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Clemens Meyer über die Symptome des Derby-Fiebers

Als wir träumten Clemens Meyer über die Symptome des Derby-Fiebers

In unregelmäßigen Abständen berichtet der Leipziger Autor Clemens Meyer in einer Kolumne über seine große Liebe, den Galoppsport. Dieses Mal behandelt er die die Symptome des Derby-Fiebers.

Die Galoppsportfans erkranken immer Ende Juni/Anfang Juli am Derby-Fieber, sagt Kult-Autor Clemens Meyer.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Galoppsportfans erkranken immer Ende Juni/Anfang Juli am Derby-Fieber. Für Außenstehende sind die damit verbundenen nervösen Symptome oft schwer zu verstehen, die dieser Wettkampf der besten dreijährigen Pferde jedes Jahr hervorruft. Nach englischem Vorbild geht das Rennen der Rennen, das auch den schönen Titel „Das blaue Band“ trägt, über anderthalb Meilen. Zwanzig Pferde, auf der Höhe ihres sportlichen Leistungsvermögens, donnern dann über die Bahn in Hamburg/Horn. In diesem Alter sind bei den englischen Vollblütern spektakuläre Leistungssteigerungen möglich, aber auch das Scheitern der Favoriten ist oft an der Tagesordnung, das Derby hat seine eigenen Gesetze.

Und Legenden. So verlor der Jockey Olaf Schick 1988 seinen Ritt, weil er es am Vorabend mit anderen Jockeys krachen ließ und einen riesigen Schinken aus einer Imbissbude stibitzte. Das Pferd gewann dann natürlich, mit einem anderen Jockey an Bord. Einen Derbysieger aus einem ostdeutschen Trainingsquartier gab es nach 1990 übrigens noch nie. Immerhin trainierte der Leipziger Jens Hirschberger, Sohn unseres langjährigen Scheibenholz-Trainers Peter Hirschberger, zwei Derbysieger für das große westdeutsche Gestüt Schlender- hahn. Aber ein Derby-Starter aus Leipzig, das wäre mal was... Ob dieses Pferd, und man kann ja mal träumen, dann auch unterstützt werden würde, bejubelt von Bevölkerung und Politik?

Der Pferdesport hat’s ja schwer in der Öffentlichkeit dieser Jahre. In Leipzig gibt es keinerlei Unterstützung von der Stadt, keine Signale, dass das Scheibenholz als älteste Leipziger Sportstätte zu Leipzigs wichtigsten Orten gehört. Die Pflege der großflächigen Anlage wird, anders als zum Beispiel in Dresden, überhaupt nicht gefördert oder unterstützt. Die Bürgermeister zeigen sich nie – oder nur, wenn’s was zu feiern gibt. Stolz und Rückhalt sehen anders aus!

Ist denn dieser Sport so unzeitgemäß? Man muss ihn doch, gerade in unserer Zeit, als etwas absolut besonderes wahrnehmen! Ist es vielleicht die Sorge um den Tierschutz? Der ist in unserem Sport durchaus wichtig, und ich werde in der nächsten Kolumne näher darauf eingehen. Wie sieht der Tagesablauf eines für den Galopprennsport gezüchteten und trainierten Pferdes überhaupt aus? Alles Glück dieser Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde.

An dieser Stelle schreibt Kult-Schriftsteller Clemens Meyer, 39, in regelmäßigen Abständen über seine große Liebe, den Galoppsport. Die nächste Kolumne erscheint Ende Juli.

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