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Hochwasser in Sachsen
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Flut zerstört in Leipzig hunderte Hektar Acker: Schaden beläuft sich auf 400.000 Euro

Flut zerstört in Leipzig hunderte Hektar Acker: Schaden beläuft sich auf 400.000 Euro

In der gefluteten Burgaue zwischen Gundorf und Lützschena im Leipziger Norden fielen dem Hochwasser 500 Hektar Ackerland zum Opfer. Überschwemmt wurden 300 Hektar Weizen-, und Rapsfelder sowie 200 Hektar Grünfläche.

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Mit viel Glück erreiche das Hochwasser in der Leipziger Burgaue nicht die Gundorfer Agrargemeinschaft. Etwa 1600 Rinder hätten beinahe bis zu den Knien im Wasser gestanden.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Gundorfer Agrargenossenschaft beziffert den Schaden auf 400.000 Euro. Der Freistaat rechnet für ganz Sachsen mit Einbußen von mindestens 79 Millionen Euro.

Zehn Zentimeter vor den Ställen machte das Wasser halt, berichtet Hartmut Kubon, Vorsitzender der Gundorfer Agrargenossenschaft, die Felder in der Leipziger Burgaue bewirtschaftet. Ein Werkstattgebäude stand kurzzeitig unter Wasser. Die Tiere waren von der Flut nicht bedroht. Der Schaden ist dennoch gewaltig: „500 Hektar Land wurden überschwemmt“, so Kubon. Einige Pflanzen werden die Wassermassen überleben, aber auf 100 Hektar Raps und 60 Hektar Weizen droht ein Totalschaden. „Auf diesen Flächen kann nichts mehr geerntet werden, weil die Pflanzen verfault sind“, so der Landwirtschaftsexperte. Auch aktuell steht ein Teil der Äcker noch unter Wasser. Zum einen, weil die Luppe noch immer viel Wasser führt und zurück staut. Zum anderen, weil der Regen der letzten Tage den Boden aufgeweicht hat. Es kann kein Wasser mehr versickern.

Wird es in den nächsten Tagen sonniger, will die Genossenschaft einen Teil des Oberflächenwassers abpumpen. Zurück bleibt eine Schlammkruste. „Die ist für die Pflanzen erstmal kein Problem“, erklärt Kubon. Sie können zwar schlechter atmen. Gefährlich wird es aber erst, wenn die graubraune Masse durchtrocknet und sich als harte Betonschicht auf Weizen und Raps legt. Kubon geht davon aus, dass der Matsch aus organischem Material besteht und nicht giftig ist.

Schäden wie bei der Jahrhundertflut 2002

Das sächsische Landwirtschaftsministerium rechnet für den gesamten Freistaat mit einer ähnlichen Zerstörung wie vor elf Jahren. Besonders gelitten haben Sommergetreide, Mais und Kartoffeln. „Die Landwirte müssen Schäden hinnehmen, die mit denen des Augusthochwassers 2002 vergleichbar sind“, sagte Landwirtschaftsminister Frank Kupfer. Damals wurden rund 40 000 Hektar land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet, davon mehr als 20 000 Hektar Ackerland, 6000 Hektar Grünland und mehr als 3200 Hektar Wald. Insgesamt beliefen sich die Schäden auf 79 Millionen Euro.

Im Vergleich zu den letzten beiden Fluten hat es die Gundorfer Genossenschaft diesmal besonders hart getroffen, hat Hartmut Kubon festgestellt. 2002 kam das Wasser im August, da war die Ernte schon fast komplett eingefahren. 2011 ergoss es sich im Winter auf leere Felder. „Diesmal fiel es genau in unsere Hauptvegetationsperiode“, sagt Kubon und seufzt.

Für Unternehmer stellt der Freistaat zehn Millionen Euro als Soforthilfen zur Verfügung. 1500 Euro kann sich jeder geschädigte Landwirt abholen. „Das Geld nehmen wir zwar mit“, sagt der Genossenschafts-Chef, „aber das hilft uns als Unternehmen in keiner Weise.“ Löhne für 60 Mitarbeiter müssen gezahlt werden. Das Handgeld ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „2002 gab es vom Land nichts“, behauptet Kubon. Für die entstandenen Schäden haftet auch seine Versicherung nicht. Bei einem Brand auf den Feldern, würde die zwar einspringen, aber Naturkatastrophen gelten als höhere Gewalt und werden deswegen nicht versichert.

Millionen-Hilfen von Freistaat und Bund angekündigt

Bund und Länder wollen die Bauern nach eigenen Angaben nicht allein lassen. Das Bundesagrarministerium verspricht Hilfe in Form von Darlehen: Mit zinsgünstigen Krediten der landwirtschaftlichen Rentenbank sollen Unternehmen finanzielle Engpässe überbrücken. Das sächsische Landwirtschaftsministerium kündigte an, dass Bauern Gelder aus der Förderrichtlinie für Krisen und Notstände bekommen können. „Diese greift bei außergewöhnlichen Ereignissen wie Hochwasser“, informiert Sprecher Falk Hofer. Der Berieb müsse dafür nachweisen, dass seine Existenz durch das Hochwasser bedroht ist. Dies sei erfüllt, wenn die Erträge des Jahres um mehr als 30 Prozent geringer ausfallen als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre. In diesem Fall können Hilfen bis zu 30.000 Euro beantragt werden.

2002 zahlten das Land Sachsen und der Bund zudem 27 Millionen Euro an Schadensersatz an die Landwirte. Pro Betrieb wurde die Hälfte der entstandenen Kosten zurückgezahlt, maximal eine Million Euro. Wie viel die Bauern diesmal erwarten können, ist noch ungewiss. „Wir müssen erst alle Schäden erfassen, bevor eine Summe feststeht“, so Ministeriumssprecher Falk Hofer.

Hartmut Kubon denkt nicht, dass die Existenz der Genossenschaft aktuell gefährdet ist. Wenn die Felder wieder trocken sind, werden seine Mitarbeiter andere Futterpflanzen anbauen. Solche, die schnell wachsen und noch ein bisschen Ertrag bringen wie Mais und Futtergras. „Wir machen weiter“, sagt der Genossenschaftler. „Es bleibt uns ja nichts anderes übrig.“

Gina Apitz

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