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Hochwasser in Sachsen
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Auwald nach Flut gefährdet – Leipziger Forscher untersuchen Schlamm auf Schwermetalle

Auwald nach Flut gefährdet – Leipziger Forscher untersuchen Schlamm auf Schwermetalle

Nach der Schließung des Nahle-Wehrs zieht sich das Wasser aus der Burgaue im Leipziger Norden zurück. Übrig bleiben Tierkadaver und moderige Pfützen, die die Pflanzenwelt bedrohen.

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Auf dem Schlobachshof sind die Aufräumarbeiten in vollem Gange. An vielen Stellen steht noch das Wasser. Strom kommt von einem Notstromaggregat.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Gefährlich für die Natur können auch Schwermetalle sein. Deshalb werden Wasser und Schlamm derzeit im Labor der Uni Leipzig auf diese Stoffe getestet.

Stadtförster Andreas Sickert weiß nicht, was er zuerst machen soll: Er muss den gefluteten Auwald kontrollieren, tote Tiere erfassen und dabei das Tagesgeschäft nicht vernachlässigen. „Wie soll ich das denn alles bewerkstelligen?“, fragt er in gereiztem Ton. Der Förster ist derzeit im Dauerstress.

Fotos aus der Leipziger Burgaue:

Baustelle Nummer eins: Der Wildpark im Leipziger Süden. Er ist noch immer vom Hochwasser bedroht. Weil der Pleiße-Pegel erneut steigt, drückt das Wasser durch die Auwaldgräben in die Gehege. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, beruhigt Sickert und fügt hinzu: „Zur Entspannung aber auch nicht.“

Baustelle Nummer zwei: Der Auwald im Leipziger Norden, der durch die Öffnung des Nahle-Wehrs einige Tage komplett geflutet war. Mittlerweile ist das Bauwerk wieder dicht. Am Waldboden klebt eine dicke Modderschicht. „Viel Schlamm und kaputte Wege“, so fasst Sickert die Situation in dem Waldstück zwischen Böhlitz-Ehrenberg und Lützschena zusammen. „Die Stämme liegen übereinander wie in einem Mikadospiel.“ Spaziergänger sollten in der Burgaue derzeit festes Schuhwerk tragen. „Sie werden mit Sicherheit dreckige Füße bekommen“, prophezeit der Förster. Seit Sonntag darf der Wald wieder betreten werden. Die Wege seien allerdings nicht geräumt. Umgefallene Bäume und Äste können den Durchgang versperren.

Tote Rehe und Füchse wurden weggespült

Nicht nur die Pflanzenwelt leidet unter den Folgen der Flut. Auch viele Tiere sind den Wassermassen zum Opfer gefallen – die meisten wurden weggeschwemmt. „Ich habe schon einige tote Rehe gesehen“, berichtet Sickert. Auch so mancher Fuchs, Dachs oder Marder hat es nicht rechtzeitig aus seiner Behausung geschafft, bevor das Wasser kam. Die Kadaver werden nun von Bakterien zersetzt. Sickert verweist auf den Kreislauf der Natur.

Sorgen bereiten dem Förster eher die sogenannten Badewannen im Auwald, große stillstehende Pfützen, die das Hochwasser zurücklässt. „Wenn kein sauerstoffreiches, frisches Wasser nachfließt, wird das zu einem echten Problem“, sagt der Waldkenner. Denn: Die Wurzeln der Pflanzen faulen an. Können Bäume keine Fotosynthese mehr durchführen und auch nicht mehr atmen, sterben sie. Eine große Eiche hält dem moderigen Wasser eine Weile Stand, ein junger Keimling jedoch nicht. Um ein flächendeckendes Waldsterben zu verhindern, wird derzeit überlegt, die Wasseransammlungen stellenweise abzupumpen.

Schlammkruste wird auf Schwermetalle getestet

Eine weitere Gefahr für Flora und Fauna: giftige Stoffe im Wasser und in den Schlammablagerungen. Mitarbeiter des geografischen Instituts der Uni Leipzig untersuchen derzeit im Labor Proben aus der Burgaue auf Nährstoffe, Stickstoff- und Kohlenstoffgehalt –und gefährliche Schwermetalle wie Blei, Zink oder Cadmium. In einer Woche sollen erste Ergebnisse vorliegen. „Auf den ersten Blick sehen die Proben in Ordnung aus“, sagt Geografin Anna Herkelrath. Einen endgültigen Bericht gebe es erst in der kommenden Woche. Bei der Auswertung der letzten Hochwasser-Proben 2011 gab es keinen Grund zur Sorge, da Grenzwerte nicht überschritten wurden.

Gefährlich werden könnte den Tieren und Pflanzen eine zu hohe Konzentration an Schwermetallen. „Die wirken giftig“, erklärt die Forscherin. Befinden sich viele Schwermetalle im Boden, sollten Spaziergänger keine Pilze oder andere Waldfrüchte essen. Das wäre eine Gefahr für die Gesundheit.

Gina Apitz

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