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Süßer Schmerz zum Abschied - Placebo spielen zum Abschluss des Highfield-Festivals 2012

Süßer Schmerz zum Abschied - Placebo spielen zum Abschluss des Highfield-Festivals 2012

Als das Licht gedämmt wird und sphärische Geisterklänge vom Band das Intro des Sonntagabend-Headliners ausmachen, sind alle Verwirrungen um eine mögliche Konzertabsage vergessen: Brian Molko steht mit Placebo auf der Bühne – keine Spur von einem Virus-Infekt oder ähnlichem.

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Placebo beschließen das Highfield-Festival 2012.

Quelle: dpa

Leipzig. Das Londoner Alternative-Trio ist zum vierten Mal auf dem Highfield und knüpft mit einer energischen aber nicht überambitionierten Revue ihrer Erfolge nahtlos an Attitüde und Darbietung vergangener Festivals an.

Zugegeben, einige kratzige, schmutzige Titel der frühen Jahre sind aufpoliert und mit allerlei Keyboard-Spielchen popgemäß ins Heute gezwungen worden. Das zerbrechliche, kaputte Auftreten aber hat sich die Band bewahrt: Brian Molko steht schwarz im gleißenden Scheinwerferkegel, bietet sein androgynes Wesen feil, singt mit hoher, spitzer Stimme je-he-de Silbe als Schmerzbekundung, geht für schnelle Gitarrenabschläge so weit in die kreuzenden Knie, dass die jubelnden Fans Angst haben müssen, sie würden in der Mitte durchbrechen. Die zerschlissene Seele in den Mittelpunkt allen Ausdrucks zu stellen war schon immer Molkos Markenzeichen, mittlerweile scheint jedes Lebensjahr seinem kränklichen Antlitz einen weiteren Hieb hinzuzufügen – alt sieht er aus, der 39-jährige Frontmann.

Gerade das Marode aber macht Placebo aus, gerade das erwarten die Highfield-Reihen. „Every Me and Every You" ist der dritte Titel, ab hier ist die Menge gewonnen, muss die Band nicht mehr machen, als ihre Hits zu spielen. „Meds" erledigt Molko sensibel im Alleingang, „Song to Say Goodbye" und „The Bitter End" rocken dafür unter Gitarrenwucht und den derben Schlägen des blonden Trommel-Hünen Steven Forrest. Dazu Botschafts-Geflacker auf der Videoleinwand („Demokratie" und „Farce" blitzen in die Masse), eine Gwyneth-Paltrow-gleiche Elfe an der Violine und gewohnt reduzierte Ansagen. Immerhin gibt sich Molko Mühe, Deutsch zu sprechen: „Der näxte Song ist för alle Mädchen." Sympathisch geht eben auch, tosender Applaus Tausender Fans quittiert das Engagement.

Trotz allen Zuspruchs – die Lücken im Publikum sind deutlich größer als bei anderen Acts. So konnten die Beatsteaks am Vortag noch wesentlich weiter hinten mit Unterstützung rechnen. Zudem spielen die US-Rocker von The Gaslight Anthem fast eine gesamte Placebo-Stunde parallel auf der Blue Stage, das hätten die Veranstalter am Abschlussabend besser handhaben können. Und Headliner der Herzen sind am Sonntag dann doch eher die ebenfalls britischen Subways im Vorabendprogramm. Als die ihren Überhit „Rock‘n‘Roll Queen" anstimmen, steht fast das gesamte Infield geschlossen vor den Indie-Rockern, um frenetisch mitzusingen.

Generell ist das Line-Up am dritten Festivaltag äußerst exquisit, auch wenn die Technik sich ein weiteres Mal als eigenwillig erweist: Beim grandiosen Auftritt der Black Keys fällt die gesamte Tonanlage einen halben Song lang aus. Zeit zum Nachjustieren gibt es ab heute aber genug: Bis zum 16. Highfield-Festival sind es noch 361 Tage.

Tobias Ossyra

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Highfield Facts

Das nächste Highfield-Festival findet statt:
19. bis 21. August 2016
Störmthaler See
Großpösna/Leipzig

Alle Infos
www.highfield.de
www.facebook.de/highfieldfestival
Anreise: Alle wichtigen Infos gibt es hier! 

Highfield Tickets

Karten für das Highfield 2016 gibt es unter anderem im LVZ-Ticketshop.