen Flüchtlinge bis zu ihrer Verteilung auf die Kommunen verbleiben. „Wir wissen nicht, wie lange der Zustrom von Flüchtlingen anhält. Um nicht überrascht zu werden, wollen wir gut vorbereitet sein“, sagt Jana Klein, Sprecherin der Landesdirektion. Derzeit habe der Zustrom etwas nachgelassen, sodass es zumindest eine Atempause gibt. M.O.

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